Baumschützer wollen Fällungen bei Kindergärten verhindern
Erweiterung der Wetziker Kindergärten
Weil es eng ist in den Kindergärten, will die Stadt Wetzikon mit Ersatzneubauten mehr Platz schaffen. Diesem Vorhaben stehen elf grosse Bäume im Weg – nun gerät das Projekt selbst ins Wanken.
Die Bäume verdunsten über die Blätter eine erhebliche Menge Wasser. Durch dieses Verdunsten wird die Umgebung abgekühlt. Das sorge für ein positives Umgebungsklima, sagt Uwe Scheibler vom Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben.
Doch weil es durch den geplanten Ausbau der städtischen Kindergärten elf stolzen Bäumen an die Krone gehen könnte, ist das Klima in Wetzikon nun gelinde gesagt erhitzt. «Das Tragische ist, dass die Fällung in den meisten Fällen unnötig ist», wettert Scheibler. Dazu komme, dass sieben weitere Bäume durch die Folgen der Bauarbeiten existenziell gefährdet seien.
Kinder brauchen Platz
Dem gegenüber steht ein grosses Bedürfnis seitens der Schule, die Räumlichkeiten in den Gebäuden zu vergrössern.
Die Ersatzneubauten der Kindergärten Goldbühl, Kempten, Baumgarten und Egg sollen mit den fehlenden Nebenräumen wie beispielsweise grösseren Garderoben oder Gruppenräumen ergänzt werden. «Die neuen Gebäude sind so ausgelegt, dass man sie später problemlos um einen zusätzlichen Stock erweitern kann, sollte dies aufgrund steigender Schülerinnen- und Schülerzahlen nötig werden», betont die zuständige Stadträtin Sandra Elliscasis (FDP).

Bereits im Projekt berücksichtigt sei ein zusätzliches Stockwerk in den Kindergärten Kempten und Baumgarten. «Der kompakte, quadratische Grundriss der Kindergärten fügt sich gut in die teilweise begrenzten Grundstückgrössen ein und ermöglicht den Kindergärtlerinnen und Kindergärtlern weiterhin viel Platz, um an der frischen Luft zu spielen.»
Module verschieben statt Bäume fällen
Der Naturschutzverein habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn gebaut werde, sagt Scheibler. «Uns geht es nicht darum, die Erweiterung der Kindergärten zu verhindern. Wir wollen nur, dass möglichst viele Bäume erhalten bleiben.»
Statt die Bäume zu fällen, sei es besser, die Baumodule so anzupassen, dass sie um die Bäume herum passten, findet Scheibler. «Es handelt sich um vorgefertigte Holzmodule, die zusammengesetzt werden, man könnte die Position der Gebäude verschieben.»

Dass diese Variante ins Geld gehen könnte, streitet der Naturschützer nicht ab, doch die Investition würde sich lohnen. «Seit 20 Jahren haben wir städtische Verluste, was die Bäume angeht. Jeder Baum wird darum umso wichtiger.»
Petition gegen Baumfällung
Zum Schutz der Bäume hat der Naturschutzverein Wetzikon-Seegräben eine Petition gestartet. Darin fordern die Petenten den Erhalt der grossen Bäume auf den Kindergartengrundstücken Kempten, Goldbühl und Baumgarten.

Innerhalb von 24 Stunden sei die Petition schon über 500-mal unterzeichnet worden. Damit haben die Naturschützer ihr Ziel, bis zum 2. Oktober 500 Unterschriften zu sammeln, innert kürzester Zeit erreicht.
Unerwartete Verbündete
Im Mai verabschiedete der Wetziker Stadtrat den Antrag und die Weisung für den Baukredit der Ersatzneubauten zuhanden des Parlaments. Der Baukredit wird am Montag im Parlament beraten.
Doch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) des Parlaments lässt bereits durchblicken, dass sie den Baukredit von 17,3 Millionen Franken als zu hoch einschätzt. Sie will, dass der Baukredit zurückgewiesen wird und der Stadtrat die Kosten des Projekts senkt, und zwar auf rund 12,5 Millionen Franken.
Darum wittern die Naturschützer die Chance, dass der Kreditantrag zurückgewiesen wird. Ob die Module dann allerdings nach einer Überarbeitung zugunsten der Bäume verschoben werden können, ist fraglich. Zumal dieses Unterfangen eher zu Mehrkosten führen würde, wenn es überhaupt umsetzbar ist.
Der Stadtrat wird sich jedenfalls auf einen Angriff von zwei Seiten vorbereiten müssen. Er wird sich dem Vorwurf der zu hohen Kosten sowie der Kritik der Naturschützer stellen müssen.
Planung entspricht energiepolitischen Zielen
Stadträtin Sandra Elliscasis räumt ein, dass auf allen Geländen der Kindergärten Bäume des städtischen Natur- und Landschaftsinventars stehen. Die Stadt sei – wie private Eigentümerschaften auch – verpflichtet, auf die Bäume Rücksicht zu nehmen und diese wo möglich zu erhalten. «Ist dies aufgrund einer Interessenabwägung nicht möglich, werden sie ersetzt.»
Wie die Bauprojekte die Bäume konkret tangierten, werde zurzeit durch ein Fachbüro untersucht. «Auch dies entspricht dem gewohnten Prozess in Bauvorhaben», erklärt Elliscasis. «Die gesamtheitliche Planung der vorliegenden Bauprojekte entspricht den energiepolitischen Zielen der Stadt Wetzikon.»