Politik

«Wir müssen Prioritäten setzen»

Die Gemeinde Bauma besitzt dutzend von Liegenschaften. Deren Unterhalt kostet viel Geld. Um besser beurteilen zu können, welche Investitionen am nötigsten sind, hat der Gemeinderat ein neues Konzept ausarbeiten lassen.

«Wir müssen Prioritäten setzen»

Rund 106 Millionen Franken: So hoch ist der Gesamtversicherungswert aller Liegenschaften, die sich im Besitz der Gemeinde Bauma befinden. Dabei handelt es sich um ganz unterschiedlich genutzte Objekte: Etwa Schulhäuser, Wohngebäude, die Alterssiedlung, der Werkhof und das Gemeindehaus. 
Bei einem so vielfältigen Immobilien-Portfolio die Übersicht zu behalten, ist anspruchsvoll. Darum hat der Gemeinderat Anfang 2017 bei der Firma WIF Partner AG in Zürich ein Liegenschaftenkonzept in Auftrag gebeben. Nun liegen die Ergebnisse der Untersuchung vor. 

Übersicht bei Investitionen

«Es ist das erste Mal, dass die Liegenschaften der Gemeinde Bauma nach einheitlichen Kriterien untersucht und bewertet wurden», sagt Liegenschaftenvorstand Paul von Euw (SVP). Ganz flächendeckend ist die Untersuchung jedoch nicht. «Diverse Kleinstgebäude haben wir nicht mit einbezogen. Wir konzentrierten uns nur auf die grösseren Objekte.» Rund 38 Gebäude, mit einem Gesamtversicherungswert von 87,4 Millionen Franken wurden detailliert auf ihren Zustand hin untersucht. «Aufgrund der neuen Erkenntnisse wird nun in einem zweiten Schritt eine Liegenschaftenstrategie ausgearbeitet, die es uns in den nächsten 15 Jahren erlauben wird, besser zu priorisieren, welche Unterhaltsarbeiten bei welchem Gebäude in welchem Jahr nötig werden.» 

«Es ist das erste Mal, dass die Liegenschaften der Gemeinde Bauma nach einheitlichen Kriterien untersucht und bewertet wurden.»

Liegenschaftenvorstand, Paul von Euw (SVP)

Bei jeder Liegenschaft wurde der Zustand der einzelnen Bauteile nach einem Punktesystem bewertet: von 0 (gut) bis 5 (alarmierend). Die untersuchten Liegenschaften weisen einen durchschnittlichen Zustandswert von 2.17 Punkten auf. Das sei ein leicht unterdurchschnittlicher Wert, sagt von Euw. «Grund dafür sind die teilweise sehr alten Gebäude im Eigentum der Gemeinde, bei denen in der Vergangenheit wenig Sanierungsmassnahmen durchgeführt wurden.» Würde man alle Gebäude umfassend instand setzen wollen, wären gemäss Liegenschaftenkonzept in den nächsten 15 Jahren Investitionen von rund 52 Millionen Franken nötig. «Das können wir uns natürlich nicht alles leisten. Darum müssen wir die Prioritäten richtig setzen.»

Hilfe bei Entscheidungen

Ein konkretes Beispiel dafür seien etwa die Schulliegenschaften, sagt von Euw. Aktuell gibt es in Bauma fünf Schulhäuser. Deren künftige Nutzung hänge hauptsächlich mit den Schülerzahlen zusammen, beziehungsweise deren Entwicklung in den jeweiligen Ortsteilen. Derzeit habe es in Bauma noch genug Schulraum. «Es gab Zeiten, in denen wir bis zu 200 Schüler mehr hatten, als heute.» Schaue man die Baulandreserven an, werde der erwartete Bevölkerungszuwachs vor allem in Saland stattfinden. «Darum rechnen wir in nächster Zeit im Schulhaus Haselhalden mit einem deutlichen Anstieg der Schülerzahlen.» 

«Es gab Zeiten, in denen wir bis zu 200 Schüler mehr hatten, als heute.»

Liegenschaftenvorstand, Paul von Euw (SVP)

Ein anderes Beispiel ist der in die Jahre gekommene Werkhof. Die Feuerwehr klagt schon länger über Platzmangel. Zudem gibt es im Depot keine nach Geschlechtern getrennten Garderoben. «Die neue Liegenschaftenstrategie wird helfen zu beurteilen, was das beste Vorgehen ist: Ein Neubau – möglicherweise an einem anderen Standort – oder punktuelle Umbauten und Sanierungen am bestehenden Ort», sagt von Euw. 

 

Bis das Thema Werkhof angegangen wird, wird es aber noch ein paar Jahre dauern. «Derzeit haben wir mit den Sanierungen beim Gemeindehaus, beim Alters- und Pflegeheim Böndler und beim Hallenbad noch drei grosse Projekte, die uns beschäftigen. Deren Finanzierung muss zuerst sichergestellt sein.» 

Möglicher Verkauf der «Tanne»

Die Liegenschaftenstrategie soll es zudem einfacher machen, zu beurteilen, ob ein Gebäude auch in Zukunft sinnvoll genutzt werden kann oder ob ein Verkauf die bessere Option wäre. Eine Idee, die etwa beim Gasthaus zur Tanne, das der Gemeinde gehört, immer wieder diskutiert wird. Erst kürzlich hat die IG Pro Bauma das Thema mit einer Umfrage auf ihrer Website erneut aufgegriffen. «Ob ein Verkauf der Tanne in Betracht gezogen wird, ist letztlich ein politischer Entscheid», sagt von Euw. «Die neue Liegenschaftenstrategie hilft aber zu beurteilen, ob es für die Tanne von Gemeindeseite her einen Nutzen gibt und ob es Sinn macht, in den nächsten Jahren Geld in Unterhaltsmassnahmen zu investieren.»

«Ob ein Verkauf der Tanne in Betracht gezogen wird, ist letztlich ein politischer Entscheid.»

Liegenschaftenvorstand, Paul von Euw (SVP)

Infoanlass Anfang 2019

Der Gemeinderat hat kürzlich die Abrechnung des Kredits für die Erstellung des Liegenschaftenkonzepts von rund 56’000 Franken genehmigt und einen neuen Kredit von 40’000 Franken für die Erarbeitung der Liegenschaftenstrategie bewilligt. Der Auftrag dafür wurde ebenfalls an die WIF Partner AG vergeben. «Der Gemeinderat hat bereits eine erste Strategiesitzung mit der Projektleitung abgehalten. In den nächsten Wochen und Monaten werden nun Gespräche mit den Nutzern der verschiedenen Gemeindeliegenschaften geführt, um deren Bedürfnisse abzuklären», sagt von Euw. Geht alles wie geplant, sollte die ausformulierte Strategie bis Ende Jahr vorliegen. «Dann werden wir die Resultate der Bevölkerung präsentieren. Ich gehe davon aus, dass Anfang 2019 eine Informationsveranstaltung stattfinden kann.» 

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