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Wenn die Natur ausser Rand und Band gerät

Unwetter und Dauerregen sorgen im Oberland und im Tösstal immer wieder für grosse Schäden. Und einige Male ist es sogar zu Katastrophen gekommen.

Aufwendige Arbeiten: Nach einem Erdrutsch bei der Kiesgrube Bäretswil wird der Hang im Jahr 2011 gesichert. (Archiv)

Foto: David Kündig

Wenn die Natur ausser Rand und Band gerät

Chronologie der Verheerungen im Oberland

Gewitter, Dauerregen und steile Hänge sind die Zutaten, um für grossen Schaden zu sorgen. Das hat die Region immer wieder zu spüren bekommen.

In den Aufzeichnungen über die grossen historischen Naturkatastrophen in der Schweiz ist das Zürcher Oberland samt Tösstal kaum zu finden. Das hat die Region zweifellos ihrer Lage zu verdanken.

Einerseits fehlen grössere Flüsse, die in regenreichen Zeiten zu Fluten und Überschwemmungen führen können. Andererseits gibt es hier auch keine hohen, steilen Berge, die abrutschen können.

Und doch: Die Topografie mit vielen Hügeln und zahlreichen Bächen führt immer wieder zu kleineren und grösseren Schadensereignissen.

Erste Erwähnung 1778

In der «Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz» der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft erscheint das Oberland in den Aufzeichnungen seit dem 11. Jahrhundert lange Zeit nicht explizit.

Die Karte zeigt die von den Unwettern im Juli 1778 betroffenen Gebiete, darunter auch die Forch.
Die Karte zeigt die von den Unwettern im Juli 1778 betroffenen Gebiete, darunter die besonders schwer und darum dunkel schraffierte Forch.
  • Im Juli 1778 dann aber wälzte sich nach intensiven Regenfällen eine Flutkatastrophe durchs Forchgebiet. In Maur kam es zu Verwüstungen. Besonders schlimm erwischte es aber die Gemeinden an der Seite zum Zürichsee. In Erlenbach verloren zwei Menschen ihr Leben, und am schlimmsten erwischte es Küsnacht. Der Dorfbach tobte sechs Meter hoch durchs Dorf. 63 Personen kamen um, 15 Häuser und weitere Gebäude wurden zerstört und acht Brücken mitgerissen.
  • Ende August 1846 bekam das Tösstal die Auswirkungen von gewaltigen Regengüssen zu spüren – so wie fast die gesamte Ost- und Innerschweiz. Erstaunlicherweise blieb damals das Oberland verschont – ein weisser Fleck inmitten von rundum liegenden Schadensgebieten.
  • Das sah nur sechs Jahre später anders aus. Am 17./18. September 1852 regnete es ununterbrochen und intensiv. Die Töss, die Glatt – «das Tal bildete einen einzigen See» –, die Kempt, die Eulach und der Aabach führten Hochwasser. Die Region war aber nicht allein von diesem Unwetter betroffen. Vielmehr gilt dieses Hochwasser als eines der grössten des schweizerischen Mittellands. Die Überschwemmungsgebiete reichten vom Boden- bis zum Genfersee.
  • 1876 sorgte regnerisches Wetter gleich zweimal für Hochwasser und zahlreiche Rutschungen. So wurden im Frühjahr Schäden entlang der Töss vermeldet, Mitte Juni dann wieder entlang der Töss sowie zudem an der Glatt und auch an vielen Dorfbächen.
Die Überschwemmungen von 1876 in Töss im Tösstal, gezeichnet von J. Weber
Ein J. Weber hielt im Bild fest, wie sich die Fluten 1876 durchs Tösstal wälzten.

Die feuchten 1870er Jahre

Solche Gewitterlagen wurden in jenen Jahren zur Plage.

  • Denn bereits im Februar 1877 ging wieder die Töss hoch, und im Juni 1878 wurden allein an den Abhängen der Forch Millionenschäden verzeichnet, und im Tösstal wurde auch wieder Land unter gemeldet.
  • Und schliesslich wurden Ende August 1881 nochmals das Töss- und das Glattal getroffen. Diese Regengüsse waren dann auch mit eine Ursache für den verheerenden Bergsturz bei Elm einige Tage darauf, bei dem 115 Menschen ihr Leben verloren.  
  • Das Tösstal wurde erneut 1896 heimgesucht.
  • 1901 wird erstmals auch die Bachtelregion namentlich als Schadensplatz gemeldet.
  • 1910 ging als schweizweites Katastrophenjahr in die Annalen ein, mit mehreren Grossereignissen. Im Juni erwischte es dabei auch das Tösstal und das Oberland. Fast alle Bergbäche brachen aus, und es kam zu zahlreichen Rutschungen.

Die Katastrophe vor dem Kriegsausbruch

  • Das schlimmste Ereignis in der Region spielte sich am 25. August 1939 ab. Sintflutartige Regengüsse verursachten im Zürcher Oberland innert weniger Stunden Wasser- und Rutschungsschäden von über 18 Millionen Franken. Zwei Personen kamen ums Leben. Die Schwerpunkte waren Dürnten, Hinwil, Rüti und Wald. In letzterer Gemeinde wurden innert 55 Minuten fast 100 Millimeter Niederschlag gemessen. Das ist beinahe so viel, wie in einem durchschnittlichen August während eines ganzen Monats fällt. Die mutmassliche einstündige Regensumme von rund 150 Millimetern am Bachtel gehört zu den höchsten je in der Schweiz gemessenen (siehe separaten Bericht).
Abgerutschte Strasse und die Jona nach der Flutkatastrophe vom 25. August 1939.
Die Strasse im Grundtal rutschte nach dem Unwetter am 25. August 1939 ab. Das Foto zeigt die Schäden drei Tage nach der Katastrophe.
  • 1953 kam es im Oberland wegen Starkregens zu weiteren Schäden.
  • Glatt und Töss gingen im September 1968 nochmals über die Ufer.
  • Am 23. Juni 1975 entlud sich ein Gewitter über dem Raum Pfäffikersee, mit dem Schwerpunkt im Kempttal. Allein im Kanton Zürich entstanden damals Schäden von über 30 Millionen Franken, und zudem forderte das Unwetter ein Todesopfer.
  • Ende Juli 1977 erwischte es ein weiteres Mal die Bachtelregion und das obere Tösstal.
  • Am 10. August 1984 brachten sintflutartige Regenfälle erneut schweres Unheil über zehn Kantone. Zu den zwei am stärksten betroffenen Gebieten gehörte das Zürcher Oberland – und dort insbesondere Wetzikon, Uster, Pfäffikon sowie das Tösstal.    

Von den Fluten am 10. August 1984 in Wetzikon existiert auch ein Video. Video: Christian Kuster

Züge werden gebremst

  • In den letzten Jahren ist es regelmässig zu kleineren Steinschlägen sowie zu Erdrutschen gekommen. Vor allem die Bahnstrecke zwischen Rüti und Fischenthal wird immer wieder zugedeckt, wodurch der Bahnverkehr unterbrochen wurde, so 2012, 2013 und 2014 und wieder 2018. Auch die Strecke zwischen Aathal und Wetzikon wird 2016 tangiert.  

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