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Besorgte Hinwilerin warnt auf Facebook vor Spanner

Valeria Primoceris Facebook-Post sorgt in der Gruppe «Du bisch vo Hinwil, wenn …» für grosse Aufregung. Die junge Frau schreibt von einem Spanner, den sie im Wohnquartier an der Walderstrasse schon mehrfach gesichtet hat.

Im Wohnquartier an der Walderstrasse in Hinwil ist ein verdächtiger Mann unterwegs.

Seraina Boner

Besorgte Hinwilerin warnt auf Facebook vor Spanner

Valeria Primoceri schläft diese Tage nicht gut. Von Unruhe getrieben liegt sie nachts oft wach, immer wieder sucht ihr besorgter Blick die dunklen Fenster ab. Ist da etwa das Licht einer Taschenlampe? «Angefangen hat es vor etwa drei Wochen», erzählt die Hinwilerin. Damals sei sie um Mitternacht von ihrer Spätschicht nach Hause gekommen und habe Mutter und Schwester in aufgewühlter Stimmung angetroffen. Diese hätten ihr von verdächtigen Geräuschen bei der Gartentür berichtet.

«Ich ging raus um nachzuschauen, und sah, wie ein Mann davonrannte», erinnert sie sich. Ein paar Stunden später, als sie es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hatte, erspähte sie durchs Terrassenfenster ein verdächtiges Licht. «Es war von einer Taschenlampe. Erst dachte ich, es könnte ein Einbrecher sein. Aber der Lichtkegel wanderte nicht umher, sondern war auf einen spezifischen Punkt im Wohnzimmer gerichtet.»

«Er war ganz in Schwarz gekleidet und hatte die Kapuze über den Kopf gezogen.»

Valeria Primoceri, Hinwil

Erneut sei sie rausgegangen und habe wieder einen Mann wegrennen sehen. «Er war etwa 1.80 Meter gross, schmal gewachsen und körperlich gut in Form», beschreibt sie den Unbekannten. «Er war ganz in Schwarz gekleidet und hatte die Kapuze über den Kopf gezogen.»

Seit dieser Nacht hat Valeria Primoceri den unbekannten Mann fast jeden Abend in der Nähe von ihrer Wohnung gesichtet. Auch ein paar anderen Frauen im Quartier sei er aufgefallen. «Als meine Nachbarin eines Abends mit dem Hund draussen war, hat sie ihn vor unserer Terrasse stehen sehen», sagt Promoceri. «Als sie ihn ansprach, ist er verschwunden.»

«Ich fühlte mich im Stich gelassen»

Aus Sorge um ihren 17-monatigen Sohn bat die junge Frau schliesslich ihren Stiefvater um Hilfe. Er sei beim Hinwiler Polizeiposten vorbeigegangen, berichtet sie. « Als er dort niemanden antraf, hat er die 117 angerufen und entsprechend Meldung gemacht.» Eine Rückmeldung hätten sie aber nie erhalten. «Ich fühlte mich im Stich gelassen.»

Valeria Primoceri entschied sich, nicht weiter tatenlos zu bleiben. Sie postete in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Hinwil, wenn …» einen Beitrag, um die Bevölkerung auf den «Spanner» aufmerksam zu machen. Sie rief dazu auf, die Augen offen zu halten und Verdächtiges der Polizei zu melden. Innert Kürze wurde der Beitrag mehrfach kommentiert und geteilt.

Die Kantonspolizei Zürich bekam erst gestern Abend Kenntnis von dem Fall an der Walderstrasse, wie Mediensprecherin Carmen Surber bestätigt. Durch den Facebook-Post und ein späteres Telefonat mit der Meldeerstatterin habe man im Polizeiposten Hinwil erfahren, dass sich offenbar ein unbekannter, verdächtiger Mann im Quartier herumtreiben soll.

«Wir nehmen solche Meldungen grundsätzlich ernst und gehen den Hinweisen nach», sagt Surber. Es sei aber wichtig, dass die Vorfälle sofort gemeldet würden und nicht erst Stunden oder gar Tage später.

«Die Leute sollen sich nicht genieren, die 117 anzurufen und Verdächtiges zu melden.»

Carmen Surber, Mediensprecherin Kantonspolizei Zürich

Sie warnt davor, zu Mitteln wie Facebook-Posts zu greifen. «Es ist viel besser, direkt die Notrufnummer 117 zu wählen», so Surber. Wenn die Patrouillen zur gemeldeten Adresse ausrücken, bestehe «eine reelle Chance», eine verdächtige Person anzutreffen und sie zu kontrollieren. Sei diese bei Ankunft der Polizei schon wieder verschwunden, könnten wenigstens wichtige Indizien gesammelt werden, um sie später ausfindig zu machen.

«Wir rücken lieber einmal zu viel aus»

Ausserdem betont die Mediensprecherin, dass es für die Betroffenen keinerlei Konsequenzen habe, falls die Polizei die verdächtige Person nicht mehr vor Ort antrifft. «Wir rücken lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig aus», sagt sie. «Die Leute sollen sich nicht genieren, die 117 anzurufen und Verdächtiges zu melden.»

Auch auf den Vorwurf von Valeria Primoceri, von der Polizei im Stich gelassen worden zu sein, geht Carmen Surber ein. «Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, kann man Beschwerde gegen die Polizei einreichen», erklärt sie.

Ob aufgegriffen von der Polizei oder aufgescheucht durch ihre Facebook-Aktion – Valeria Primoceri hofft, dass der unbekannte Verdächtige bald aus ihrem Leben verschwindet und Normalität einkehrt. Des Nachts beruhigt schlafen zu können, meint sie, «das wäre endlich mal wieder gut.»

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