Kinder mit Beeinträchtigung machen sich auf ins Pfadilager
«Bei uns sind es in erster Linie Kinder und erst danach kommt die Beeinträchtigung. Wir wollen so wenige Unterschiede wie möglich zu den anderen Pfadiabteilungen schaffen», sagt Lara Meier, die seit mehreren Jahren als Leiterin in der Pfadi Trotz Allem (PTA) tätig ist und schon in vielen Lagern dabei war.
Die PTA bietet Kindern und Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung die Möglichkeit Pfadiluft zu schnuppern und den Samstagnachmittag in einer Gruppe von Gleichaltrigen zu verbringen. Auf sie wartet nun ein abwechslungsreiches dreitägiges Lager.
Lagerprogramm wird eine Überraschung
Am kommenden Wochenende, 20. – 22. Oktober, wird die Gruppe ihren gewohnten Aufenthaltsort Winterthur verlassen und zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr die Schweiz erkunden. Was genau auf die zehn Teilnehmenden wartet, soll aber eine Überraschung bleiben. «Für mich ist es immer extrem spannend zu beobachten, wie sich die Kinder in einem ungewohnten Umfeld verhalten. Die Gruppendynamik verändert sich auf solchen Ausflügen immer wieder», erzählt Lara Meier (20).
Keine Sonderbehandlung
Jeden Samstagnachmittag trifft sich die Pfadi Trotz Allem, um zusammen ein spannendes Programm zu erleben. In den Ferien oder über Pfingsten finden zusätzliche Lager und Weekends ausserhalb von Winterthur statt. Mitmachen kann jeder, egal ob im Rollstuhl oder mit Trisomie 21. Die Teilnehmenden sind zwischen 8 und 25 Jahre alt und werden je nach Bedürfnis stärker oder weniger stark betreut. Momentan besteht eine Warteliste für neue Teilnehmende.
In der Pfadi Trotz Allem wird die Beeinträchtigung in den Hintergrund gerückt. Die Teilnehmenden sollen sich stattdessen austoben können, die Natur entdecken und Abwechslung zum Alltag erhalten. Man möchte auf eine Sonderbehandlung verzichten und sie so gut wie möglich in das Pfadileben integrieren. «Im Alltag erhalten sie eine spezielle Betreuung und sind in ihrem geschützten Umfeld. Bei uns soll genau das nicht geschehen», so die 20-jährige Studentin.
Grosse Unterschiede zu den anderen Pfadiabteilungen gebe es denn auch nicht, einzig brauche es eine grössere Anzahl an Leitpersonen , da eine stärkere Betreuung notwendig ist. Eine spezielle Ausbildung ist für die Gruppenleiter aber nicht erforderlich. Zurzeit ist die PTA Winterthur auf der Suche nach neuen Leiterinnen und Leitern.
Strahlende Gesichter als Motivation
«Für mich ist die Pfadi Trotz Allem dazu da, um zu zeigen, dass auch Menschen mit einer Beeinträchtigung einen Teil unserer Gesellschaft sind», meint die Winterthurerin. Noch immer werde sie mit grossen Augen angeschaut, wenn sie mit den Kindern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Bewunderung für das Engagement erhalte sie oft, doch für sie sollte Integration der Menschen mit Beeinträchtigung eine Normalität sein.
Insbesondere die Eltern würden das Einbinden ihrer Kinder in die Pfadi sehr schätzen. «Wir bekommen oft positive Rückmeldungen, am meisten aber motiviert mich die Freude der Kinder», erzählt die Leiterin.
Badeausflug schweisst Gruppe zusammen
Als besonders schönes Erlebnis nennt Lara Meier den Badeausflug im Rahmen des Regionallagers in Sursee. Der Gruppenzusammenhalt stärke sich durch solche Unternehmungen und jeder Einzelne entwickle sich weiter. «Es sind aber auch die kleinen Details, die mich freuen. So kümmert sich ein Jugendlicher immer rührend um die anderen der Gruppe und tröstet sie», berichtet die Winterthurerin.
Tim und Struppi zu Besuch
Zur Vorbereitung gehört auch das Kreieren eines Leitthemas, das die Gruppe durch das ganze Lager hindurch begleitet. Dieses Herbstweekend wird Tim und sein Hund Struppi die Gruppe besuchen und anschliessend auch eine Reportage über die Reise verfassen. Dieser Bericht wird auch den Stadi-Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten werden.
Annalena Schmid

