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Potenzmittel-Privatimport ging in die Hose

Die sexuelle Potenz stärken – das war der Plan. Die finanzielle Potenz geschwächt – das war das Ergebnis. Wie der Wunsch eines Ustermers nach einem erektionsfördernden Medikament mit einer Verurteilung endete.

Illegal in die Schweiz eingeführte, beschlagnahmte Tabletten mit dem erektionsfördernden Wirkstoff Tadalafil.

(Foto: Swissmedic)

Potenzmittel-Privatimport ging in die Hose

Wie so viele Waren kosten auch Medikamente in der Schweiz deutlich mehr als im Ausland. Die Versuchung ist entsprechend gross, solche Produkte ennet der Grenze zu beziehen, zumal einem das durch unzählige Angebote von Onlinefirmen sehr leicht gemacht wird. Dass solche Käufe und damit Warenimporte durch Private aber ihre Tücken haben, erfuhr ein Ustermer Gewerbler, wie ein kürzlich von der regionalen Staatsanwaltschaft erlassener Strafbefehl zeigt.

Sohn bestellte für Vater Tabletten

Der Mann hatte im Frühling 2021 seinen Sohn beauftragt, für ihn übers Internet Tabletten zu bestellen. Tabletten mit dem Wirkstoff Tadalafil.

Einer der Hauptanwendungszwecke dieses in der Schweiz verschreibungspflichtigen Stoffes ist es, der sogenannten erektilen Dysfunktion entgegenzuwirken, also der männlichen Impotenz. Das in der breiten Öffentlichkeit bekannteste, gerade auch übers Internet stark beworbene Produkt, in dem Tadalafil steckt, ist das Medikament Cialis.

Lieferant in Polen?

Der Sohn tat dann, wie ihm geheissen: Er gab eine Bestellung auf. Bei welcher Firma, liess sich nicht eruieren; im Strafbefehl steht einzig, dass der Anbieter im Ausland, «mutmasslich Polen», domiziliert war.

Da nach der ersten Bestellung keine Lieferung ankam, schob der Sohn zwei weitere Bestellungen nach. Alle drei Sendungen wurden per Post abgeschickt, fanden aber trotzdem nicht den Weg nach Uster. Denn es passierte, was mit so vielen im Ausland georderten Dingen geschieht: Sie «wurden jeweils von der Zollverwaltung abgefangen und sichergestellt».

Einfuhr ohne Einfuhrbewilligung

Die Auswertung der Sendungen ergab laut Strafbefehl, dass der Mann «Mengen bestellte, welche über dem üblichen Monatsbedarf für den Eigenkonsum lagen», was verboten ist. Zudem sei das importierte Arzneimittel «in der Schweiz nicht zugelassen», und der Ustermer habe «über keine Bewilligung für die Einfuhr verfügte, was ihm bewusst war». Dass er die Tabletten nicht weiterverkaufen wollte, sondern einfach beabsichtige, sie «selber zur Potenzsteigerung einzunehmen», spielte keine Rolle.

Mehrere hundert Franken Kosten

Der heute 60-Jährige wurde deshalb wegen der Übertretung des Heilmittelgesetzes verurteilt. Er erhielt eine Busse von 400 Franken. Zudem muss er Verfahrenskosten von 300 Franken zahlen. Die bestellten, vom Zoll entdeckten Tabletten werden vernichtet – und damit mindestens im Moment mal vermutlich auch die Hoffnung auf eine günstige Art der Potenzsteigerung.

Ebenso wenig zuträglich für eine aufgestellte Stimmung innerhalb der Familie dürfte auch sein, dass nicht nur der Vater an die Kasse kam. Denn auch gegen den Sohn, der die Bestellung ausführte, lief ein Strafverfahren.

Immer mehr illegale Arzneimittel-Importe

Im Jahr 2021 haben das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit 9421 illegale Arzneimittelimporte sichergestellt. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr mit 6733 Sendungen, wie Swissmedic in einer Medienmitteilung schreibt.

In rund drei Vierteln der Couverts und Päckchen, die abgefangen wurden, befanden sich Potenzmittel. Auf diese Art von Medikamenten entfällt seit Jahren der Hauptteil der verbotenen Importe.

Neuer Umschlagplatz Nummer 1

Was die Rangliste der Herkunftsländer der Sendungen betrifft, steht dort laut Swissmedic zum ersten Mal Polen zuoberst. Von dem osteuropäischen Land aus dürften Kriminelle als Zwischenhändler tätig sein, hätten sich in den beschlagnahmten Sendungen mit Potenzmitteln aus Polen doch «ausschliesslich in Indien hergestellte Erektionsförderer» befunden. Swissmedic vermutet, dass neue illegale Vertriebskanäle aufgebaut wurden, nachdem die Behörden im Oktober 2020 in einer internationalen Aktion den Transitweg via Singapur erfolgreich unterbunden hatten.

«Grosses Gesundheitsrisiko»

Swissmedic warnt, dass Menschen, die rezeptpflichtige Arzneimittel über unkontrollierte Internetangebote bestellen, «ein grosses Gesundheitsrisiko eingehen». Denn «in jedem zweiten illegal angebotenen Präparat ist nicht drin, was draufsteht!». (ehi)

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