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Wo die Besucher hinkommen, die viel zu viel getrunken haben

Dutzende von Street-Parade-Besuchern landeten in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag nach übermässigem Alkohol- und Drogenkonsum in einer speziellen Ausnüchterungsstelle. Dort im Einsatz stand auch ein Zürcher Oberländer Notarzt. Züriost besuchte ihn.

In der Notunterkunft (NUK) der Stadt Zürich wird während der Street Parade eine Art Spitalbetrieb geführt, wo alle Besucher betreut werden, die übermässig Alkohol oder Drogen konsumiert haben. (Bilder: Ernst Hilfiker), Notarzt Dr. David Schurter aus Maur stand in der NUK im Einsatz., Ein Rettungsdienst-Team bringt eine neue Patientin., In der Notunterkunft (NUK) der Stadt Zürich wird während der Street Parade eine Art Spitalbetrieb geführt, wo alle Besucher betreut werden, die übermässig Alkohol oder Drogen konsumiert haben., In der Notunterkunft (NUK) der Stadt Zürich wird während der Street Parade eine Art Spitalbetrieb geführt, wo alle Besucher betreut werden, die übermässig Alkohol oder Drogen konsumiert haben.

Wo die Besucher hinkommen, die viel zu viel getrunken haben

Im Fünf-Minuten-Takt fahren die Rettungswagen am Samstag gegen 21 Uhr in der sonst ruhigen Nebenstrasse oberhalb des Zürcher Bahnhofs Stadelhofen vor. Dann laden die Rettungsteams die Rollbahre aus, auf der ein bewegungsloser Mensch mit Brechbeutel vor dem Gesicht liegt, und Sekunden später sind sie in einem dunkeln Eingang verschwunden, der zu einem unterirdischen Bau führt.

62 Betten stehen bereit

NUK heisst dieser sonderbare Ort. Ursprünglich eine Zivilschutzanlage, ausgerüstet auch für minimale medizinische Behandlungen, stehen heute die rund ein Dutzend Räume als Notunterkunft (NUK) zur Verfügung, wenn die Stadt beispielsweise nach einem Grossbrand auf einen Schlag 40 Menschen vorübergehend ein Dach über dem Kopf bieten muss.

 

Und an der Street Parade, da dient die NUK Schutz & Rettung Zürich (SRZ) als Ausnüchterungsstelle im XXL-Format. 62 Betten stehen hier bereit für all diejenigen Festbesucher, die derart viel getrunken, geraucht, gespritzt oder eingeworfen haben, dass sie sich selbst oder andere massiv gefährden. Jeder, der eingelieferten wird, wird zuerst von einem Arzt und Intensivpflegepersonal beurteilt, dann gibt es eine Diagnose und Anordnungen, wie der Patient von den 52 Zivilschützern, die hier pro 8-Stunden-Schicht Dienst leisten, zu betreuen ist.

Patienten im Tiefschlaf

Überwacht werden die Zivilschützer – unter ihnen hat es mehrere Ärzte und Pflegefachpersonen – in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag von Dr. David Schurter. Normalerweise arbeitet der Mauremer im Triemlispital sowie als Oberarzt  bei SRZ und als Notarzt bei der Regio 144. Heute hat er, «wie erwartet», um 22 Uhr das Haus schon fast voll: 50 Patienten liegen in Betten, von den 5 Intensiv-Überwachungsplätzen sind 3 besetzt.

Es ist recht ruhig, da sich fast alle Patienten im selbstverursachten Tiefschlaf befinden. Lediglich eine junge Frau ist am Herumfluchen; sie wird von der nonstop in der NUK präsenten Polizei beruhigt. Aggressive Patienten: ein Problem, dass später in der Nacht noch zunehmen wird.

Oft gleich mehrere Substanzen intus

Die Patienten: vollkommen «verladene» Menschen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren, mehr Männer als Frauen. Sie haben Rauschmittel jeder Art eingenommen, von Bier im Übermass über Marihuana bis zu synthetischen Drogen. Schurter schreibt in über der Hälfte der Fälle die Diagnose «Mischintox» aufs Patientenblatt, will heissen, es wurden gleich mehrere Substanzen konsumiert, nicht nur die eine, immer vorliegende namens Alkohol.

Wer ausgenüchtert ist – «bei den meisten geht das drei bis vier Stunden» – darf die NUK verlassen. Sind die Patienten noch nicht 18 Jahre alt, werden zuvor ihre Eltern informiert.

Ein «Spass», der kostet

Nach dem Rauschmittelexzess bleibt den Betroffenen übrigens nicht nur ein Kater, sondern auch eine spürbare Lücke im Portemonnaie. 4 Stunden überwachte Ausnüchterung in der NUK kosten nämlich 600 Franken. Ergänzt mit der Rechnung des Rettungsdienstes für den Transport, ergibt sich so ein Betrag von deutlich über 1000 Franken.

Im Normalfall kämen die meisten dieser Patienten ins Spital und würden dort viele der knappen personellen Ressourcen binden. «Die NUK ist deshalb ein sehr effektives, wichtiges Mittel, um die Notfallstationen zu entlasten», sagt Schurter.

Und für den Oberländer selbst ist der Spezialeinsatz im unterirdischen «little hospital», wie es ein ausländische Besucher staunend formulierte, «eine spannende Aufgabe, eine so grosse Menge Menschen mit Intoxikationen in einem räumlich engen Umfeld zu überwachen». Zweifel an der Menschheit angesichts dieser bis Schichtende 90 sich für Stunden ums Bewusstsein gebrachten Technofans hat er nicht: «Ich schliesse von unseren Patienten nicht darauf, dass alle Besucher der Street Parade in diesem Zustand sind!».

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