Was in einer Nacht Ende Mai 2019 passierte, schildert die Anklageschrift in 17 Etappen. Die Kurzzusammenfassung: Ein damals 34-Jähriger trifft sich in Turbenthal trotz Kontaktverbot mit seiner fast gleichaltrigen Ex-Freundin. Die in ihrem Auto angereiste Frau bugsiert er mit Gewalt auf den Beifahrersitz und fährt dann, obwohl ihm der Führerausweis schon vor über einem Jahr entzogen wurde, in einen Wald bei Wila. Dort befiehlt er der Frau, das Handy abzustellen, damit es laut Anklage «nicht geortet werden könne», und redet auf die Frau ein. Im Verlauf der Unterhaltung über ihre Beziehungsprobleme schlägt er einmal ihren Kopf stark gegen den Wagen und gibt ihr einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. Er nimmt sein Sackmesser hervor und droht mit Selbstmord.
«Er konnte lieb sein – und von null auf hundert das Gegenteil.»
Die Frau über ihren Ex-Freund
Morgens um 3 Uhr, sechs Stunden nach Beginn des Ereignisses, bringt er die verletzte Frau ins Spital Wetzikon, wo sie verarztet wird und anschliessend mit ihm wieder Richtung Tösstal fährt. Bei Hittnau hält sie das Auto mitten auf der Strasse an und kann flüchten. Der Mann wird keine zwei Stunden später von der Polizei gefasst und sitzt seither in Haft.
Zwischen Todesangst und Verständnis
Für die Frau eine Episode, die sie monatelang schwerst traumatisierte. Sie sei in jener Nacht hin und her gerissen gewesen zwischen «Todesangst» und «Gefühlen für ihn». Denn nach ihrer Trennung, die «nicht so richtig geklappt hat», hätten sie halt immer noch etwas füreinander empfunden, sich getroffen und auch Sex gehabt, erzählte sie am Montag vor dem Bezirksgericht Päfffikon, wo der Fall verhandelt wurde.

