Im Gericht Todesdrohung ausgestossen
Mit einem Gutsch Benzin ein schlecht brennendes Feuer anfachen; auf einem zugefrorenen, aber gesperrten See Eislaufen gehen; auf einen anfahrenden Zug aufspringen: Es gibt Dinge, die man generell nie machen sollte, weil sie fast mit Garantie übel enden. In diese Kategorie gehört sicher auch, an einem Gericht, vor mehreren Zeugen mit juristischer Ausbildung, eine Straftat zu begehen.
«Ich bringe dich um, du dumme Schlampe»
Ankündigung des Angeklagten gegenüber einer Frau
Genau das hat jedoch ein Kosovare aus der Region getan. Im Frühling dieses Jahres war der 48-Jährige im Rahmen eines Ausweisungsverfahrens aus seiner Wohnung vom Bezirksgericht Pfäffikon vorgeladen worden. Ihm gegenüber in der Verhandlung stand eine Frau, die Tochter des Vermieters.
Während des Prozesses – also vor dem versammelten Gericht – nannte der Mann die Frau mehrfach «Schlampe», «Hure» und «Nute». Und gleich noch einen Zacken härter soll es in der Verhandlungspause weitergegangen sein, wie eine später zum Vorfall erstellte Anklageschrift festhält: «Vor dem Gerichtssaal sagte der Beschuldigte zur Geschädigten, ‹Ich bringe dich um, du dumme Schlampe›». Und während er diese Ankündigung aussprach, sei er mit dem Zeigefinger über seinen Hals gefahren; eine Bewegung, die weltweit «ich schneide dir den Hals durch» bedeutet.
Kein Erfolg mit Gegenanzeige
So musste der mehrfach vorbestrafte Mann nur drei Monate nach diesem aussergewöhnlichen Zwischenfall kürzlich erneut vor dem Bezirksgericht Pfäffikon antraben. Die Beschimpfung gab er am Prozess zu, die Todesdrohung nicht. Er bestätigte allerdings auf eine entsprechende Frage des Einzelrichters, dass er schon mal ausrasten könne, wenn er wütend sei.
Er und seine Ehefrau haben übrigens die Tochter des Vermieters wegen Verleumdung angezeigt. Diese Anzeige sei «aber leider sistiert worden», sagte der Angeklagte.
Das Ehepaar ist bis heute nicht gut auf die Frau zu sprechen. So lästerte die als Zuschauerin nach Pfäffikon gekkommene Frau in der Prozesspause laut über die nicht anwesende Kontrahentin und prophezeite ihr Konsequenzen.
Und wieder wurde es laut im Gerichtssaal
Bald danach führte die Stimmung des gereizten Ehepaars zur Explosion – und zwar wieder im Gerichtssaal: Als das Gericht das Urteil bekanntgab – Schuldspruch wegen Drohung und mehrfacher Beschimpfung – flippte das Paar aus.
Bevor der Richter erklären konnte, was die jeweils bedingte Strafe von 30 Tagen und eine Geldstrafe von 1000 Franken genau bedeuten, schrie der Kosovare, das Urteil und ebenso der Richter seien «eine Schande für das Rechtssystem!». Als sich dann auch noch seine Frau in gleicher Lautstärke und mit sehr ähnlichen Worten meldete und beide die Aufforderung, zu schweigen und zuzuhören, vollkommen ignorierten, griff der Richter durch. Er brach die Urteilsverkündung nach einer Rekordzeit von drei Minuten ab und verwies das Paar des Saales. – Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Gewalt melden
Opfer, aber auch Zeugen, einer Gewalttat und Menschen, die eine solche Tat befürchten, sollen sich sofort und rund um die Uhr über den Polizeinotruf 117 melden. Umfassende Informationen zum Thema gibt es unter anderem auf der Internetseite des Kantonalen Bedrohungsmanagements Zürich, https://www.kbm.zh.ch/ . (ehi)
