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Blaulicht

«Wasserfäden fielen wie Spaghetti vom Himmel»

Es war das Jahrhundert-Unwetter: Am 25. August 1939 ging eine Flut über das Bachtelgebiet nieder. Zwei Todesopfer waren die Folge.

Das Stauwerk Tiefenhof (Tüfenhof) ausgangs des Dorfs Wald sowie die Strasse durchs Grundtal wurden bei der Flutkatastrophe vom 25. August 1939 komplett zerstört.

Foto: Leo Wehrli/ETH-Bibliothek

«Wasserfäden fielen wie Spaghetti vom Himmel»

Die schlimmste Naturkatastrophe im Oberland

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg hat das Oberland das schwerste Unwetter in seiner Geschichte erlebt. Zwei Tote und riesige Schäden waren die Folge.

«Es war Freitagabend, 25. August 1939. Seit einigen Tagen hatten wir Regenwetter. Etwa um fünf Uhr abends setzte ein andauerndes, heftiges Gewitter ein. Wasserfäden fielen wie Spaghetti vom Himmel. In einer halben Stunde war das Hochwasser da», erinnert sich Augenzeuge Hansruedi Knobel aus Wald, der das Erlebte in einem Vortrag schilderte.

«In der Wellenwoog (Stauwerk) wütete der Fluss wie ein wildes Tier und riss die Strasse vollständig weg. Wie durch ein Wunder entkamen hier acht Männer, die versuchten, auf einem Steg einen Durchlass zu schaffen, im letzten Moment dem Tod.»

Weberei zugeschüttet

«Man hätte meinen können, der Bachtelweiher laufe aus», erinnerte sich Jakob Kunz aus der Walder Hueb in der «Walder Zeitung» 75 Jahre nach der Katastrophe.

«Der Bach riss Bäume und Stauden mit, die hinter der Fabrik den Bach stauten, sodass alles Wasser durch die Fenster im ersten Stock hinein- und unten wieder hinauslief. Die Webstühle wurden mit Steinen und Dreck zugedeckt. Das Schwungrad der Dampfmaschine war vier Meter hoch und lugte noch ganze 30 Zentimeter aus dem Geröll.»

Geröll in einem Fabrikraum und ein Mann bei einer Schaltzentrale.
Eine Gerölllawine füllte die Weberei Hueb ob Wald. Das Schwungrad der Dampfmaschine war vier Meter hoch und lugte noch ganze 30 Zentimeter aus dem Geröll.

Da der Boden schon durch vorhergegangene Niederschläge stark gesättigt war, floss das Wasser direkt in die Jona und ihre Zubringer. Die Wassermassen taten ihr Übriges. Telefone funktionierten nicht mehr, die Hauptgasleitung zwischen Rüti und Wald wurde teilweise weggespült, und Zufahrtsstrassen nach Wald waren blockiert.

Die Strasse durchs Grundtal nach Rüti wurde zum Flussbett der Jona, welche einen Wasserstand von mehreren Metern erreichte. Im Schweizer Sturmarchiv ist der grossen Flut ein ganzes Kapitel gewidmet.

Grosse Schäden in Rüti

Auch rund um die Maschinenfabrik Rüti war die Verwüstung gross.

Leute begutachten angeschwemmtes Holz vor einer Fabrik.
Die Maschinenfabrik in Rüti wurde durch die Fluten stark in Mitleidenschaft gezogen. Standbild aus dem Video von Fritz Hotz über die Flutkatastrophe vom 25. August 1939.

Die Wassermassen hatten Betonmauern und Metallgitter zerstört. Hugo Honegger, der das Hochwasser als Mechanikerlehrling in der Maschinenfabrik erlebt hatte, erinnert sich in einem Videobeitrag: «Das Wasser floss durch die Giesserei und hat alles überschwemmt.»

Der Schaden betrug 18 Millionen Franken – eine unermessliche Summe in der damaligen Zeit.

Zwei Tote

Zwei Männer verloren ihr Leben in den Fluten. Der junge Mechaniker Hans Isler stand in Wernetshausen auf einem Steg am Weissenbach und wurde vom Wasser mitgerissen. Der Maler Franz Romer stürzte bei den Aufräumarbeiten in Rüti in die Jona. Beide ertranken.

Karte mit dem Gebiet rund um den Bachtel.
Die Wiederherstellungs- und Sicherungsarbeiten im Unwettergebiet des Zürcher Oberlands 1939 bis 1947: Meliorationen, welche unmittelbar nach dem Unwetterereignis durchgeführt wurden (rote Färbung), zeigen näherungsweise die Verbreitung der Flurschäden.

Hochrangige Politiker reisten ins Katastrophengebiet, um den Leuten moralisch beizustehen. Eine Woche später brach der Zweite Weltkrieg aus, und am 2. September mobilisierte die Schweizer Armee. Dadurch fehlten in den Dörfern Rüti, Wald, Dürnten und Bubikon dringend benötigte Hilfskräfte für die Aufräumarbeiten. Auch Pferde und Motorfahrzeuge waren eingezogen worden.

Die Solidarität mit dem Zürcher Oberland war jedoch gross. Aus der ganzen Schweiz trafen Spenden ein, und die Zürcher Kantonsräte verzichteten zugunsten der Angehörigen der beiden Todesopfer auf ihr Taggeld.

Der Bachtelspalt – Überbleibsel der Katastrophe

Eine Folge des damaligen Unwetters ist auch heute noch zu bewundern, hoch oben auf dem Bachtel: der rund 50 Meter lange und bis zu 8 Meter hohe Bachtelspalt. Das Naturphänomen im Nagelfluhgestein entstand durch das Absacken von unterschwemmten Geländepartien.

Den mysteriösen Spalt umschweben noch heute Legenden. So soll ein Blitz das Gestein gespaltet haben. Und zudem schliesse sich der Schlitz nun langsam wieder. Tatsächlich kann es schon eng werden für jene, die sich durch die engste Stelle quetschen. Gerade noch 40 Zentimeter breit ist es dort.

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