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Wildunfälle und Zeitumstellung: Was Autofahrer beachten müssen

In den Oberländer Wäldern tummelt sich das Wild. Schön für die Natur – schlecht für die Autofahrer. Zumindest dann, wenn es früher dunkel wird.

Egal ob Reh, Fuchs oder Wildschwein: Auf Landstrassen können Tiere plötzlich auf die Strasse springen.

Foto: PD

Wildunfälle und Zeitumstellung: Was Autofahrer beachten müssen

Gefahr in der Dämmerung

Dass die Tiere des Waldes plötzlich vors Auto springen, passiert im Kanton nicht selten. Jetzt, wo es wieder früher dunkel wird, häufen sich solche Unfälle tendenziell. Und die Zeitumstellung tut ihr Übriges. Wichtig ist ein richtiges Verhalten.

Ein Autofahrer fährt in der Dämmerung eine ruhige Landstrasse entlang. Plötzlich springt ein Schatten auf die Strasse. Quietschende Bremsen, ein Knall, schon ist es passiert: Er hat ein Reh angefahren. Solche Unfälle können jedem zustossen. Sie passieren im Schnitt wöchentlich.

Im letzten Jahr wurden im Kanton 5364 tote Wildtiere gezählt. Nicht ganz die Hälfte davon, 2416 Tiere, sind bei einem Verkehrsunfall getötet worden. Dies entspricht der Auswertung vom kantonalen Jagd-Adjunkt Jürg Zinggeler, der die Informationen der Jagdreviere zusammengetragen hat. Die Kantonspolizei spricht sogar von 4500 Fällen, wobei dort auch Haustiere erfasst sind. Erst recht heikel wird es beim Wechsel von Sommer- auf Winterzeit.

Achtung Wildwechsel!

Wildunfälle sind schwierig einzudämmen. Wenn die Zeit umgestellt wird, verschiebt sich die Aktivitätszeit des Menschen, und der Verkehr verlagert sich sowohl in die Morgen- als auch Abenddämmerung. Dies führt tendenziell öfter zu Kollisionen zwischen Mensch und Tier.

Die Tiere nutzen ihre Wege seit Hunderten von Jahren.

Jürg Zinggeler, Jagd-Adjunkt Kanton Zürich

An kritischen Stellen macht die Verkehrstafel «Achtung Wildwechsel» auf die Gefahr aufmerksam. Hier kreuzen Wildtiere auf der Suche nach Futter, Wasser oder Schutz die Strassen. «Die Tiere nutzen ihre Wege schon seit Hunderten von Jahren», erklärt Zinggeler.

Warnschild Wildwechsel: Hier kann es kritisch werden.

Nach der Zeitumstellung müssen Autofahrer also besonders Acht geben. Doch Unfälle sind übers ganze Jahr keine Seltenheit. Hotspots für Wildunfälle sind schwierig zu identifizieren. Meist sind es Strassen, die an Waldrändern und Wiesen vorbeiführen und auf denen Autos mit einem hohen Tempo fahren dürfen.

Meldepflicht bei Wildunfall

Das Verhalten der Autofahrer bei einem Wildunfall ist essenziell. Nicht nur dem Tier zuliebe, sondern auch zum eigenen Schutz. Wer nämlich in einen Wildunfall verwickelt wird, ist verpflichtet, diesen der Polizei zu melden. Wer wegfährt, ohne sich zu kümmern, begeht Fahrerflucht. Das kann zu einer Verzeigung führen. 

Wildunfall – und jetzt?

Halten Sie sofort an. Sichern Sie sich selbst und ziehen Sie die Warnweste an. Sichern Sie dann die Unfallstelle mit Warnblinker und Pannendreieck.

Melden Sie den Unfall unverzüglich der Polizei, Telefon 117. Die Polizei informiert die zuständige Jagdaufsicht. Eine Verletzung der Meldepflicht ist strafbar.

Nähern Sie sich auf keinen Fall selber einem angefahrenen Wildtier. Das Tier befindet sich in einem Stresszustand. Wenn Sie es berühren oder festhalten, kann es Sie schwer verletzen.

