Verkehrspolizisten auf ungewohntem Terrain
Wasserrettungsübung am Greifensee
Einen Menschen aus dem Wasser retten: Das ist viel schwieriger, als man denkt. Vor allem, wenn man es in der Ausrüstung eines Verkehrspolizisten tut, wie eine Weiterbildung am Greifensee zeigte.
Die Mitarbeitenden des Verkehrsstützpunkts Hinwil der Kantonspolizei Zürich im Betzholzkreisel sind primär als Verkehrspolizistinnen und -polizisten im Zürcher Oberland und am rechten Zürichseeufer aktiv.
Weil sie zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs sind, werden sie jedoch als Erstangriffselement auch für alle anderen Situationen eingesetzt, wo schnelle polizeiliche Hilfe nötig ist.
So, wie am Freitag, als gegen 9 Uhr eine der Patrouillen das Aufgebot erhält, an den Greifensee bei der Badi Uster zu fahren. Dort sei ein Fischer aus seinem Boot gefallen und drohe nun zu ertrinken.
In der Uniform in den See
Das Team, das eintrifft, erkennt den Ernst der Lage sofort. Ein Polizist ruft dem Fischer zu, doch der gibt bereits keine Antwort mehr. Der Polizist zieht einen Teil seiner Ausrüstung aus und steigt ins Wasser.

Sein Kollege bietet über Funk weitere Unterstützung auf: den Rettungsdienst, den Seerettungsdienst, die Seepolizei und eine zusätzliche Patrouille. Dann geht auch er ins Wasser.
Zu zweit schaffen es die Polizisten schliesslich, mit dem bereits stark unterkühlten und kaum mehr reagierenden Fischer ans Ufer zu schwimmen.
Raus aus der Komfortzone
Die schulbuchmässige Rettung in nur fünf Minuten war echt, der «Unfall» inszeniert. Für eine Weiterbildung einer Gruppe des Verkehrsstützpunkts – also für Polizisten, die mit einem solchen Notfall auf derart ungewohntem Terrain bestenfalls alle paar Jahre einmal konfrontiert sind.
In diesen äusserst seltenen Fällen trotzdem richtig zu handeln, dabei «durchaus die Komfortzone zu verlassen», wie es Gruppenchef Daniel Schmid formulierte, und für ähnliche Fälle zu Beginn der Badesaison bereit zu sein, das war das Ziel des Ausbildungstags.
Die Schuhe nicht ausziehen
Nach dieser eins zu eins durchgespielten Wasserrettung gab es für die Teilnehmenden nicht nur trockene Kleider, sondern auch ein Feedback des beobachtenden Experten René von Gunten, eines Gruppenchefs der kantonalen Seepolizei.
Er bekräftigte die Polizistinnen und Polizisten in ihrem Vorgehen. Sprich: Entgegen der weitverbreiteten Meinung, man müsse alle Kleider ausziehen, bevor man ins Wasser steige, empfahl er, lediglich das Funkgerät und das Diensthandy, den Waffengurt und die ballistische Schutzweste abzulegen (insgesamt schon mal mehrere Kilogramm, die man weniger bewegen muss).
Den Rest der Uniform mitsamt Jacke (beides sorgt für einen minimen Wärmeerhalt) und die Schuhe (als Schutz vor den scharfkantigen Schalen der Muscheln auf dem Seegrund) solle man anbehalten.
Aus dem Heli direkt ins Wasser
Im Weiteren erklärten von Gunten und sein Kollege Florian Hotz unter anderem, welche Möglichkeiten zur Unterstützung bei einem solchen Unfall die Seepolizei bieten kann.
Zum Beispiel das Einfliegen eines Rettungsteams in leichter Tauchausrüstung, das dann aus dem Helikopter direkt zum Verunfallten ins Wasser springt – so, wie es im Greifensee auch schon gemacht wurde.
Ferner wurde der Umgang mit dem Wurfsack trainiert. In dem nicht einmal handtaschengrossen Sack befindet sich ein Seil von bis zu 30 Metern Länge, das beispielsweise einem Ertrinkenden zugeworfen werden kann.
«Richtig streng»
Die Weiterbildung zeigte den Teilnehmenden eindrücklich die Schwierigkeiten einer Wasserrettung. Sei es beim vermeintlich einfachen Einsatz eines Wurfsacks, der ohne Training fast nutzlos ist, oder eben vor allem bei der Hilfeleistung für den «Fischer».
In Polizeiuniform einen Menschen, der sich kaum mehr bewege und daher schwer wie ein Sack Zement sei, aus 16 Grad kaltem Wasser zu bergen, «das ist wirklich richtig streng», bestätigte von Gunten den Eindruck aller Beteiligten.