Bei diesem Taxi-Unternehmen in Wald muss man das Glück im Gepäck haben
Drei Freiwillige aus Wald fahren mit ihrem «Glückstaxi» durch die Gemeinde und schenken Fahrten im Austausch gegen Geschichten. Wer von seinem schönsten Glücksmoment erzählt, wird gratis nach Hause gebracht – und liefert zugleich Ideen für ein noch lebenswerteres Wald.
Auch in Wald ist der Herbst nun endgültig angekommen. Vermummt in dicken Jacken stehen die Passanten am Bahnhof. Genau diese sind das Zielpublikum von Martin Widmer, Elisabeth Gubelmann und Michael Felder – denn das Trio bietet gratis Taxifahrten nach Hause an.
Der Clou: Um nach Hause gefahren zu werden, muss man von seinem glücklichsten Moment im Leben erzählen.
Hinter dieser Aktion steckt jedoch auch Kalkül, denn das Trio vom Verein Wandelbar Wald ist daran interessiert, wie das Leben in der Gemeinde besser gestaltet werden kann. So lautet die zweite Frage auch: Was braucht es, damit dein Leben in Wald noch glücklicher wird?
«Wir wollen die Leute zusammenbringen, um über diese Frage zu diskutieren», erklärt Martin Widmer.
Zu Beginn geht es ruhig zu und her
Um 19 Uhr stehen erste Passanten am zweckentfremdeten Einkaufswagen, der als kleiner Tisch dient. Heimgefahren werden wollen sie jedoch nicht. «Ich muss noch auf meine Schritte kommen», erklärt sich eine Frau.
Auch andere Passanten sind zu Beginn noch nicht freudig, das Angebot anzunehmen. Viele der Bewohner hasten eilig vorbei, um ihren Bus zu erwischen. Andere hören das Angebot nicht, da sie mit Kopfhörern Musik hören.
So geht es beinahe eine halbe Stunde, bis sich eine erste Kundin findet. «Entschuldigung, was machen Sie hier?», fragt sie. Kurze Zeit später stimmt sie zu, sich nach Laupen fahren zu lassen.
«Ui, da muss ich gad gschnell nahdenken»
Mirya Schwertfeger ist auf dem Weg zu ihren Eltern. «Ich gehe Raclette essen», erzählt sie. Zuvor stellt sie sich jedoch den Fragen von Widmer, Gubelmann und Felder.
«Wir fahren Sie gratis nach Hause, aber zuerst müssen Sie erzählen, was Ihr glücklichster Moment im Leben ist», erklärt Michael Felder die Aktion. «Ui, da muss ich gad gschnell nahdenke», siniert Schwertfeger.

Kurze Zeit später ist ihr jedoch etwas eingefallen. So kann die Fahrt losgehen. Hinter dem Steuer sitzt die 80-jährige Elisabeth Gubelmann. Auf der Rückbank führt Michael Felder das Interview – Martin Widmer ist beim Stand zurückgeblieben.
«In Wald macht mich das heimelige Gefühl glücklich»
Felder führt das Interview mit einer tiefen, ruhigen Stimme. «Vielen Dank, dass Sie mitfahren – was macht dich im Leben am glücklichsten», eröffnet er das Gespräch.
«Da gibt es viele Aspekte», berichtet Schwertfeger, «aber am glücklichsten macht mich das heimelige Gefühl in Wald.» In der Gemeinde herrsche ein «Heimatgefühl», führt die 28-Jährige weiter aus.
So freue es sie immer wieder, wenn sie an der Bahnhofstrasse Menschen sieht, die sie von früher kennt.
Was braucht es, damit das Leben noch glücklicher wird?
Die Fahrt vom Walder Bahnhof nach Laupen ist kurz. «Fahr langsam, Elisabeth, sonst haben wir zu wenig Zeit», witzelt Felder. Um noch mehr Zeit zu bekommen, wartet das Taxi vor dem Haus von Schwertfegers Eltern, während diese sich den Fragen stellt.
«Was braucht es, damit dein Leben in Wald noch glücklicher wird?», eröffnet Felder den zweiten Teil des Gesprächs. «Ich glaube, es wäre gut, würde es noch mehr Verbindung zwischen den einzelnen Gruppen geben», beantwortet Schwertfeger die Frage.

Anschliessend diskutieren die drei, wie dies aussehen könnte. «An der Chilbi geht das immer gut, vielleicht etwas in diese Richtung», lautet ein Vorschlag. Auf eine definitive Lösung kommt das Trio jedoch nicht – muss sie auch nicht, denn wichtig ist für die Gruppe vor allem der politische Diskurs.
Alle Ideen werden der Gemeinde präsentiert
Kurz darauf verlässt Schwertfeger das Taxi, um bei ihren Eltern Raclette zu essen. «Eine sehr sympathische Frau», bemerkt Felder während der Rückfahrt. Mit jüngeren Menschen haben sie bislang weniger Kontakt gehabt. Auch deshalb hat ihm das Gespräch mit Schwertfeger gefallen.
Schliesslich werden alle Resultate der Gemeinde präsentiert, um darauf hinzuweisen, wo man noch verbessern könnte. Ob die Gemeinde eine Lösung findet, wie man die verschiedenen Gruppen verbinden könnte, bleibt abzuwarten.
Doch sicherlich wird das Team um Michael Felder, Elisabeth Gubelmann und Martin Widmer noch viele weitere Ideen sammeln, um das Leben in Wald noch glücklicher zu gestalten.