«Besondere Atmosphäre» für 2130 Franken pro Monat
Die Schloss Schule ist, wie es der Name verrät, im geschichtsträchtigen Schloss Uster angesiedelt. Erhaben gelegen, bietet es den Schülern Sicht auf die Glarner Alpen auf der einen, und auf die Stadt Uster auf der anderen Seite. Ein Ort wie geschaffen für eine Elite-Privatschule. Ein Blick auf die Schulgelder erhärtet diesen Verdacht: Ein Monat Primarschule kostet stolze 2130 Franken.
Dieses Jahr feiert die Schule ihr 25-jähriges Bestehen. Was unterscheidet sie von einer öffentlichen Schule? Inwiefern will sie besser sein als die Volksschule? Und: Wer kann es sich leisten, sein Kind dorthin zu schicken? Züriost ist diesen und anderen Fragen nachgegangen.
Bereits der Internetauftritt der Privatschule wirkt weniger elitär als erwartet. Statt von einer Kaderschmiede ist die Rede von einer « familiären » und einer « entspannten » Umgebung. Und es scheint nicht oberstes Ziel zu sein, dass die Schüler der Primar- und Sekundarschul-Klassen den Übertritt in ein Gymnasium schaffen. Zwar habe man immer wieder Jugendliche, die mit Erfolg eine Aufnahmeprüfung ans Gymnasium oder an die Berufs- oder Fachmittelschule schaffen, sagt Schulleiter Kaspar Probst. « Der Grossteil der Eltern schickt die Kinder in die Schloss Schule, weil sie eine individuelle Betreuung, klare Strukturen und eine rasche Kommunikation schätzen » , meint Probst.
Eltern schränken sich ein
Probst hat die Privatschule zusammen mit Thomas Engel vor 25 Jahren gegründet. Zu dieser Zeit veränderten sich die gesellschaftlichen Strukturen rasch. Und es war eine Zeit, in der die Nachfrage nach dem damals noch jungen Modell Tagesschule stieg. « Wir wollten den Forderungen nach Tagesschule, Mittagstisch und individueller Betreuung Rechnung tragen » sagt Probst. Heute seien es in erster Linie die kleinen Klassen, klare Strukturen und die familiäre Atmosphäre, weshalb Eltern ihre Kinder in die Schloss Schule schickten.
Doch das alles hat wie eingangs erwähnt seinen Preis. Wer kann es sich leisten, sein Kind für den Preis einer durchschnittlichen 4-Zimmer-Wohnung in Uster, in eine Privatschule zu schicken? Zum einen sind es sicherlich gutverdienende Eltern, die dank dem Tagesschulmodell beide vollzeitig berufstätig sein können. Doch es gebe auch Eltern, welche den Beitrag nicht einfach so aufbringen könnten, sagt Probst. « Diese erhalten Unterstützung aus dem Familienkreis oder schränken sich im Alltag ein. »
« Ob 24 Schüler oder eine kleine Gruppe von zehn Jugendlichen unterrichtet werden, ist ein sehr grosser Unterschied. »
Kapar Probst, Schulleiter
Da stellt sich die Frage nach dem Mehrwert, welche die Schloss Schule im Vergleich zur Volksschule bietet, wenn Eltern bereit sind, dafür auf andere Dinge zu verzichten. Dazu sagt Probst: « Ob 24 Schüler oder eine kleine Gruppe von zehn Jugendlichen unterrichtet werden, ist ein sehr grosser Unterschied. » Die Lehrpersonen hätten so mehr Zeit für die einzelnen Kinder und könnten gezielter auf Stärken und Schwächen eingehen. Zudem fände der Unterricht im Gegensatz zur Volksschule in einer ruhigeren und strukturierteren Atmosphäre statt, meint Probst. Dies weil in regulären Schulen möglichst alle Kinder und Jugendliche integriert werden müssten und oftmals auch mehrere Lehrpersonen im Zimmer seien.
Exklusive Lokalität durch Zufall
Dass die Private Schule in einer « besonderen Atmosphäre » , wie sie auf der Website wirbt, unterrichten kann, ist mehr Zufall denn Strategie. « Kurz bevor wir damals den Vertrag für eine andere Lokalität unterzeichnen wollten, erschien in der Zeitung ein Inserat, dass das Schloss zu mieten sei » , erzählt Probst. Nach einer Besichtigung habe man sich für den exklusiven Standort entschieden. Dies auch, weil das Schloss bereits seit 1918 immer eine Schule beherbergte und daher bereits entsprechend eingerichtet ist.
Eigentlich wollte Schulleiter Kaspar Probst das 25-jährige Bestehen der Schloss Schule gebührend feiern. Wegen der Coronakrise mussten die Schüler und die Lehrerschaft nun darauf verzichten. Dennoch organisierte das Team der Schule einen speziellen Anlass für die Schüler. Die Jugendlichen kämpften in klassendurchmischten Gruppen an verschiedenen Posten entlang es Greifensees um Punkte. Für einmal ging es nicht um mathematische Formeln oder englische Grammatik, sondern um Geschicklichkeit, Ausdauer und Teamwork.