Entscheiden, wer bei einem Erdbeben zuerst Hilfe erhält
Regionale Übung in Pfäffikon
Bei einer grossen Notlage oder nach einer Katastrophe führt der Staat mit speziellen Strukturen. Wie die funktionieren, wurde gestern von einer regionalen Organisation im Bezirk Pfäffikon trainiert.
Zahlreiche Schäden in den Gemeinden Pfäffikon, Fehraltorf, Hittnau und Russikon, bereits zehn Tote und 95 Verletzte, 140 Obdachlose, diverse Vermisste sowie in teilweise eingestürzten Gebäuden Eingeschlossene – und dann fehlt da auch noch von einer der diversen Polizeipatrouillen, die gerade unterwegs sind, seit beunruhigend langer Zeit ein Lebenszeichen: Die News, die am Donnerstag Mitte Nachmittag am Rapport des Regionalen Führungsstabes (RFS) Pfäffikon-Fehraltorf-Hittnau-Russikon präsentiert werden, sind allesamt schlimm. Denn in der Gegend hat es kurz zuvor ein mittelschweres Erdbeben gegeben – allerdings nur auf dem Papier, welches das Ausgangs-Szenario für eine Übung beschreibt.
Arbeiten im unterirdischen Kommandoposten
Der RFS ist der Stab, also die koordinierende und Massnahmen anordnende Stelle, der Regionalen Führungsorganisation (RFO) Pfäffikon-Fehraltorf-Hittnau-Russikon. Diese Organisationen übernehmen bei sogenannt ausserordentlichen Lagen – zum Beispiel einer sehr grossflächigen Überschwemmung oder einem länger anhaltenden Stromausfall – einen Teil der staatlichen Führung.
Gegen 30 Personen, darunter auch zehn Zivilschützer, waren gestern in zwei unterirdischen Kommandoposten in Pfäffikon für die über acht Stunden dauernde Übung im Einsatz. Ihre Arbeit wurde von Spezialisten der Kantonalen Führungsorganisation (KFO) mit dem Einspeisen immer neuer Lageveränderungen gesteuert und bewertet.
Probleme bewerten und priorisieren
Die Herausforderung für den RFS: er ist auf einen Schlag mit einer Vielzahl grosser, sich teilweise ständig ändernder Probleme konfrontiert, die er unter Führung des Stabschefs Alfred Borcard und seiner Stellvertreterin Rajka Frei schnellstens bewerten und priorisieren und dann mit der Anordnung konkreter Massnahmen bekämpfen muss. Er hat damit, vereinfacht gesagt, die sehr schwierige Frage zu entscheiden, wem oder wo zuerst geholfen wird.
Bezogen auf das Erdbeben hiess das unter anderem, Übernachtungsmöglichkeiten für die Obdachlosen sowie für das aufgebotene zehnköpfige Care Team zu organisieren, die Strassen mindestens mal für den öffentlichen Busverkehr offen zu halten und die in Mitleidenschaft gezogene Stromversorgung zu reparieren.
Während Pandemie im Echteinsatz
Wie der RFS Pfäffikon-Fehraltorf-Hittnau-Russikon die Aufgaben bewältigt hat, das hat er von den Experten des Kantons noch am Abend nach Abbruch der Übung erfahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Fazit eher positiv ausfiel, ist recht gross.
Denn im Gegensatz zur Lage in anderen Gemeinden verfügt die seit 2013 bestehende und regelmässig beübte Organisation aus dem Bezirk Pfäffikon, die während der Covid-Pandemie erstmals im Echteinsatz stand, über recht viel Know-how. «Und das merkt man einfach», wie einer der Verantwortlichen sagte.