Politik

«Sie sind ein Stückchen Elend, ganz ehrlich»

Nora Illi stellte sich im österreichischen Fernsehen einer Debatte über Burkaverbote. Die in Uster aufgewachsene Frau von Qaasim Illi, der als Sprachrohr des umstrittenen Islamischen Zentralrates fungiert, stand mit ihrer Meinung allein da und wurde zum Teil heftig attackiert.

«Sie sind ein Stückchen Elend, ganz ehrlich»

«Ich muss mich nicht auf dieses sprachliche Niveau herunterlassen», sagte Nora Illi im Verlauf der Sendung «Pro & Contra», welche der österreichische Privatsender Puls 4 am späten Montagabend ausstrahlte.

Zuvor war die Diskussion, die sich um das im deutschsprachigen Raum schwelende Thema eines Burkaverbots drehte, hitzig geworden. Efgani Dönmez, der einst im österreichischen Bundesrat sass, griff die in Uster aufgewachsene Islam-Konvertitin persönlich an. «Sie sind ein Stückchen Elend, ganz ehrlich. Sie wurden gehirngewaschen», verpasste der Politiker der voll verschleierten Illi, die das Frauendepartement des Islamischen Zentralrats Schweiz leitet, einen verbalen Zweihänder.

Illi wünsche sich einen Islam der Steinzeit zurück und provoziere gezielt. Dabei sei sie nur eine Marionette von salafistischen und wahhabitischen Gruppierungen. «Ich lasse mir meine Religion von Leuten wie Ihnen nicht in den Dreck ziehen.»

Nora Illi in der Sendung «Pro & Contra» auf Puls 4. (Quelle: Youtube/IZRS)

Geschmackloser Witz

Neben Dönmez nahmen auch die weiteren Gäste eine kritische Haltung zur von Illi als Instrument der Freiheit propagierten Burka ein. Die Schweizer Autorin Zoe Jenny strich heraus, dass es für eine offene Kommunikation unabdingbar sei, dass man sein Gesicht zeige. Berivan Aslan, die bei den österreichischen Grünen die Frauen als Sprecherin vertritt, macht sich gegen ein Burkaverbot stark. Allerdings nicht aus den gleichen Gründen wie Illi. «Ich bin für eine offene Gesellschaft, und diese offene Gesellschaft muss man anders fördern. Und ich glaube nicht, dass ein Verbot – rein strategisch betrachtet – uns zum Ziel hinführen wird», sagte sie.

Illi hatte sich bereits zu Beginn der Diskussion bei ihren Mitstreitern mit einem geschmacklosen Witz unbeliebt gemacht. «Wir sehen es ja in Frankreich und Belgien, dort herrscht gerade eine Bombenstimmung…», meinte sie in Anspielung auf die vom IS verübten Terroranschläge. Auch mit der Aussage, dass ihre Kinder bereits mit Kopftuch unterwegs seien, erntete sie vor allem Skepsis und Unverständnis.

«Vielleicht sollten sie mal ein bisschen lüften, dass ein bisschen Sauerstoff dazukommt», ereiferte sich Dönmez, als die Rede wieder auf Illis Gesichtsschleier kam, worauf Moderatorin Corinna Milborn ihn ermahnte, sich im Ton zu mässigen.

Qaasim Illi, das umstrittene Aushängeschild des Islamischen Zentralrates, reagierte nach der Sendung auf Facebook erbost. Er bezeichnete Dönmez als «frechen, unerzogenen Typ. Eine Schande, dass man ihm das Mikrofon nicht gleich ganz abgedreht hat.» (zür)

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