Markieren Sie die Unfallstelle, auch wenn an Ihrem Fahrzeug kein Schaden entstanden ist.

Warten Sie an der Unfallstelle, bis die Jagdaufsicht/Wildhut eintrifft. Diese wird das Wild bergen oder gestützt auf Ihre Angaben nachsuchen und erlösen. Sie wird Ihnen auch die für die Versicherung notwendige Unfallbestätigung ausstellen.

Peter Knecht ist Obmann in der Jagdgesellschaft Hinwil. Er hat in seinem Revier beobachtet, dass etwa ein Drittel der Wildunfälle nicht gemeldet werden: «Viele sind ehrlich. Vor allem, wenn sie einen Schaden am Wagen erleiden.» Die Kantonspolizei kann die Anzahl nicht gemeldeter Wildunfälle nicht bestätigen, spricht aber auch von einer Dunkelziffer.

Die Polizei kommt nur im Notfall

Knecht ist sich nicht sicher, ob Fahrerflucht mit Absicht geschieht oder aus Unwissen heraus. Er vermutet, dass einige Autofahrer nichts mit der Polizei zu tun haben wollen und deshalb die Flucht ergreifen.

Wählt man aber die Notfallnummer 117, kommt nicht gleich die Polizei. Diese erscheint nur, wenn Personen verletzt sind oder es sich um eine dicht befahrene Strasse handelt, die abgesperrt werden muss. Im Normalfall rückt die zuständige Jagdaufsicht aus, die von der Polizeizentrale aufgeboten wird.

«Wir müssen aufgrund von Wildunfällen und Fallwild zwischen 80- bis 100-mal im Jahr ausrücken», schätzt Richard Burri, einer der Jagdaufseher des Reviers Oberuster. Jagdaufseher rücken nicht nur beim Unfall aus. Sie unternehmen auch einiges, damit dieser erst gar nicht passiert.

Die Signale verlieren ihre Wirkung und schrecken nicht mehr ab.

Richard Burri, Jagdaufseher Oberuster

Blaulicht-Reflektoren, piepende Wildwarner und reflektierende CDs: Die Massnahmen sollen Wildtiere abschrecken. Kurzfristig funktioniere dies auch. «Doch die Tiere gewöhnen sich an die Signale», meint Burri. Mit der Zeit verlieren die Signale daher ihre Wirkung.

Auch Obmann Knecht hat schon viele dieser Massnahmen getroffen. «Wir setzen die Salzstellen möglichst weit weg von Strassen», sagt Knecht. In der Winterzeit soll das Rehe davon abhalten, an den mit Salz gestreuten Strassenrändern zu lecken.

Eine Temporeduktion wäre eine weitere mögliche Lösung. Knecht meint, man müsste mindestens bis auf 50 km/h reduzieren, so könne man noch bremsen oder notfalls ausweichen. Das ist jedoch äusserst schwierig einzuführen.

«Wir haben nur schon Probleme, Wildwechsel-Schilder anzubringen. Die Polizei sagt, es gäbe sowieso schon zu viele Schilder», meint Knecht. Grössere elektronische Warnanlagen versprechen eine langfristige Lösung zu sein, seien aber zu teuer.

Lernfahrende sollen geprüft werden

Jagdaufseher Burri hat der Jagdverwaltung vor über 10 Jahren vorgeschlagen, dass bei Lernfahrenden das Verhalten bei Wildunfällen geprüft werden soll. Dieses Anliegen sei damals jedoch «versandet». Die Forderung hat jetzt aber wieder Gehör gefunden.

Auf eine kürzliche Anfrage von Kantonsrätin Nina Fehr Düsel hat der Regierungsrat geantwortet, dass das Verhalten bei Wildunfällen bereits Teil des Fragenpools der Theorieprüfung sei. Fehr Düsel genügt das nicht.

«Fahrerflucht entsteht vielleicht aus Angst, weil der Fahrer nicht weiss, wie er reagieren muss», argumentiert Fehr Düsel. Deshalb fordert die SVP-Politikerin eine obligatorische Frage zu Wildunfällen als Teil der Prüfung.

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