Ueli Steffen: Der abenteuerliche Grossvater
Er ist ein Grenzgänger. Ueli Steffen hält sich seit seiner Jugend viel in der Natur auf und kommt dort nicht nur an seine eigenen Grenzen. Mit wildem Campieren bewegt er sich auch oft im Graubereich des Legalen. «Auf Kanufahrten konnten wir nicht immer den Bauern fragen, ob wir auf seinem Land nahe beim Wasser biwakieren dürfen», sagt der Wetziker. «Es war mir einfach immer wichtig, dass der Platz am Schluss so aussieht, wie wenn wir nicht da gewesen wären.» Rücksicht auf die Natur zu nehmen, ist ihm wichtig. Aber dass alles stark reglementiert sein muss, gefällt ihm nicht. Steffens Leidenschaft für die Natur und vor allem für viele Aktivitäten im Wald, in den Bergen und im Wasser entgeht beim Zuhören niemandem. «Angefangen hat alles, als ich mit 14 Jahren an Jugend+Sport-Kletterlagern teilnahm», sagt er. «Mich faszinierten der Sport in den Bergen und das Risiko, das immer dazugehört. Ich suchte das Abenteuer bei jeder Gelegenheit.»
So blieb es nicht nur beim Klettern in den Bergen. Wenn er aufzählt, welche Sportarten er in all den Jahren ausübte, kommen einige zusammen: Wandern, Trekking, Kanufahren, Velotouren, Bachwanderungen, Flussschwimmen und Schneeschuhlaufen. «Nur mit dem Skifahren konnte ich mich nie so richtig anfreunden.»
Seine Outdoor-Aktivitäten wechselte er aber nicht alle fünf Jahre. Es zieht sich durch sein ganzes Leben: Dinge, die er beginnt, zieht er auch durch und bleibt den Sachen meist über Jahrzehnte treu. «Einzig das Klettern musste ich aufgeben.» Seine Frau habe Angst, dass ihm etwas passieren könnte.
Kontinuität ist auch ein Kennzeichen seines beruflichen Werdegangs. Steffen arbeitet im Architekturbüro Meierpartner in Wetzikon bereits seit über 35 Jahren. Vorher hat er die Lehre als Hochbauzeichner beim Vater seines heutigen Geschäftsführers gemacht.
Als 20-Jähriger fing Steffen an, ausgefallene und wilde Aktionen zu machen. «Als es während einer Wanderung zu regnen anfing, bekam ich ein Problem.» Die Regenkleidung, die er anhatte, sah er eigentlich als Zelt für die Übernachtung vor. Er entschied sich dann, bei einem Bauern zu übernachten. Dieser bot ihm sogar sein eigenes Bett an und bereitete ihm am nächsten Morgen ein Frühstück zu. «Früher war das verrückt, und niemand in meinem Umfeld fand solche draufgängerischen Aktionen cool.»
Sein Flair für Outdoor-Aktivitäten bringt Steffen, der Mitglied der Freien Christengemeinde in Wetzikon ist, zudem seit fast 30 Jahren in die christliche Pfadfinderarbeit Royal Rangers ein. Kanuausflüge, Übernachten ohne Zelt, Seilbahnen über einen Bach, Abseilen, aber auch Mehrtageswanderungen gehören da zum Programm. Der christliche Glaube soll dabei praktisch im Miteinander weitervermittelt werden. Die Royal-Rangers-Arbeit wird von Youthnet, dem Kinder- und Jugendarbeitsverband der Schweizerischen Pfingstmission, unterstützt. In Missouri in den USA wurde die Arbeit 1962 gegründet und zählt heute in der deutschsprachigen Schweiz 1700 Mitglieder.
«Erst vor zehn Jahren habe ich meinen ersten Jugend+Sport-Kurs absolviert.» So habe er sich ein Fachwissen und auch pädagogische Fähigkeiten angeeignet, um der Gesellschaft wie auch den Eltern gegenüber ein Qualitätslabel vorweisen zu können. «Outdoor-Aktivitäten sollen den Kindern Spass machen und actionreich sein, gleichzeitig muss aber auch die Sicherheit stimmen», betont er.
Steffen ist mittlerweile Jugend+Sport-Experte und damit befugt, Jugendliche im Bereich Lagersport und Trekking zu Leitern auszubilden. Um mit den Kindern offiziell Kanu- und Flossfahrten, Bachwanderungen sowie Flussschwimmen machen zu können, hat er das Sicherheitsmodul Wasser und auch die Ausbildung zum Lebensretter bei der SLRG absolviert.
Es ist ihm ein Anliegen, dass er den Spass in der Natur und an den Aktivitäten rundherum ohne Druck weitervermitteln kann. «Das möchte ich nicht nur erzählen, sondern auch vormachen.» Steffen verbringt gerne mit Kindern und Jugendlichen Zeit. «Das mache ich lieber, als mit alten Männern auf einer Bank zu sitzen und zu jammern», sagt der zehnfache Grossvater schmunzelnd.
Langweilig wird es dem Outdoor-Typ gewiss nicht. Denn neben der Arbeit, bei der er die meiste Zeit auf seinem Bürostuhl sitzt, hat er Hobbys aus den unterschiedlichsten Gebieten Töff fahren, Modelldampflokomotiven bauen, basteln, Musik machen und fotografieren. Seine Freizeitaktivitäten kombiniert er auch oft. «Mit vielen kleinen Karabinern befestigte ich die Kamera beim Klettern an meinem Gstältli.» So dokumentierte Steffen seine Aktivitäten und konnte seiner Familie später mit Diashows zeigen, was er tat. Und dann wäre da auch noch die Musik: Wie viele Kinder hat auch Steffen seine Musikkarriere mit dem Spielen der Flöte begonnen. «In der Rekrutenschule war ich Militärtrompeter.» Danach brachte er sich das Bassgitarrespielen bei. «Ausserdem besitze ich 20 verschiedene Mundharmonikas. Diese brauche ich vor allem in den Royal-Ranger-Camps am Abend beim Singen ums Lagerfeuer.»
Mittlerweile ist Ueli Steffen 61 Jahre alt aber noch lange nicht zu alt für weitere etwas ausgefallene Aktionen. So möchte er einmal mitten in einem Wetziker Kreisel übernachten. In einer Hängematte, die er zwischen den Bäumen aufhängen würde.

