Im Plausch-Wettstreit das Feuerwehr-Handwerk gezeigt
Das Wichtigste in Kürze
- Über 120 Jugendliche aus dem ganzen Kanton Zürich reisten am Samstag nach Pfäffikon
- Sie massen sich in Teams an einem Jugendfeuerwehr-Wettkampf
- Dabei ging es um Feuerwehr-Techniken – und um den Plausch
Die Aufgabe tönte nicht unlösbar: innerhalb von etwa zehn Minuten eine Schlauchleitung ab einem Hydranten legen, diese sicher unter, durch und über drei Hindernisse führen und am Schluss einen Wimpel per Wasserstrahl zum Knicken bringen. Und, wenn man denkt, die Sache sei erledigt, das gesamte Material zusammenräumen wieder genauso bereitlegen, wie es am Anfang war.
In der Praxis entpuppte sich die Angelegenheit dann aber als durchaus tückisch: Man musste mit dem Schlauch durch ein etwa schulterbreites Rohr kriechen und ein zwei Meter hohes, treppenartiges Holzgestell überwinden. «Kacke!» war denn auch einer der diversen unüberhörbaren Kommentare der Teilnehmer. Und ein erwachsener Zuschauer traf es recht gut, als er zusammenfassend sagte: «Sie konnten vorher zusehen, wie die Übung geht, hatten dabei eine grosse ‚Röhre‘ – und nun haben sie genau die gleichen Scheissfehler gemacht.»
Parcours mit sechs Posten
Aufgaben, die sich als anforderungsreicher erwiesen, als man dachte: Die Szene war nicht untypisch für den kantonalzürcher Jugendfeuerwehr-Wettkampf, der heuer am Samstag in Pfäffikon stattfand. «Die Teilnehmer sollen hier zeigen, was sie das ganze Jahr durch gelernt haben», sagt OK-Präsident Reto Unterholzner. Und: Sie sollen dabei den Plausch haben.
Sechs Posten müssen die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren jeweils am Wettkampf absolvieren. Bei fünf Posten geht es ums Feuerwehrtechnische, also etwa um eine Personenrettung über eine Leiter, die zuerst noch zusammengesteckt werden muss, oder das Beschreiten eines Parcours mit voller Atemschutzausrüstung und verblindetem Sichtfeld. Aufträge, die sehr nah an dem sind, was einen im richtigen Feuerwehreinsatz erwarten kann.
Slalomfahrt mit «Düsenantrieb»
Der sechste Posten ist voll auf Plausch ausgelegt. In Pfäffikon mussten die Teilnehmer auf einem ungewöhnlichen Gefährt – einem Palettrolli, auf dem ein Hochleistungslüfter quasi als «Düsenantrieb» montiert war – einen Slalom fahren. Doch auch dieser ebenso vergnügliche wie schwierige Part hatte einen edukativen Aspekt: Viele Teilnehmer achteten zu wenig auf die eigenen Sicherheit, dem wichtigsten Faktor in jedem Feuerwehreinsatz, wie der Experte im Anschluss der Übung den Teenagern eindrücklich vor Augen führte.
Auch eine Sache für Mädchen
Am Anlass in Pfäffikon waren 16 Mannschaften mit insgesamt über 120 Jugendlichen angetreten, und damit «wieder mehr Teilnehmer» als noch vor etwa drei, vier Jahren, wie sich Reto Unterholzner freute. In den Teams sah man auch mehrere Mädchen; derzeit beträgt ihr Anteil über alle Jugendfeuerwehren des Kantons hinweg gesehen 28 Prozent.
«Die Teilnehmer sollen zeigen, was sie das ganze Jahr durch gelernt haben»
Reto Unterholzner,
OK-Präsident Jugendfeuerwehr-Wettkampf Pfäffikon
Die Leistung der Gruppen wurde von kantonalen Feuerwehr-Instruktoren beurteilt. Und obwohl die Jugendfeuerwehrler bis zum Alter von 18 Jahren nur trainieren und erst dann in die Ortsfeuerwehr übertreten und in Einsätzen Erfahrung sammeln dürfen, zeigten sie gute Leistungen. Das Niveau sei seit einigen Jahren immer etwa gleich – und zwar «gleich hoch: es werden extrem wenig Fehler gemacht», stellte Unterholzner fest.
Oberländer Sieger
So erfüllt der Jugendfeuerwehr-Wettkampf eigentlich zwei Zwecke: Er ist für die Feuerwehren letztlich eine Massnahme zur Nachwuchssicherung und für die laut Unterholzner jeweils «sehr motivierten» Teenager, die mitmachen, «ein Highlight». Als Sieger aus dem Anlass im Oberland gingen übrigens auch Oberländer hervor: Das Team Uster 2 belegte den ersten Platz, gefolgt von Büli Füür 2 und Affoltern 1.
Nicht am Wunsch-Austragungsort
Der Jugendfeuerwehr-Wettkampf, ausgetragen rund ums Feuerwehrdepot Pfäffikon im Industriegebiet Schanz, fand praktisch ohne Zuschauer statt. Exakt das wollte OK-Präsident Reto Unterholzner verhindern, denn mit dem Anlass möchte man auch die in weiten Kreisen unbekannte Jugendfeuerwehr näher zur Bevölkerung bringen. Unterholzner plante deshalb, den Wettkampf am gut frequentierten Pfäffikersee durchführen. Doch das sei dann «leider» von der Gemeinde nicht erlaubt worden. ehi
