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Neues Konzept garantiert Rettung auch im tiefsten Wald

Unfälle beim Holzen passieren oft an Orten, die ebenso schwierig lokalisierbar wie zugänglich sind. Ein neues Rettungskonzept für den grossen Tössstock-Wald soll dem entgegenwirken. Ein erster Test verlief erfolgreich.

Ein Angehöriger der Feuerwehr Fischenthal (links) ist zum «verletzten» Forstwart hinuntergestiegen und übernimmt mit einem Kollegen des «Verunglückten» die Erstbetreuung. (Fotos:Ernst Hilfiker), Ein Bild, das die Dimensionen und eines der Hauptprobleme zeigt: Der «Verletzte» im Steilhang ist kaum zu erkennen; der Zugang zu ihm schwierig., Bis die Rettungskrägte eintreffen, wird der «Verletzte» von einem Forstwarkollegen betreut., Erste Angehörige der Feuerwehr Fischenthal sind eingetroffen und seilen sich zur «Unfallstelle» ab., Nun ist auch ein Team des Rettungsdienstes Regio 144 angekommen. Im Vordergrund: eine sogenannte Schleifkorbtrage, in welcher man Verletzte in unwegsamem Gelände bergen kann., Angehörige der Feuerwehr und des Rettungsdienstes heben den «Verletzten» vorsichtig in die Schleifkorbtrage., An Seilen gesichert, tragen die Rettungskräfte den «Verletzten» den Hang hinauf zu einem Wanderweg. , Danach kann der «Patient» zum Rettungswagen getragen und ins Spital gefahren werden.

Neues Konzept garantiert Rettung auch im tiefsten Wald

Das Gebiet ist gross, sehr gross, nämlich etwa 8 Millionen Quadratmeter; das Gelände dort hügelig und steil; es hat imposante Felswände und tiefe Tobel; die wenigen Strässchen, die es gibt, sind schmal; Handyempfang ist an den meisten Stellen ein Fremdwort. Kurz: Wer im Tössstock-Wald verunfallt, der kann nicht mit einer schnellen und unkomplizierten Rettung rechnen. Das ist vor allem fatal, wenn hier einem Forstwart etwas passiert, denn bei solchen Ereignissen ist meist mit sehr schweren Verletzungen zu rechnen, weshalb rasche Hilfe zentral ist.

Schon mehrere Unfälle

Dieser Missstand wurde schon vor über zehn Jahren erkannt, und so entwickelte man damals  eine eigene Notfallorganisation. Seither sind im Staatswald Tössstock, der grösstenteils auf Fischenthaler Gemeindegebiet liegt, rund ein halbes Forstunfälle passiert, wobei in einem Fall die Hilfeleistung nicht optimal klappte. Unter anderem deshalb wurde die Notfallorganisation unter der Führung von Projektleiter Christian Zollinger überarbeitet. Zollinger ist Förster und Sicherheitsbeauftragter für die Staatswälder des Kantons Zürich und schuf das Konzept zusammen mit Fachleuten anderer Organisationen.

Auf Lotsenpunkten basierend

Das Notfallkonzept basiert auf einem Punktesystem. Das heisst: Auf einer Karte des Waldgebietes sind über 150 Punkte eingezeichnet. Die Karte ist in der für die Feuerwehr- und Sanitätsnotrufe zuständigen Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung Zürich (SRZ) und bei der Feuerwehr Fischenthal hinterlegt, ebenso besitzen sie die Forstequipen, die in diesem Gebiet arbeiten. Geschieht nun ein Unfall, wird im Notruf möglichst genau der Standort, vor allem aber der am nächsten liegende Punkt genannt. Dann werden die Feuerwehr Fischenthal und der Rettungsdienst parallel aufgeboten: der Rettungsdienst zu einem markanten Punkt im «Tal», beispielsweise einer bestimmten Strassenkreuzung, wo dann die ortskundige Feuerwehr wartet und die Retter zum eigentlichen Einsatzpunkt irgendwo im Wald in den Hügeln lotst und sie anschliessend bei der Patientenbergung unterstützt.

Per Funk aus Wald direkt in die Notrufzentrale

Dieses System wurde nun noch deutlich verfeinert. Und neu können jetzt alle Forstwarte des Staatswaldes Tössstock per Funk einen Alarm direkt der SRZ-Einsatzleitzentrale übermitteln, nachdem sie bereits einen Direktzugang zur Rega-Zentrale hatten. Da die Rega aber bei weitem nicht immer fliegen kann, macht es mehr Sinn, SRZ zu alarmieren.

Konzept mit Vorbildfunktion

Das «Konzept und Notfallorganisation Staatswald Tössstock und Gemeinde Fischenthal», wie der sperrige Name für die Notfallorganisation lautet, könnte zum Vorbild für weitere  Waldgebiete im Kanton Zürich und sogar für den Rest der Schweiz werden. Laut Projektleiter Christian Zollinger gab es bereits «Anfragen von anderen Forstverantwortlichen». Und auch in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung Zürich, wo die Notrufe aus mehreren Kantonen bearbeitet werden, geht man gemäss einem Verantwortlichen davon aus, dass das Modell  künftig nicht nur im Tössstock-Wald zur Anwendung gelangen wird.  ehi

Dass SRZ künftig die meisten Einsätze bei einem Holzerunfall organisieren wird, kommt zudem dem neuen kantonalen Rettungskonzept entgegen, das besagt, dass bei schweren Notfällen einfach das nächstgelegene Rettungsmittel aufgeboten wird – und das kann durchaus  irgendein auswärtiger Rettungsdienst auf der Durchfahrt sein, der dann, obwohl das Team nicht so ortskundig ist wie die fürs Tössstockgebiet zuständige Regio 144, problemlos zu einem der leicht zu findenden Treffpunkte geschickt werden kann, wo er von der Feuerwehr Fischenthal in Empfang genommen wird.

Lob von Fachleuten

Am Montagnachmittag wurde das neue Konzept mit einem simulierten Unfall in einem nur zu Fuss zugänglichen Waldstück bei der Strahlegg 1:1 getestet. Annahme: Ein Forstwart war in einem Steilhang abgestürzt und dabei schwer verletzt worden.  Von der Alarmauslösung bis zum Zeitpunkt, als der «Verunfallte» von der Feuerwehr und einem Team der Regio 144 in kräftezehrender und nicht ungefährlicher Arbeit erstversorgt und geborgen war, verging rund eine Stunde.

«Eine gute Leistung!» anbetrachts des unzugänglichen Einsatzortes, wie Christian Zollinger und mehrere der als Beobachter anwesenden drei Dutzend Fachleuten aus dem Forst- und dem Sicherheitsbereich lobten. Oder wie es der Fischenthaler Feuerwehrkommandant Urs Heusser passend zur Umgebung formulierte: «Holz alange, dass es dann im Ernstfall auch so gut klappt.» Das Notfallkonzept wird nun noch minim angepasst und tritt dann im Herbst offiziell in Kraft.

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