Bei 500 Franken fällt erstmals der Hammer: Fahrzeuge in Pfäffikon zwangsversteigert
Versteigerung lockt Schnäppchenjäger an
Zwei Autos und ein Anhänger suchten in Pfäffikon neue Besitzer. Die überschaubare Zahl an Interessenten liess bei den Käufern die Hoffnung auf ein Schnäppchen wachsen.
Die zwei schwarzen Personenwagen, ein Škoda und ein Hyundai, glänzen in der Frühlingssonne. Auch der kleine Anhänger, der daneben steht, macht auf den ersten Blick einen makellosen Eindruck. Alle drei stehen an diesem Dienstagnachmittag verwaist auf dem Parkplatz des Betreibungsamts Pfäffikon – und warten auf neue Besitzer.
Unter den Hammer gebracht werden sie von der Pfändungsbeamtin Savina Armuzzi. «Es handelt sich um eine zwangsrechtliche Versteigerung», erklärt sie. Das heisst, dass die Fahrzeuge vom Betreibungsamt eingezogen wurden, um damit einen Teil der Schulden ihrer Eigentümer zu begleichen.
Hoffnung auf ein Schnäppchen
Es dauert nicht lange, da bekommen die Pfändungsbeamtin und die Fahrzeuge Gesellschaft. Eine junge Frau, die von ihrem Vater begleitet wird, interessiert sich vor allem für den Anhänger. Da in ihrem Pferdestall kein Miststock vorhanden sei, müsse sie den Pferdemist jeweils zu einem benachbarten Hof bringen. «Der Anhänger wäre ideal, um den Mist schneller und einfacher zu entsorgen», erklärt sie. Sie habe aber auch ein Auge auf eines der Autos geworfen, fügt sie an.


Eine halbe Stunde vor Beginn der Auktion können die Fahrzeuge von Interessenten besichtigt werden. Auf eine Probefahrt jedoch müssen die potenziellen Käufer verzichten, die Autos sind nicht eingelöst.
Dafür sind die neuen Besitzer zuständig. Das hat allerdings sehr zügig zu erfolgen, denn die Fahrzeuge müssen noch am selben Nachmittag abgeholt werden. Da Garantie und Umtauschrecht vonseiten des Betreibungsamts ausgeschlossen sind, tragen die Käufer auch die Kosten für etwaige Reparaturen selbst.
Deshalb ist es durchaus verständlich, dass es der eine oder andere sehr genau nimmt bei der Besichtigung. Die Motorhaube des Škoda ist geöffnet, ein junger Mann steht über den Motor gebeugt und inspiziert diesen gründlich.
Der Wagen ist erst zweijährig und mit einem Zählerstand von 3500 Kilometern noch relativ unverbraucht. Der Hyundai hingegen wurde vor acht Jahren in Verkehr gesetzt und hat schon einige Kilometer mehr auf dem Tacho: knapp 190’000. Und der «Sachentransportanhänger», wie die offizielle Bezeichnung lautet, ist seit vier Jahren auf Achse. Er hat kein Stützrad, gilt gemäss Betreibungsamt aber noch als fahrtauglich.
Es dauert noch etwa zehn Minuten bis zum Start der Gant – da nähert sich ein weiterer Interessent. Der Rentner erklärt, dass auch er sich für den Anhänger interessiere. Er komme aber auch aus Neugier, gibt er ganz offen zu.
Und noch ein Mann gesellt sich zum Grüppchen dazu. Der Aufdruck auf seiner Jacke verrät, dass er eine Autogarage führt. Er interessiere sich für beide Autos, erklärt er. «Ich steigere als Privatperson mit, denn ich suche unter anderem nach einem Auto für meine Frau.»
Um Punkt 14 Uhr erklärt Pfändungsbeamtin Savina Armuzzi die Steigerungsbedingungen. Inzwischen sind auch zwei Polizisten vor Ort sowie weitere Mitarbeitende vom Betreibungsamt. Eine Sicherheitsvorkehrung, da die Fahrzeuge direkt vor Ort in bar bezahlt werden müssen.
«Sofort nach dem Zuschlag muss das Geld vorgelegt werden, sonst gilt der Zuschlag als nichtig», erklärt Armuzzi. Bei einem der Interessenten kommt Hektik auf, da ihm dieser Umstand vorher anscheinend nicht bewusst war. Nach einigen Telefonaten hat er die Sache offenbar geregelt.
Für den Anhänger wird ein erstes Gebot von 5 Franken abgegeben. Die junge Frau und der Rentner liefern sich ein erstes Duell – schliesslich bekommt der Rentner den Zuschlag. Er hat den Anhänger für 500 Franken ergattert und strahlt übers ganze Gesicht.

Dann entbrennt ein heftiger Kampf um den Škoda. Das Startgebot liegt bei 1000 Franken, der Preis wird schnell in die Höhe getrieben. Bei 16’000 Franken winkt die junge Frau ab – der junge Mann hat das Rennen gemacht. Er bietet dann auch kurz beim Hyundai mit – dieses Rennen macht jedoch der Herr mit der Autogarage. Auf die Frage, ob sich seine Gattin über den Hyundai freuen wird, winkt er mit einem Augenzwinkern ab. «Den darf ich ihr nicht mitbringen, sie würde ihn mir um die Ohren schlagen – sie hätte wohl lieber den neueren Škoda gehabt.»
Nach knapp 20 Minuten ist die ganze Aufregung vorbei. Die Gruppe strömt auseinander: Die junge Frau, die leer ausgegangen ist, verlässt den Platz mit ihrem Vater. Die Käufer marschieren mit den Gemeindemitarbeitenden ins Büro, um die Formalitäten zu erledigen – begleitet von den Polizisten. Eine solche Versteigerung sei auch für die Mitarbeitenden des Betreibungsamts etwas Aussergewöhnliches, sagt Savina Armuzzi abschliessend: «Das erleben wir nicht alle Tage.»