Therapie statt Gefängnis für Angeklagten
Weshalb er sich denn so auf Mädchen fixiert habe, die sich nackt präsentieren oder in sexuelle Handlungen verwickelt sind? «Das ist für mich eine relativ schwierige Frage», antwortete der Mann, der sich am Montagnachmittag vor Bezirksgericht Pfäffikon verantworten musste auf eine Frage der vorsitzenden Richterin. Er habe halt schon früh damit begonnen, solche Bilder zu konsumieren, und dann «wurde es fast zu einem Automatismus». Ein Automatismus, «aus dem ich rauskommen wollte», weshalb er auch froh gewesen sei, dass seine Taten aufflogen.
«Es wurde fast zu einem Automatismus»
Der Beschuldigte, weshalb er immer wieder
Bilder nackter Mädchen konsumierte
Nacktbilder verlangt – und erhalten
Seine Taten: das sind eine Reihe von zwischen 2012 und 2017 verübten Delikten, bei denen allen Mädchen im Zentrum stehen. So bat der heute 26-Jährige von seinem Wohnort im Bezirk Pfäffikon über Facebook-Messenger eine damals 12- bis 13-Jährige aus Deutschland mehrmals, sich im Intimbereich zu berühren, dabei Fotos zu machen und ihm die Bilder zu senden – und sie tat es und schickte ihm zehn Aufnahmen. Später forderte der Oberländer weitere Fotos, «ansonsten er die sich bereits in seinem Besitz befindlichen Nacktbilder von ihr im Internet veröffentlichen würde», wie es in der Anklageschrift geschildert wird. Mit dieser Forderung nach Bildern hatte er dann aber keinen Erfolg.
Zehntausende Porno-Dateien gespeichert
Ferner schickte der Mann einem Mädchen Bilder seines Penis‘ und sandte an über 20 noch nicht 16 Jahre alte Mädchen über verschiedene Kommunikationsplattformen im Internet etwa 70 Dateien mit pornografischem Inhalt. Dabei gab sich der Oberländer gemäss Anklage «teilweise selber als unter 16-jähriges Mädchen aus». Etwa die Hälfte der angeschriebenen Teenager wurden vom Oberländer zusätzlich aufgefordert, an sich selbst sexuelle Handlungen vorzunehmen und die Aufnahme davon ihm zu senden, «welcher Aufforderung diese Mädchen nachkamen».
Diese Bilder und viele andere aus dem Internet sammelte der Mann. Exakt 92‘866 Fotos und Videos – primär mit Kinderpornos, aber auch Pornos mit Tieren – zählten die Ermittler schliesslich auf den verschiedenen beschlagnahmten Datenträgern.
Kontaktverbot für die nächsten Jahre
Der Prozess wurde im abgekürzten Verfahren durchgeführt, das heisst, das Gericht wurde gebeten, einen Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft zu bestätigen, was denn auch geschah: Schuldspruch wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind, versuchte Nötigung, Pornografie, Übertretung des Betäubungsmittelgesetztes (für Marihuana-Konsum); bis auf den Nötigungsversuch alles mehrfach begangen. Der 26-Jährige fasste eine Strafe von 26 Monaten und eine Busse von 500 Franken. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird allerdings zugunsten einer ambulanten Behandlung aufgeschoben. Eine solche Therapie, beteuerte der Beschuldigte, würde ihm sehr helfen.
«Ein erhebliches Verschulden»
Die vorsitzende Richterin
Zudem wurden ein Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen für die nächsten zehn Jahre angeordnet und ein Kontaktverbot mit Kindern unter 16 Jahren für die nächsten fünf Jahre. Und den Mann, der kaum ein Einkommen hat, erwarten Verfahrenskosten von über18‘000 Franken.
Ein nicht so klarer Fall für das Gericht
Die vorsitzende Richterin betonte in einer kurzen Urteilsbegründung, man habe sich gründlich überlegt, ob man den Urteilsvorschlag, den man letztlich «so knapp gutheissen konnte», annehmen wolle. Sprich: ob die beantragte Sanktion nicht zu milde sei. Denn das Verschulden des Angeklagten sei «erheblich». Das unter anderem wegen der von ihm gespeicherten «Unmengen von Dateien» mit Kinderpornos. Pornos, von denen jeder einzelne ja für einen Kindsmissbrauch stehe.
