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Zwei weitere Tempo-30-Stückchen

Noch in diesem Jahr kommen in Seegräben die Tempo-30-Zonen zwei und drei. Der Durchgangsverkehr wird nicht zusätzlich eingebremst.

Auf der Aathalstrasse zwischen dem Seegräbner Schulhaus und dem Kindergarten gilt schon bald Tempo 30.

Foto: Christian Brändli

Zwei weitere Tempo-30-Stückchen

Seegräbner befürworten Temporeduktionen

Bald muss der Verkehr durch Seegräben langsamer rollen – mindestens teilweise.

Rund um die Gemeinde Seegräben schiessen die 30er-Zonen wie Pilze aus dem Boden. Die beiden Gossauer Aussenwachten Bertschikon und Grüt haben eine, der Ustermer Weiler Sulzbach kennt sie, die Wetziker Ortsteile Robenhausen und Robank sowie bald auch Linggenberg sind beruhigt – und auch die zu Mönchaltorf gehörende Aussenwacht Heusberg dürfte bis nächstes Jahr eine erhalten.

Eins plus zwei

Solche Zonen haben sich auch schon in der Gemeinde Seegräben breitgemacht, nachdem eine Mehrheit der Bevölkerung im Ortsteil Sack letztes Jahr dafür grünes Licht gegeben hatte.

Nach der Orientierungsversammlung vom Dienstag steht nun fest, dass sich Tempo 30 auch im Ostteil der Gemeinde einschleicht. So haben sich die rund 100 Anwesenden nach längerer Diskussion in Konsultativabstimmungen für die Einführung von zwei neuen Zonen mit reduzierter Geschwindigkeit ausgesprochen.

Abgespecktes Programm

Für den Gemeinderat ist dies das Signal, diese Zonen auch wirklich zu realisieren. Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) hat nämlich zu Beginn klargestellt: «Wir machen das nur, wenn die Bevölkerung es will.» Die Anwohnerinnen und Anwohner sind bei ihrem Entscheid den Empfehlungen der Exekutive und der Kantonspolizei gefolgt.

Gelb markiert die bereits realisierten und geplanten Tempo-30-Zonen in der Gemeinde Seegräben.
Im Sack (gelb markiert unten links) gilt bereits Tempo 30. Und in der zweiten Jahreshälfte 2023 sollen in der Aretshalden und auf der Aathalstrasse (beide gelb markiert) ebenfalls die tiefere Geschwindigkeitslimite eingeführt werden.

Und diese Empfehlungen sehen ein abgespecktes Tempo-30-Programm vor. Es soll nur dort tiefere Tempolimiten geben, wo es nicht viele zusätzliche – und teure – Beruhigungsmassnahmen braucht.

Erste neue Zone: Aretshalden 

In der Seegräbner Aussenwacht Aretshalden gibt es schon seit einiger Zeit einige happige Schwellen, die die Autofahrer zum Abbremsen zwingen. Eine Messung, die im Juni 2021 während einer Woche durchgeführt worden ist, hat deren Wirkung gezeigt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit von 85 Prozent der Automobilisten liegt bei 32 Stundenkilometern.

Das ist genug wenig, um dort ohne grössere zusätzliche Massnahmen Tempo 30 einführen zu können. Entsprechend «günstig» fällt die Umsetzung auf der Aretshaldenstrasse aus: Die 22'000 Franken, die die neue Signalisation und die Tafeln kosten, kann der Gemeinderat in eigener Kompetenz bewilligen.

Fussgängerstreifen beim Weiler Aretshalden.
In der Aretshalden wird es nur auf der Aretshaldenstrasse (Strecke links nach der Kreuzung) Tempo 30 geben. Auf der Steinbergstrasse samt Kreuzung und Fussgängerbereich bleibt es bei Tempo 50.

Eine knappe Mehrheit der Anwesenden begrüsste dort denn auch die Einführung von Tempo 30. Das will der Gemeinderat noch in der zweiten Jahreshälfte umsetzen.

Keine Gnade fand eine erweiterte Zone in der Aretshalden, die auch die Kreuzung bei der Steinbergstrasse miteingeschlossen hätte. Aufgrund der Vorgaben der Kantonspolizei hätte dort wohl auch der vor zehn Jahren für 80'000 Franken erstellte Fussgängerübergang wieder aufgehoben werden müssen.

Zweite neue Zone: Aathalstrasse

Wer vom Aatal her nach Seegräben hochfährt, wird beim Ortseingang von einer engen, unübersichtlichen Kurve begrüsst – und befindet sich schon auf Höhe des Kindergartens. Es folgen eine Strassenverengung und schliesslich beim Schulhaus oben eine lange Schwelle.

Aathalstrasse beim Kindergarten Seegräben.
Auf Höhe des Kindergartens (Haus links) wird es auf der Aathalstrasse ein zusätzliches langes «Kissen» geben – und dann kann auf der Strecke bis zum Schulhaus Tempo 30 eingeführt werden.

