Im Corona-Jahr verlagerte sich die Kriminalität vermehrt aufs Land
«Zürcher Oberland» als Bezeichnung für eine Region steht zwar für eine grosse geographische Einheit, innerhalb dieser Region aber läuft deshalb noch lange nicht alles in etwa gleich. Das zeigt einmal mehr ein Blick in die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS), deren jüngste Ausgabe für den Kanton Zürich am Montag präsentiert wurde.
Über 13’000 Straftaten im Oberland
Eine der wenigen für das ganze Oberland gültigen Aussagen aus der von der Kantonspolizei zusammengestellten PKS: Überall nahm die Kriminalität zu. Im Bezirk Hinwil lediglich um 0,5 Prozent, im Bezirk Uster um 6 Prozent und im Bezirk Pfäffikon gleich um über 16 Prozent. Insgesamt wurden aus den drei Bezirken 13’209 Straftaten gemeldet, davon entfallen 50 Prozent auf den Bezirk Uster, die urbanste Gegend.
«Völlig untypisch»
Kantonale Kripochefin zu Zahlen aus Bezirken
Dass im Oberland die Kriminalität zunahm, im Gesamtkanton jedoch um 0,9 Prozent zurückging, ist erklärbar. Wie die kantonale Kripochefin Christiane Lentjes Meili an der Medienkonferenz zur PKS sagte, habe man im vergangenen, von der Corona-Pandemie geprägten Jahr festgestellt, dass sich die Kriminalität tendenziell von der Stadt Zürich weg in Gegenden ausserhalb verschiebt. Doch auch Lentjes betonte, die Ausschläge von Bezirk zu Bezirk stünden nicht für eine klare Entwicklung, sondern seien «völlig untypisch». Ebenso, wie sich kantonsweit bei den einzelnen Deliktsarten «ein sehr heterogenes Bild» präsentiere.
Pfäffikon: erklärbare Zunahme
Während Veränderungen im einstelligen Prozentbereich zu den normalen statistischen Schwankungen gehören, sticht der Negativsprung im Bezirk Pfäffikon ins Auge. Begründen lässt sich der Wert primär mit einer Zunahme bei den einfachen Körperverletzungen, Sachbeschädigungen (davon der grösste Teil Vandalenakte), Hausfriedensbrüchen und Urkundenfälschungen. Immerhin allesamt Taten, bei denen Menschen in der Regel nicht in schwerwiegender Weise zu Schaden kommen.
Weniger Straftaten aber mehr schwere Gewalt im Pandemiejahr
22.03.2021

Kriminalitätsstatistik 2020
Die Zahl der Straftaten ist im letzten Jahr zwar zurückgegangen. Beitrag in Merkliste speichern Und trotz der 16-Prozent-Zunahme, die 337 Taten entspricht: Der Bezirk Pfäffikon ist weiterhin derjenige im Oberland, in welchem die Polizei am wenigsten zu tun hat. Und weil dort die Kriminalität eben so tief ist, können schon relativ gering Zunahmen zu einem hohen prozentualen Pluswert führen.
Uster: mehr Sexualstraftaten
Mehr Sorgen bereitet da der Bezirk Uster mit einem Plus von 390 Taten. So ereigneten sich dort nicht nur mehr Einbruchdiebstähle in Fahrzeuge, mehr Raube und Betrüge, sondern eben auch mehr Körperverletzungen, teilweise in lebensgefährlicher Schwere. Dazu kommen zwei Dutzend Sexualstraftaten mehr als im Vorjahr, darunter gemäss PKS 16 Vergewaltigungen.
Hinwil: Drogen sind kein Fremdwort
Im Bezirk Hinwil blieb die Gesamtlage praktisch stabil. Dennoch gibt es an einzelnen Stellen in der Statistik Ausreisser. Zum Beispiel bei den Einbruchdiebstählen, wo klar höhere Zahlen registriert wurden. Das betrifft auch Einbrüche in Autos, wie sie sich im Schnitt dreimal pro Monat ereigneten. Auch übers gesamte Oberland hinweg gesehen bleiben Einbruchdiebstähle ein sogenanntes Massendelikt: mehr als 700 solcher Taten wurden in der Region begangen.
Zudem sind im Bezirk Hinwil, obwohl noch weitgehend ländlich geprägt, Drogen sehr präsent: Die Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nahmen um 16 Prozent auf 433 zu.
Ein Jahr ohne Mord
Trotz der in mehreren Bereichen negativen Zahlen findet man in der kantonalen Kriminalitätsstatistik 2020 auch Erfreuliches. Bedeutendster Punkt ist hier die allgemeine Entwicklung der Gewalttaten. Diese haben lediglich im Bezirk Pfäffikon zugenommen, aber auch «nur» wegen weitgehend leichten Angriffen. Im Bezirk Hinwil blieb die Lage unverändert, im Bezirk Uster kam es zu einer Abnahme.
Und: Im ganzen Oberland wurde kein vollendetes Tötungsdelikt verübt. Eine Entwicklung, die sich mit derjenigen im Gesamtkanton deckt. Dort starben 2020 insgesamt sechs Menschen bei Gewalttaten (Vorjahr: 16). Taten, die sich laut Kripochefin Lentjes alle im familiären Umfeld ereigneten. (ehi)
