Sonderermittler stoppten schon 80 Raser
Die Kurve der Statistik der Raserfälle im Kanton Zürich zeigt nach oben – nicht, weil einfach immer mehr gerast wird, sondern weil Tempo-Exzesse heute konsequenter und professioneller verfolgt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der in der Öffentlichkeit bislang unbekannten «Gruppe besondere Ermittlungen» des verkehrspolizeilichen Einsatzdiensts der Kantonspolizei Zürich zu.
Eine Tat wie ein Verbrechen
Die Gruppe, die 2015 als Versuch eingeführt und im Februar 2016 zur definitiven Einrichtung gemacht wurde, ist in Dübendorf stationiert. Laut Stefan Schiesser, Chef der Verkehrsabteilung Zürich und Initiant der Gruppe, besteht diese aus Mitarbeitern, die alle aus der Verkehrspolizei oder der Kriminalpolizei kommen. Die Kripo-Herkunft zeigt, wie Raserei heute eingestuft wird: nicht mehr als Kavaliersdelikt, sondern als Verbrechen, das Menschenleben gefährdet oder gar zerstört und mit dessen Aufklärung man deshalb in der Regel Spezialisten betreut. Das Team in Dübendorf ist zuständig für den ganzen Kanton.
Bei den Kunden der Spezialgruppe handelt es sich fast ausnahmslos um Männer, praktisch alle zwischen 18 und 40 Jahren alt. Viele von ihnen waren im Zürcher Oberland, beispielsweise auf der A 53, erwischt worden. Welche Autos die Raser bevorzugen, dazu sagt Stefan Schiesser nichts – ausser, dass es bei Weitem nicht nur eine, sondern «viele Marken» sind und «doch in der Regel Fahrzeuge im hohen Leistungsbereich».
Verräterische Filme und Chats
Die Ermittlungen in Raserfällen sind aufwendig und komplex. Deshalb wird von Anfang an interdisziplinär gearbeitet: mit einem spezialisierten Staatsanwalt und mit Fachleuten des Forensischen Instituts Zürich, einer international renommierten Einrichtung für die Auswertung von Spuren.
«Einen grossen Teil der Arbeit» bildet laut Schiesser die Analyse der digitalen Daten der Schnellfahrer. Sprich: Es werden eben nicht nur das Auto beschlagnahmt, sondern auch Handy, PC und andere Geräte, auf denen Hinweise auf die Taten zu finden sind. Nicht selten stossen die Polizisten dann sogar auf für die Beweisführung äusserst hilfreiche Bild- und Tondokumente, etwa eines illegalen Rennens oder auf Kurznachrichten, in denen mit diesen Eskapaden geblufft wird.
Strafen: teuer und schmerzlich
Letztlich resultiert aus den Ermittlungen der Spezialisten und des Verfahrens der Staatsanwaltschaft meistens eine Anklage wegen schwerer Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Möglich sind dabei Sanktionen bis zu unbedingten Freiheitsstrafen – und meistens fallen hohe Verfahrenskosten an. Zur Strafe, die der Staatsanwalt oder das Gericht ausfällen, kommen noch sogenannte Administrativmassnahmen hinzu, sprich sicher mal ein längerer Führerausweisentzug. Auch dieser Schritt, der von den Rasern oft als viel schmerzlicher als eine Verurteilung empfunden wird, ist mit Kosten verbunden.
Dutzende Autos sichergestellt
Bislang hat das Dübendorfer Team über 80 Verfahren erfolgreich abgeschlossen und alleine im vergangenen Jahr 80 Raser verhaftet. Im Rahmen der Ermittlungen wurden eine Reihe von Hausdurchsuchungen durchgeführt und drei Dutzend Autos und einige Motorräder sichergestellt.
Für Stefan Schiesser hat die neu geschaffene Sonder-Ermittlungsgruppe denn auch bereits nach kurzer Zeit «ihr Ziel erreicht». Das Ziel, dass es durch die umfassende Verfolgung von Rasern «weniger Schwerverletzte und Tote auf den Zürcher Strassen gibt».
