Die Nummer 1 rückt ins zweite Glied
Seit 1991 arbeitet Adrian Ferrari bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega). Zuerst als Helikoptermechaniker, folgte 1997 der Wechsel zum Rettungssanitäter. Seit 2002 ist er Leiter der Einsatzbasis Zürich auf dem Militärflugplatz Dübendorf. Nebenbei gehörte er rund 30 Jahre der Feuerwehr Fehraltorf an.
«Der Zusammenhalt hat mich damals motiviert, in Fehraltorf zu bleiben»
20.12.2019

Abtretender Feuerwehrkommandant
Nach 30 Jahren verlässt der aktuelle Kommandant Adrian Ferrari die Feuerwehr Fehraltorf. Beitrag in Merkliste speichern Bei der Rega hatte Ferrari einen Job, um den ihn viele Rettungssanitäter beneiden. Kann er so doch die beiden Hauptpfeiler im Berufe eines Rettungssanitäter verbinden: Notfallmedizin betreiben und einen Helikopter als Arbeitsgerät haben.
Doch seit Beginn dieses Jahres ist der dienstälteste Basisleiter der Rettungsflugwacht nicht mehr Chef von «Rega 1», wie der Standort intern und dem Funknamen des Helis entsprechend genannt wird. «Das Pensionsalter naht», sagt der 58-jährige Fehraltorfer als Begründung für den freiwilligen Rücktritt von der Chef-Position. Dies, weil bei der Rega für Rettungssanitäter mit 60 Jahren Schluss ist. I n seinen zwei letzten Arbeitsjahren wolle er sich nun ganz auf seine Leidenschaft konzentrieren, «das Fliegen, Retten und ‹Mechen›» – ohne auch noch die mit dem Chefjob verbundenen administrativen und personellen Zusatzaufgaben erledigen zu müssen.
Geordnete Übergabe – nicht wie damals
Und nicht zuletzt ist es ihm auch «ein grosses Anliegen», sein Wissen als Basisleiter auf eine saubere Art weiterzugeben. Nicht so, wie es damals vor 18 Jahren mit ihm gemacht wurde: «Man hat mir einfach einen Ordner hingestellt, und ich musste dann alles selber zusammensuchen und aufbauen».
Seinem Nachfolger hat er die Leitungsaufgaben deshalb Schritt für Schritt übergeben. Das Team habe vom Wechsel an der Spitze gar nicht viel bemerkt. « Genau so, wie ich es wollte », sagt Ferrari.
Technik heute viel bedeutender
Als Rettungssanitäter und Helimechaniker wird er mit dem Team noch bis 2022 weiterarbeiten. Ein Traumberuf für den Fehraltorfer. «Er bietet mir die Verbindung von Medizin, Fliegen und Technik. Etwas, das ich so anderswo nicht bekomme.»
«Nach einer fünfminütigen Kontrolle am Heli
muss ich 20 Minuten lang Papierarbeit erledigen.»
Adrian Ferrari
Auch wenn dieser Job und dort vor allem der fliegerische Part – d er Rettungssanitäter fungiert einerseits als Notfallfachperson, andererseits als eine Art Co-Pilot – heute ganz anders sei, als vor zehn Jahren. Der «Sani» sei jetzt viel mehr ins Fliegen eingebunden und brauche ein umfassendes Technik-Wissen.
Diese technische Aufwertung seines Jobs freut Ferrari – ganz im Gegensatz zur immer grösseren Bedeutung gesetzlicher und administrativer Vorgaben. «In der Fliegerei ist mittlerweile alles derart stark reglementiert, dass ich beispielsweise nach einer fünfminütigen Kontrolle am Heli 20 Minuten lang Papierarbeit erledigen muss. Das nervt einfach.»
Als Teenager selbst Patient im Heli
Doch letztlich kommen selbst die nervigsten Arbeiten dem Patienten zugute, und das freut Adrian Ferrari. Denn auch er war einst ein Patient der Rega: Als Jugendlicher verunfallte er beim Skifahren am Corvatsch, und einer der bekannten roten Helikopter flog ihn ins Spital. «Das beeindruckte mich so, dass ich sagte: ‹in diese Firma will ich›».
Er bewarb sich, wurde aber abgelehnt, stupfte immer wieder an und hatte dann Erfolg. Heute kann er auf die Erfahrung aus rund 6000 Einsätzen zurückblicken.
Ein Pilot ist neuer Chef
Der Nachfolger von Adrian Ferrari als Basisleiter kommt aus den eigenen Reihen: sein bisheriger Stellvertreter Frank Krivanek wird übernehmen. Der 43-jährige Deutsche ist Helikopterpilot und -fluglehrer. Und bei der Rega der einzige Berufshelipilot, der zudem eine Ausbildung als Rettungssanitäter hat.
Krivanek fliegt seit bald 20 Jahren und leitete einst die Niederlassung der Heli Sitterdorf AG auf dem Flugplatz Speck in Fehraltorf. Bei der Rettungsflugwacht ist er seit sechs Jahren angestellt und dabei auch auf den Basen in St. Gallen und Basel tätig. Dübendorf wird jedoch seine Heimbasis sein.
800 Einsätze pro Jahr
Die Einsatzbasis Zürich auf dem Militärflugplatz Dübendorf ist einer der wichtigsten Helikopter-Standorte der Rega. Von hier aus wurden im vergangenen Jahr über 800 Einsätze geflogen, gegen ein Drittel davon nachts. Dem Team der rund um die Uhr besetzten Basis steht ein H145 der Airbus Helicopters zur Verfügung. Mit der modernen und leistungsstarken Maschine werden nicht nur alle Arten von Rettungs- und Verlegungsflügen durchgeführt, sondern auch Spezialeinsätze in der ganzen Schweiz wie der Transport von massiv übergewichtigen Patienten bis zu einem Körpergewicht von 400 Kilogramm. (ehi)
