Der Polizeihelikopter aus Dübendorf wird immer öfter benötigt
In der Welt des internationalen Films fehlt er in kaum einem Actionstreifen, doch in der Schweizer Realität ist er ein absoluter Exot: der Polizeihelikopter. Es gibt in unserem Land nämlich nur ein einziges Exemplar davon. Das gehört der Kantonspolizei Zürich – und steht in einem Hangar auf dem Militärflugplatz Dübendorf.
Der Helikopter der Kantonspolizei Zürich ist in einem Hangar auf dem Flugplatz Dübendorf stationiert. (Video: Ernst Hilfiker)
Innert 30 Minuten ausgerückt
Die Ecureuil AS 350 B3+ (heute auch als Ecureuil H125 bezeichnet) war bis im Herbst 2015 bei Bedarf von der Kantonspolizei bei der Heli Linth AG im Glarnerland gemietet worden. Seither ist die Kapo Halterin der Maschine. Das zeigt sich einerseits in der Farbgebung: blau-weiss, wie das Kantonswappen. Andererseits in der viel schnelleren Reaktionszeit: Werktags kann der Heli innert 30 Minuten in der Luft sein, nachts und an Wochenenden in spätestens 2 Stunden.
Was für Laien nach viel Zeit tönt, ist eine extrem gute Leistung, denn nur der Pilot befindet sich unter der Woche tagsüber auf der Basis; zu allen anderen Zeiten muss er, ebenso wie sein Crewkollege, ein Fliegender Einsatzleiter (FEL), zuerst nach Dübendorf fahren. Zudem verfügt die Polizei nur über drei Piloten. Dass trotz dieser beschränkten Ressourcen und unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorschriften ein 24-Stunden-Betrieb geboten werden kann, ist quasi die Quadratur des Kreises – beziehungsweise nur möglich, «weil alle mit Herzblut dabei sind», wie es Basisleiter Markus Etschmann formuliert.
Suchen und überwachen
Das Engagement der Crews zahlt sich aus: Jedes Jahr wird der Heli häufiger aufgeboten. Waren es 2014 noch 51 Einsätze, kam man im vergangenen Jahr auf 71. Heuer ist man bereits bei fast 60; bis Ende Jahr dürfte wohl fast die 100-er-Marke erreicht sein.
Bei über der Hälfte der Einsätze handelt es sich laut Etschmann um Suchflüge. Das heisst, man sucht Menschen: das vermisste Kind, der aus dem Heim weggelaufene demente Senior, der selbstmordgefährdete junge Mann. Aber auch Straftäter, beispielsweise den 51-Jährigen, der als «Kettensägenmann von Schaffhausen» bekannt wurde.
Unübertreffliche Vorteile bietet der Heli auch, wenn es darum geht, sich über Geschehnisse auf einer grossen Fläche einen Überblick zu verschaffen. So geht die Polizei immer häufiger in die Luft, wenn sie bei Grossanlässen wie der Street Parade, dem Konzert von Superstars oder problematischen Fussballspielen verfolgen muss, in welche Richtung sich Besucherströme bewegen und ob es allenfalls zu einer gefährlich dichten Menschenansammlung kommt.
Ferner wird der Heli eingesetzt, um aus der Vogelperspektive besondere Unfallstellen, etwa auf der Autobahn, zu dokumentieren. Und hin und wieder auch, um Spezialisten wie Angehörige von Interventionseinheiten oder einen Suchhund schnell von A nach B zu bringen.
Eine der Einsatzmöglichkeiten für den Heli: auf schnellstem Weg Spezialisten – hier zwei Rettungstaucher – an einen Einsatzort bringen. (Video: Kantonspolizei Zürich)
Modernste Ausrüstung
Bei den meisten Einsätzen geht es also primär um den Blick von oben. Oder um Informationsgewinnung, «die anders nicht zu lösen wäre», wie Etschmann sagt. Neben Augen und Hirn brauchen die Piloten und Einsatzleiter dazu auch modernste Technik: Wärmebildkamera, 3-D-Scanner, Fotokamera, Handy-Lokalisierungssystem und einen Hochleistungsscheinwerfer, der 20 Mal so stark wie eine 100-Watt-Glühbirne ist. Equipment, dessen Handhabung regelmässig trainiert werden muss, weshalb der Heli fast täglich unterwegs ist.
Mehrere Partner tragen Kosten mit
Zieht Markus Etschmann heute, bald zwei Jahre nach der Professionalisierung des Flugbetriebs eine Bilanz, so sagt er, dass sowohl die Anzahl wie die Art der Einsätze «in unseren Erwartungen liegen». Das bedeutet auch, dass der Heli bei den Kooperationspartnern der Zürcher eine gefragte Sache ist. Denn geflogen wird in einem halben Dutzend Kantonen sowie für nationale Behörden. Auch im Ausland war die Maschine schon im Einsatz: Im Südtirol konnte ein gesuchter Bergsteiger gefunden werden.
Die Zusammenarbeit mit Partnern bringt den Crews – übrigens alles ausgebildete Polizisten – nicht nur wichtige Routine, sondern ist «auch sinnvoll, um die hohen Kosten für den Helikopterbetrieb zu teilen», sagt Etschmann. So werden rund 80 Prozent des jährlichen Betriebsaufwands von 550’000 Franken durch andere Kantone beglichen.
Ein neuer Heli wird ein Thema
Die Nachfrage nach dem Heli aus Dübendorf zeige auch, dass dieses Einsatzmittel «in der heutigen Zeit einfach ein nötiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit ist». Das bedeutet, es wird sicher weitergeflogen. In naher Zukunft mit der gegenwärtigen «Ecureuil» – «mit ihr sind wir sehr gut bedient» –, doch in etwa zwei, drei Jahren wird man nach einem Ersatz für die dann zehnjährige Maschine Ausschau halten müssen.
