Weniger Rega-Einsätze, weil Deutsche mehr selber fliegen?
«Christoph 11» heisst der in Villingen-Schwenningen stationierte Heli der DRF Luftrettung AG, der in der Regel bei Einsätzen im süddeutschen Grenzraum zur Schweiz aufgeboten wird. Nur: dieser Rettungshelikopter konnte bislang lediglich zwischen 7 Uhr und Sonnenuntergang betrieben werden. Brauchte man in der Nacht ein schnelles Transportmittel, wurde eine Maschine aus der Schweiz und damit meistens von der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) oder aus Bayern aufgeboten.
Premiere für Bundesland
Das ist seit dem 1. Oktober nicht mehr nötig, denn neu fliegt «Christoph 11» auch nachts. Er ist damit laut einer Mitteilung der DRF «der erste 24-Stunden-Hubschrauber in Baden-Württemberg». Eine Premiere, auf die man «viele Jahre» hingearbeitet habe.
Bei «Christoph 11» handelt es sich um einen leistungsstarken, modernen H 145 des Herstellers Airbus Helicopters. Um auch bei Einsätzen im Dunkeln «grösstmögliche Sicherheit» bieten zu können, wird laut DRF nachts mit zwei Piloten geflogen – die Regel bei Rettungseinsätzen ist «nur» einer. Wie bei Ambulanzhelis üblich, gehören zur Crew noch ein Notarzt und ein Notfallsanitäter.
300 Deutschland-Flüge von Dübendorf aus
Ob diese Betriebsausweitung Folgen für die Auslastung der Rega hat, lasse sich derzeit noch nicht sagen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Dass die süddeutsche DRF-Maschine nun auch nachts operiert, dürfte sich allerdings definitiv in der Einsatzstatistik der Schweizer Flugretter niederschlagen. Denn die Aufträge aus dem Nachbarland waren keine Einzelfälle: Gegen 1200 Mal flog die Rega im Jahr 2016 mit einem ihrer Helis nach Deutschland. Etwa ein Drittel dieser Einsätze fand gemäss Angaben des Unternehmens nachts statt.
Rund 300 der Deutschland-Einsätze wurden von der Rega-Basis auf dem Militärflugplatz Dübendorf aus geflogen, die anderen Missionen von den Basen Basel und St. Gallen aus. Insgesamt leistete der Heli aus dem Glattal im Jahr 2016 883 Einsätze.
Rega: kein Abbau bei Einsatzbereitschaft
Ob «Christoph 11» künftig fast alle Nachteinsätze im Grenzgebiet selber bewältigen kann oder weiterhin regelmässig Unterstützung aus der Schweiz nötig ist, habe auf die rein «operative Ausrichtung der Rega keine Auswirkungen», heisst es bei der Rettungsflugwacht. «Wir werden auch in Zukunft rund um die Uhr einsatzbereit sein.»
