Ein Stück Costa Rica am Rande Dübendorfs
Eigentlich sollte der seltene Laubfrosch im neuen Vernetzungskorridor im Naturschutzgebiet Gfenn fast schon paradiesische Zustände vorfinden. 120 Meter lang und vier Meter breit ist der Streifen, den die Stadt Dübendorf in Auftrag gegeben und den Thomas Winter von der Stiftung Wirtschaft und Ökologie als Projektleiter umgesetzt hat. Der Graben ist so ausgestaltet, dass innerhalb seiner Grenzen und in seiner unmittelbaren Umgebung eine vielfältige Flora und Fauna gedeihen kann. Über 100 Tierarten könnten sich dereinst hier tummeln, unter ihnen der besagte knallgrüne Laubfrosch, der seine Erspäher an einen Costa-Rica-Urlaub erinnere, so Winter.
Von nationaler Bedeutung
Doch der Laubfrosch hat es auch im neuen Dübendorfer Naturschutz-Streifen nicht einfach. Nicht wegen des über ihm kreisenden Storches, dieser hat sich hier auf die Mäusejagd spezialisiert und ist für den Frosch ohnehin zu langsam. Nein, Hauptproblem ist gemäss Winter vielmehr der artverwandte Seefrosch. Dieser wird regelmässig aus dem osteuropäischen Raum hierher importiert – von Gastrobetrieben, die ihn als Delikatesse nach Frankreich transportieren wollen. Das gelingt nicht immer. Regelmässig büxen einzelne Seefrosch-Exemplare auf dem Weg aus, vermehren sich und fressen die einheimischen Froscharten, erklärt Winter.
Nicht alle dürften sich indes an einer Dezimierung der Laubfrosch-Population stören. Aufgrund seines lauten Gequakes habe dieser nämlich das Potenzial, Nachbarschaftsstreitigkeiten zu provozieren. Und ohnehin wurde der Vernetzungskorridor nicht nur wegen des Laubfrosches ins Leben gerufen. «Es geht darum, die einzelnen Erholungs- und Grünräume in der Stadt zusammenzuführen», erklärt der Dübendorfer Stadtrat Dominic Müller (CVP), Hochbauvorstand und Vorsitzender der Natur- und Landschaftsschutzkommission. Das sei nicht nur im Zusammenhang mit dem Vernetzungskorridor zwischen Chlostergraben und Heidenrietweg so, sondern geschehe in Dübendorf auch andernorts.
Der neu angelegte Korridor im Gfenn ist am einen Ende mit dem Klostergraben verbunden. Dieser wiederum führt unter den nahe gelegenen Bahngleisen zu einem Naturschutzgebiet. Dieses ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung und im entsprechenden Bundesinventar eingetragen. Auf der anderen Seite des Grabens
Richtung Weiler Gfenn bis zur Lazariterkirche befindet sich ein kommunales Naturschutzgebiet.
Die Glühwürmchen-Legende
Das Land, auf welchem sich der neue Graben befindet, gehört der Stadt. Nach einem Pächterwechsel griff sie die Gelegenheit beim Schopf und liess den rund 40’000 Franken teuren Korridor anlegen. Für die Öffentlichkeit zugänglich ist er allerdings nur bedingt. Passanten können sich eingangs des Grabens auf einer Tafel über die ansässigen Arten informieren, durchlaufen sollen sie den Streifen wenn möglich nicht.
Explizit für die Öffentlichkeit geschaffen wurde demgegenüber die Sitznische am zum Heidenrietweg gelegenen Ende des Korridors. Von dieser aus hat man bei guten Sichtverhältnissen Ausblick auf die Alpen. Damit der Vorplatz nicht als Parkplatz missbraucht wird, ist er zur Heidenrietstrasse hin mit Steinen gesichert. Die hölzernen Sitzbänke hat der Verschönerungsverein Dübendorf (VVD) gesponsert.
Bei der Errichtung des Grabens hatte zudem auch ein Glühwürmchen-Projekt die Finger im Spiel. Mit dessen Zutun wurden die Bedingungen im Korridor so geschaffen, dass sich bei günstigen Umständen auch Glühwürmchen ansiedeln können. Diese fühlten sich laut Winter einst wohl in Dübendorf und Umgebung: «Es gibt eine Legende, wonach die Bahnstrecke Dübendorf-Hinwil früher nicht habe beleuchtet werden müssen, weil sich rund um die Geleise so viele Glühwürmchen tummelten», sagt er.

