Politik

Bistro-Projekt am Seequai spaltet das Dorf

Am Montag entscheidet die Pfäffiker Gemeindeversammlung, wie das Bistro-Projekt am Seequai realisiert werden soll. Welches die richtige Lösung ist – dazu gehen die Meinungen weit auseinander.

Bistro-Projekt am Seequai spaltet das Dorf

Wäre Facebook ein verlässlicher Gradmesser, könnte sich die Gemeinde Pfäffikon entspannt zurücklehnen. Seit Wochen füttern  Melanie Hofmann und Janine Brawand ihre Facebook-Seite «Pro Bistro am See» mit Argumenten, warum die Bistro-Pläne der Gemeinde die richtigen seien – und bekamen dafür bis Redaktionsschluss knapp 200 «Likes». Die FDP hingegen erreichte mit ihrer Seite «Bistro am Seequai Pfäffikon – Einzelinitiative gegen Gemeinderat-Projekt» knapp 60 «Likes».

Am Montag kommen die Vorschläge vor die Gemeindeversammlung. Die Frage, wie das Bistro-Projekt am Seequai realisiert werden soll, teilt die Gemeinde in zwei Lager. Die Gemeinde will für 1,42 Millionen ein Bistro bauen lassen und einen Pächter dafür suchen; Hofmann und Brawand machen sich für diese Variante stark und wollen das Bistro pachten. Die FDP-Mitglieder Viktor Knecht, Daniel Haldimann und Michael Kull fordern mit einer Initiative, dass die Gemeinde das Grundstück im Baurecht abgeben sollen.

Gemeinde profitiert

Das Hauptargument der Initianten: Ein Bistro zu bauen, sei nicht Aufgabe der Gemeinde – erst recht nicht zu einem Zeitpunkt, wo es um die Finanzen Pfäffikons nicht gut stehe. Die Partei sieht einen Bistro-Bau als finanzielles Risiko für die Gemeinde.

FDP-Vizepräsident Viktor Knecht stört sich daran, dass das Bistro zulasten des Steuerzahlers gehe, weil die Jahresrechnung mit internen Zinskosten und allfälligen Unterhaltsarbeiten am Gebäude belastet werden. «Baut ein privater Investor das Bistro, gibt es keine Folgekosten für die Gemeinde, und sie kann erst noch von den Baurechtszinsen profitieren», sagt er. «Wir haben bewusst wenig Vorgaben im Initiativtext gelassen, damit eine Abgabe im Baurecht attraktiv für die Gemeinde ist.»

Kritik am errechneten Umsatz

Der Gemeinderat hat mit dem Zuger Gastro-Berater  Thomas Kobsa, Inhaber der Global Hospitality Solutions, einen Businessplan ausgearbeitet.  Kobsa hat neben Grossbanken und den Betreibern des Restaurants Clouds im Zürcher Prime Tower auch die Gemeinden Uster oder Zumikon auf der Kundenliste. Zum Businessplan gibt Berater Kobsa keine Auskunft, sondern verweist auf dem Gemeinderat.  FDP-Vize Knecht kritisiert, dass dieser nicht im Detail einsehbar ist. «Die Aktenauflage ist unvollständig», findet er.

Der errechnete Bistro-Jahresumsatz von maximal 400 000 Franken wird von verschiedenen Seiten kritisiert. Monika Kläui Schneider, die mit ihrem Mann Roland das Schneiders Quer leitet, glaubt nicht, dass ein Bistro so rentabel betrieben werden könnte (wir berichteten).

Keine Mitbestimmung mehr

«Wir haben das bestehende Angebot in Pfäffikon angeschaut um abzuklären, wie der jährliche Umsatz aussehen könnte»,  sagt Liegenschaftenvorsteherin Erika Walt (parteilos). Ausserdem habe die zuständige Arbeitsgruppe Betriebe beispielsweise in Auslikon, Uster oder Maur besichtigt, die nach einem ähnlichen Konzept wie das geplante Bistro funktionierten, und sich nach den Umsätzen erkundigt. «Deshalb halten wir unsere Einschätzungen zum Umsatz für realistisch.»

Walt ist mit FDP-Vize Knecht einig, dass es um Pfäffikons Finanzen nicht zum Besten steht. «Für mich überwiegen die Vorteile unseres Projekts aber bei weitem.» Werde ein Baurechtsvertrag aufgesetzt, verliere die Gemeinde ihren Einfluss. «Wir können beispielsweise nicht mitbestimmen, in welchem Zeitraum das Bistro gebaut werden muss oder wie das Angebot aussieht.»

Walt verweist darauf, dass ein Baurechtsvertrag vor die Gemeindeversammlung kommt. «Macht dies Gemeindeversammlung Vorgaben, wird das Projekt unattraktiv für einen Investor.»  Am Ende habe Pfäffikon womöglich gar kein Bistro. «Und das ist wohl in niemandes Sinne.»

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