Belimo in Hinwil präsentiert Rekordergebnis und verspricht «ein Feuerwerk»
Ungebremstes Wachstum
Mehr Umsatz, mehr Gewinn, höhere Dividende: Der Hinwiler Industriekonzern Belimo überrascht einmal mehr Anleger und Analysten.
Der Rahmen der Konferenz für Finanzanalysten und Medienschaffende passte schon mal: Im edlen Ambiente des Zürcher Luxushotels Widder präsentierte Belimo-CEO Lars van der Haegen ein 5-Sterne-Ergebnis: Die nackten Umsatzzahlen des Jahrs 2024 hatte Belimo schon vor einem Monat bekannt gegeben. Der Hinwiler Hersteller von Antrieben, Ventilen und Sensoren für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik war im vergangenen Jahr um 13,1 Prozent in Lokalwährungen und um 9,9 Prozent in Schweizer Franken gewachsen und hatte einen Rekordumsatz von 943,9 Millionen Franken erzielt.
Nun folgte das detaillierte Jahresergebnis, das belegt, dass Belimo nicht nur gewachsen ist, sondern auch viel Geld verdient hat. Unter dem Strich resultierte 2024 ein Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 181,1 Millionen. Damit befindet sich die Ebit-Marge (19,2 Prozent) in der oberen Hälfte des definierten Zielbands von 18 bis 20 Prozent. Der Reingewinn stieg um 7,2 Prozent auf 146,7 Millionen Franken.

Es seien «grossartige Zahlen», sagte van der Haegen, und zeige, dass die Langfriststrategie des Unternehmens funktioniere. In der Tat scheinen auch schwierige Rahmenbedingungen dem Hinwiler Konzern nichts anhaben zu können.
In Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt in Europa, verläuft die Neubautätigkeit derzeit sehr schleppend. Hier setzt Belimo mit Erfolg auf Renovationen und Nachrüstungen von bestehenden Systemen.
Und in den USA zeigt sich CEO Lars van der Haegen einigermassen unbeeindruckt von den Drohungen von Präsident Donald Trump, die Einfuhrzölle zu erhöhen: «Belimo beschäftigt in den USA 650 Mitarbeitende und produziert vor Ort für den lokalen Markt.» Natürlich würden Komponenten in die USA eingeführt, so van der Haegen: «Aber wenn Donald Trump reziproke Zölle einführen will, dann müsste er die Zölle für Schweizer Produkte sogar senken …»
50 neue Stellen in Hinwil
Die Erhöhung des Jahresgewinns hat erfreuliche Folgen für die Investoren: Die Dividende soll um 1 Franken auf 9,50 Franken pro Aktie erhöht werden. Wachstum gab es nicht nur auf dem Papier und in der Buchhaltung. Auch der Personalbestand wuchs 2024 um rund 100 Vollzeitstellen auf 2361 Mitarbeitende.
Rund die Hälfte der neuen Stellen wurde am Standort Hinwil geschaffen. Und das Wachstum am Hauptsitz wird weitergehen. Derzeit baut Belimo an der Wässeristrasse für 80 Millionen Franken ein neues Produktions- und Logistikgebäude. Es soll im Sommer 2026 in Betrieb genommen werden.

Trotz der guten Nachrichten büsste die Aktie im Lauf des Tages mehr als 7 Prozent an Wert ein. Der Grund dürften Gewinnmitnahmen sein, ist doch der Kurs seit Juli 2024 um satte 50 Prozent gestiegen.
Energieeffizienz, Urbanisierung, Digitalisierung
Strategisch spielen dem Industrieunternehmen drei Megatrends in die Karten: Energieeffizienz, Urbanisierung und Digitalisierung. Zu dieser Digitalisierung gehören Rechenzentren und die zunehmende Verbreitung von künstlicher Intelligenz (KI). Um an diesem Wachstum zu partizipieren, hat Belimo das Thema Rechenzentren als neue strategische Initiative aufgenommen.
In diesem Segment ist man bereits heute sehr erfolgreich in den USA unterwegs. In der Marktregion Nord- und Südamerika wuchs Belimo in Lokalwährungen um satte 19,8 Prozent. Hier habe man «den Ruf als Partner für anspruchsvolle High-End-Anwendungen» gefestigt, schreibt Belimo in einer Medieninformation. Und das nicht nur im traditionellen Geschäft mit Neu- und Umbauten von Immobilien, sondern auch bei führenden Chip-Designern. Dort sind die innovativen Kühlungslösungen von Belimo sehr gefragt.
Ein Freizeitpark voller Belimo-Technik
Mittlerweile ist Nord- und Südamerika mit einem Anteil von 46 Prozent die umsatzstärkste Marktregion von Belimo. Als Beispiel für die starke Stellung in den USA sei der Themenpark Universal Epic Universe genannt, der im Mai in Orlando (Florida) eröffnet wird: Die insgesamt 75 Gebäude (oder «Attractions») im riesigen Park sind allesamt mit Technik aus Hinwil ausgerüstet.
Im eigentlichen «Heimmarkt» Europa, Nahost und Afrika erzielte Belimo ein solides Umsatzwachstum von 5,9 Prozent in lokalen Währungen. Das Wachstum wurde vom allgemein gedämpften Marktumfeld beeinflusst, insbesondere im gewerblichen Neubau und in Deutschland. Die vom Umsatz betrachtet kleinste Marktregion Asien-Pazifik wuchs um 14,6 Prozent.
«Ein Feuerwerk an neuen Produkten»
2024 habe man verschiedene Produkte erfolgreich am Markt lanciert, schreibt Belimo und nennt eine Drosselklappe für Hochleistungsanwendungen und eine App, die den Belimo-Kunden das Leben erleichtern soll. Vor allem aber befänden sich viele neue Projekte in der Pipeline. An der Medienkonferenz versprach Lars van der Haegen ein «Feuerwerk an neuen Produkten» fürs laufende Jahr.
Entsprechend zuversichtlich blickt man in Hinwil aufs noch junge Geschäftsjahr. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit einer anhaltenden Nachfrage nach seinen Geräten sowohl im Neubau als auch bei der Renovation bestehender Bauten. Belimo erwartet, dass sich die Nachfrage im Markt für Rechenzentren weiter beschleunigen wird. Das Umsatzwachstum werde voraussichtlich leicht über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Damit dürfte Belimo im laufenden Jahr die Umsatzmilliarde knacken. Die Ebit-Marge soll innerhalb der kommunizierten Bandbreite von 18 bis 20 Prozent bleiben.