Das alles führt dazu, dass dort schon heute mit durchschnittlich 39 bis 43 Stundenkilometern gefahren wird, wie wochenlange Messungen ergeben haben. Aus Sicht der Kantonspolizei braucht es daher nur eine zusätzliche Massnahme, um auf der Aathalstrasse Tempo 30 einführen zu können: ein langes «Kissen» auf Höhe des Kindergartens.

Zwei Drittel der Anwesenden erachteten das als sinnvoll, zumal hier auch viele Fussgänger unterwegs sind. Pezzatti erklärte, dass demnach auch hier in der zweiten Jahreshälfte umgestaltet wird. Die Arbeiten kosten rund 65'000 Franken, die der Gemeinderat in eigener Kompetenz bewilligt.

Zuwarten I: Rutschbergstrasse

Keine Temporeduktion wird es auf der eigentlichen Ortsdurchfahrt auf der Rutschbergstrasse geben – mindestens vorläufig. Wie Pezzatti erklärte, könnte nach Ansicht der Kantonspolizei der Einbau von bremsenden Elementen den Verkehr auf der Hauptachse nicht etwa verflüssigen, sondern verstopfen. Staus wären die Folge.

Zudem wären hier viele baulichen Massnahmen nötig, was entsprechend teuer käme. Wie Sicherheitsvorstand Michael Berchtold (Gewerbeverein) erklärte, wäre zudem auch hier der Fussgängerstreifen zum Dorf hinüber gefährdet: «Die Entfernung des Fussgängerstreifens ist nach der Meinung des Gemeinderats gefährlicher, als auf dieser Strecke Tempo 50 zu belassen.»

Rutschbergstrasse Höhe Dorfstrasse mit Fussgängerstreifen und einem Auto.
Auf der Hauptstrecke durch Seegräben, der Rutschbergstrasse, wird es vorläufig kein Tempo 30 geben.

Zudem gab Berchtold zu bedenken, dass die Rutschbergstrasse als Ausweichstrecke zum Tragen kommt, wenn das Aatal gesperrt und umfahren werden müsste.

Wie Pezzatti erklärte, ist die Frage von Tempo 30 auf dieser Strecke aber noch nicht ganz vom Tisch. «Der Gemeinderat möchte hier zuwarten, bis Tempo 30 vom Gesetzgeber her mit weniger oder gar keinen baulichen Massnahmen möglich ist.»

Überlegt wird, ob mit einer Bodenmarkierung bei der Dorfstrasse dem Rechtsvortritt besser Nachachtung verliehen werden könnte.    

Zuwarten II: Ottenhausen

Viele Bewohnerinnen und Bewohner des Ortsteils Ottenhausen hatten sich offenbar verkehrsberuhigende Massnahmen erhofft. Doch der Gemeinderat musste sie enttäuschen. So verhält es sich dort auf der Usterstrasse ähnlich wie auf der Rutschbergstrasse.

Ein zusätzlicher Fussgängerstreifen mitten im Weiler ist aufgrund der Abklärungen des Gemeinderats auch nicht möglich. Wie Berchtold ausführte, besteht punkto Tempo auch kein Missstand auf dieser Strecke. So zeigten Messungen, dass die bestehende 50er-Limite eingehalten werde.

Der Weiler Ottenhausen mit Strasse und Brunnen.
Viele Bewohner von Ottenhausen hätten sich im Weiler Tempo 30 gewünscht. Doch das ist vorläufig nicht machbar.

Pezzatti erklärte sich aber bereit, nochmals die Einführung von Tempo 30 in Ottenhausen zu prüfen. Allein dieser Schritt würde aber weitere 40'000 Franken kosten. Und es sei danach unsicher, ob eine Zone dann auch machbar sei.

Zu teuer und mit zu unsicheren Aussichten, befanden die Anwesenden, die diesen Vorschlag mit Zweidrittelmehr bachab schickten. 

Beobachten: Steinberg

Auf eine Temporeduktion hoffen auch die – wenigen – Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Steinberg. Die drei Wohnhäuser liegen an der Ausserortsstrecke zwischen Aretshalden und Dorf. Dort seien oft gefährliche Überholmanöver zu sehen.

Eine Geschwindigkeitsmessanlage in der Siedlung Steinberg zeigt einen Smiley.
Wer mit Tempo 80 und weniger durch die Siedlung Steinberg zwischen Arteshalden und Dorf fährt, wird mit einem Lächeln empfangen.

Dafür bestehe keine Chance, meinte der Sicherheitsvorstand: «Es ist niederschmetternd. Ausserorts gilt Tempo 80.» Geprüft wird die Anregung, ob dort wenigstens ein Mittelstreifen eingezeichnet werden kann.

Und zudem soll auch mit freiwilligen Massnahmen die Geschwindigkeit heruntergeholt werden. So kommt dort aktuell ein Geschwindigkeitsgerät zum Einsatz, das jene, die sich ans Limit halten, mit einem Lächeln begrüsst. Und den Bolzern einen Lätsch zeigt.   

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