Das Opfer der Schüsse in Wald ist auf dem Weg der Besserung
Nach Schuss ins Bein
Mehrere Schüsse, ein verletzter Kirchenpfleger, ein verhafteter Schütze: Nur einen Tag nach den Schüssen in Wald zeigt sich das Opfer zuversichtlich.
Eine graue Plane ist an der Rückseite eines kleinen Autos montiert. Auf dem Boden liegen lauter winzige schwarze Scherben, die beim Aufprall eines Projektils auf die Scheibe des Kofferraums zersprangen. Es ist der letzte Hinweis darauf, was sich am Sonntagvormittag in der sonst so ruhigen Gemeinde Wald zugetragen hatte.
Kurz vor 10.30 Uhr gab ein 41-jähriger Italiener mit einer Pistole vor der reformierten Kirche Wald bei der Tösstalstrasse mehrere Schüsse ab. Zuvor betrat der mutmassliche Schütze die Kirche und sprach dort seine ehemalige Vermieterin an. Beim Konflikt ging es offenbar um Geld. Nach dem Gottesdienst verliess sie die Kirche, worauf der Italiener die Frau mit einer Pistole bedrohte, wie Recherchen von Tele Züri ergaben.
> > Die Staatsanwaltschaft hat für den mutmasslichen Schützen Untersuchungshaft beantragt.
Ein 46-jähriger Schweizer Kirchenpfleger stellte sich letztlich zwischen den Schützen und die ältere Frau. Der 41-Jährige feuerte daraufhin mehrere Schüsse ab, dabei verletzte er auch den Kirchenpfleger am Bein. Ein Schuss traf die Scheibe des Kofferraums eines Autos in der Kirchgasse, ein anderer ging in die Luft.
An der Fassade der reformierten Kirche Wald sind nun zwei Löcher in der Wand zu sehen. Ob es sich dabei tatsächlich um Einschusslöcher handelt, ist nicht auszumachen.
Das Opfer nimmt es gefasst
Einen Tag nach dem Schrecken geht es dem Opfer den Umständen entsprechend gut. «Ich werde sicher noch einige Zeit brauchen, um den Vorfall zu verarbeiten», sagt der 46-Jährige. Im Gespräch gibt er sich gefasst. «Es hätte auch jeden anderen treffen können. Ich hatte extrem viel Glück.» Aber auch die Tatsache, dass der Schuss nur das Bein des Opfers verletzte, gleicht einem Wunder.
Die Schusswunde heilt relativ gut. Bereits am Dienstag sollte er das Spital verlassen können. Dann gilt es, wieder langsam in den Alltag zurückzufinden.
Es ist dem Kirchenpfleger zudem wichtig, zu betonen, dass der Vorfall in keinem Zusammenhang mit der Kirche steht. «Der Grund war letztlich ein Konflikt zwischen einer Kirchenbesucherin und dem Täter.» Dieser konnte rund eineinhalb Stunden nach der Tat von der Polizei verhaftet werden.
Verwirrter Täter mit Waffe
Wie aus dem kirchennahen Umfeld zu entnehmen ist, könnte der Täter unter Drogeneinfluss gestanden haben. Psychische Erkrankungen seien nicht auszuschliessen. Es sei davon auszugehen, dass sich der Täter nicht im Klaren gewesen sei, was er genau tue. Andernfalls hätte die Tat anders ausgehen können.
Der Schütze trug gemäss dem Opfer die Waffe bereits beim Betreten der Kirche bei sich. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch noch keinen Anhaltspunkt, dass er eine Pistole dabei hatte. Woher der Täter überhaupt Zugang zur Waffe hatte, bleibt unklar.
Die Kantonspolizei verweist bei dieser Frage auf die Staatsanwaltschaft. Diese wiederum hüllt sich in Schweigen. «Der genaue Ablauf der Auseinandersetzung sowie deren Hintergründe sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft», heisst es seitens der Oberstaatsanwaltschaft.
Wegen des laufenden Verfahrens beantworte man keine weiteren Fragen. Bis zum Montag um 16 Uhr stand auch der Entscheid, ob gegen den Beschuldigten eine Untersuchungshaft beantragt wird, noch aus. Dafür hat die Staatsanwaltschaft zwei Tage Zeit.
Der Alltag geht weiter
Der Gemeindepräsident von Wald, Ernst Kocher (SVP), zeigt sich nach den Schussabgaben betroffen. «Es ist tragisch, dass hier in Wald so etwas passieren konnte. Eine solche Tat ist inakzeptabel.» Er wurde von einem Kollegen über den Vorfall informiert. Aus der Bevölkerung gelangten bisher keine Reaktionen bis zur Gemeinde. Dennoch sagt Kocher: «Das wird die Walder Bevölkerung noch eine Zeit beschäftigen.»
Am Montag sind auch wieder Menschen auf der Strasse anzutreffen. Der Grossteil hat am Sonntag aus den Medien vom Vorfall erfahren. Ein Lebensmittelhändler wurde an jenem Tag von seiner Tochter angerufen, die sich um ihn sorgte. Eine Seniorin war schockiert, als sie beim Fernsehen die Schussabgabe vernahm, «und das in Wald».
Eine weitere ältere Frau beschleicht seither ein mulmiges Gefühl. Sie singt im Kirchenchor und muss nach den Proben in der Dunkelheit nach Hause gehen. Nun hat sie etwas Respekt davor.
Und trotzdem: Der Grossteil der am Montag angetroffenen Menschen ist bereits in den Alltag zurückgekehrt. «Das passiert überall auf der Welt», meint etwa ein Familienvater, der mit seinen Kindern auf dem Weg zum Spielplatz ist.
Und auch für die Kirche geht der Betrieb planmässig weiter, wie das Opfer verlauten lässt. Am kommenden Sonntag dürfte ab 9.30 Uhr wieder ein Gottesdienst stattfinden.