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Wie man einen gefährlichen Kreisel sicher macht

Wie der Nashornkreisel in Uster vom Unfallschwerpunkt zum sicheren Verkehrsknotenpunkt wurde.

Primär dank des nachträglichen Einbaus von Einengungen (die schwarzen Stellen) konnte der Nashornkreisel sicherer gemacht werden. 

Foto: Simon Grässle

Wie man einen gefährlichen Kreisel sicher macht

Erfolgreiche Sanierung in Uster

Wenn es in einem Verkehrskreisel nicht rundläuft, sondern immer wieder zu Unfällen kommt, greifen Spezialisten der Kantonspolizei Zürich ein. So, wie beim Nashornkreisel in Uster.

Gegen 50 Stellen pro Jahr im Strassennetz stechen den Spezialisten der Kantonspolizei Zürich in ihrem Verkehrsunfall-Erfassungssystem besonders ins Auge. Der Grund: Diese Orte sind offenbar gefährlich.

Man spricht dann von einem Unfallschwerpunkt. Eine Kategorisierung, die sich ergibt, indem man über drei Jahre hinweg die an dieser Stelle Leichtverletzten, Schwerverletzten und Toten anhand eines schweizweit gültigen, gewichteten Massstabs zusammenrechnet. Oder, indem Polizisten und in Einzelfällen auch Anwohner beispielsweise einer Kreuzung oder Behörden der Kantonspolizei in präventiver Absicht eine heikle Stelle melden, auch wenn es dort nicht regelmässig «chlöpft».

Im Nashornkreisel immer wieder Zweiradunfälle

Im Jahr 2022 war dann auch der grosse Nashornkreisel an der Zürichstrasse beim Zeughaus in Uster weit oben auf der Unfallschwerpunktliste aufgeploppt, wie sich Stephan Seger erinnert. Seger ist bei der Kantonspolizei im Dienst für Verkehrsanalysen und Unfallauswertung tätig.

Plan des Nashornkreisels mit markierten Unfallschwerpunkten
Der Nashornkreisel aus der Vogelperspektive mit dem Zeughausareal links oben und der zentralen Verkehrsachse Zürichstrasse in der Mitte: An den rot markierten Stellen kam es gehäuft zu Unfällen, oft mit Zweiradfahrern.

Das Problem in Uster: Im Kreisel hatten sich «überdurchschnittlich viele Zweiradunfälle» ereignet. Meistens war dabei ein Zweiradfahrer von einem Auto «abgeschossen» worden.

Unfälle auf fünf Jahre zurück analysiert

Taucht ein Unfallschwerpunkt in der Statistik auf, werden laut Seger als Erstes alle Unfälle an diesem Ort in den vergangenen fünf Jahren analysiert. Wo exakt ereignete sich eine Kollision? Was war die Ursache? Lag Schnee oder war die Strasse trocken? War die Strassenbeleuchtung beim Zusammenstoss morgens um 4 Uhr ein- oder ausgeschaltet?

Bei Bedarf werden diese umfassenden Daten aus den Unfallrapporten ergänzt durch teilweise aufwendige Messungen, beispielsweise der Dauer der Sonnenblendung. Und natürlich schauen sich die Spezialisten der Polizei zusammen mit Fachleuten des Tiefbauamts des Kantons Zürich die Situation vor Ort an. So verfügt man gemäss Seger am Schluss über «eine sehr detaillierte Analyse» des betroffenen Strassenabschnitts.

Problem: Man konnte zu schnell durch Kreisel fahren

Beim Nashornkreisel habe man schnell erkannt, dass die Unfallursache die schlicht zu schnell durch den Kreisel fahrenden Autos war. Die Autos passierten den Knotenpunkt so zügig, weil sie den ovalen Kreisel mit seiner breiten Fahrbahn fast in einer geraden Linie durchqueren konnten. Damit war für den ausgebildeten Bauingenieur Stephan Seger und sein Team klar: «Wir müssen den Kreisel so verändern, dass man nur noch mit etwa 30 km/h durchfahren kann.»

Fahrbahnen verengt

Erreicht wurde dies mit mehreren Massnahmen. Am augenfälligsten ist dabei die Vergrösserung des Radius’ des Kreiselzentrums mit einer ein Meter breiten Asphaltaufschüttung. Damit wurde die Fahrbahn auf 5,5 Meter Breite reduziert.

Mit derselben Technik verengte man die Fahrbahn bei drei der vier Zufahrtsachsen in den Kreisel. Statt sieben Meter ist die Strasse hier nur noch vier Meter breit. Gut sichtbare neue Tafeln, die auf die Verengungen hinweisen, und Bodenmarkierungen ergänzen die baulichen Massnahmen.

Verengte Stelle im Nashornkreisel
Eine deutliche Verengung (rechts) der Fahrbahn auf den Zufahrtsachsen (im Bild die Zürichstrasse Richtung Zentrum) sowie im Kreisel selbst bewirkten eine Temporeduktion der durchfahrenden Verkehrsteilnehmer.

Mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel bewirken.

Leitmotto Kantonspolizei bei Unfallschwerpunkt-Sanierung

Die an sich einfachen und auch für Laien logisch tönenden Sicherheitsmassnahmen in Uster entsprechen genau dem Leitmotto der Kantonspolizei bei der Sanierung von Unfallschwerpunkten: «Mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel bewirken». So gibt es tatsächlich Unfallschwerpunkte, wo schon eine einzige neue Markierung – etwa die Warnung vor einer engen Kurvenkombination – Besserung schafft; in der Regel sind aber aufwendigere Massnahmen erforderlich.

Und: Nicht immer ist die einfachste Lösung die beste. So gibt Seger zu bedenken, dass «jede Veränderung Einfluss auf den Gesamtverkehr hat». Das heisst, wird zum Beispiel auf einer Strasse lediglich das Tempo deutlich reduziert, kommt auch ein Linienbus weniger rasch vorwärts – und die Passagiere erreichen den Bahnhof später und verpassen ihre Anschlüsse.

Sanierung bringt fast immer mehr Sicherheit

Vom Zeitpunkt der eindeutigen Identifikation des Nashornkreisels als Unfallschwerpunkt bis zum Abschluss des Umbaus im Dezember 2023 vergingen lediglich vier Monate. Das ist gemäss Kantonspolizei eine fast rekordmässig kurze Dauer.

Wie alle der jährlich im Kanton etwa 25 bearbeiteten Unfallschwerpunkte wird nun auch derjenige in Uster weiter beobachtet – mindestens die nächsten drei Jahre. «In rund 90 Prozent der Fälle haben die Veränderungen gefährlicher Stellen mehr Sicherheit gebracht», sagt Seger. So scheint es auch beim Nashornkreisel zu sein: «Seit der Sanierung hatten wir hier keinen Unfall mehr.»

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