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Politik

Baumer wollen keine Pommes mehr im «Halli»

Über 10 Millionen Franken soll die Sanierung vom Baumer Hallenbad kosten. Die Stimmberechtigten haben an der Gemeindeversammlung die Projektideen befürwortet – und sogar Pommes von der Bistro-Karte gestrichen.

Die Ideen für das neue Bistro sorgten für heftige Diskussionen., Das Foyer soll künftig offen und hell gestaltet sein., Der rote Pfeil zeigt den neuen Zugang zum Bad.

Plan: PD

Baumer wollen keine Pommes mehr im «Halli»

Die Baumerinnen und Baumer stehen hinter ihrem Hallenbad. Das hatte sich bereits 2017 gezeigt, als sich bei einer Grundsatzabstimmung an der Urne 85 Prozent der Stimmberechtigten für dessen Erhalt und eine umfassende Sanierung ausgesprochen hatten. Und es ist an der Gemeindeversammlung vom Montagabend noch einmal deutlich geworden.

Der Gemeinderat liess den Baukredit für das «Halli», wie das Hallenbad in Bauma allseits genannt wird, zuhanden der Urnenabstimmung vom März 2021 vorberaten. Konkret sollten die 85 anwesenden Stimmberechtigten ein Ja zum Objektkredit von 10,85 Millionen Franken empfehlen.

Attraktiv für Familien

Zuständig für das Projekt ist Gemeinderätin Heidi Weiss (EVP). Die Ressortvorsteherin Hochbau und Liegenschaften erklärte im Detail, welche baulichen Massnahmen und Veränderungen angedacht sind. So wird der Besuchereingang auf die andere Gebäudeseite verlegt, grössere Garderobenräume sind geplant und es soll ein grosszügiges und helles Foyer geben.

«Wir wollen ein attraktives Bad für Kinder und Familien sein.»

Heidi Weiss (EVP), Ressortvorsteherin Hochbau und Liegenschaften

Anpassungen sind auch für das Becken vorgesehen. Das bisherige Multifunktionsbecken entspricht nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards. Künftig muss der Nichtschwimmerbereich vom Schwimmer- und Sprungbereich abgetrennt sein. Eine weitere Neuerung ist mit einem Planschbecken für Kleinkinder vorgesehen. «Wir wollen ein attraktives Bad für Kinder und Familien sein», sagte Weiss.

Keine Pommes mehr

Ausserdem bekommt das bisherige Bistro einen neuen Standort direkt neben dem geplanten Eingang mit weiterhin 36 Sitzplätzen. Jedoch ist eine grosse Veränderung angedacht. Diese betrifft das kulinarische Angebot. Die Projektverantwortlichen wollen künftig auf eine voll funktionsfähige Küche verzichten. Damit verschwinden Schnitzel und Pommes frites von der Karte. Es bleiben Snacks wie Hotdog und Sandwiches.

Als Gründe für diesen Entscheid nannte Heidi Weiss die zu teuren brandschutztechnischen Massnahmen, welche für die Küche erforderlich gewesen wären. Zudem sei das Bistro zunehmend defizitär. Das neue Konzept habe den Vorteil, dass Synergien genutzt werden könnten. «In tief frequentierten Zeiten kann eine Person gleichzeitig die Kasse und das Bistro bedienen.»

Doch genau diese Pläne sorgten bei den Stimmberechtigten für heftige Diskussionen. Während die einen Votanten die Wichtigkeit der Pommes frites hervorhoben und sich für den Fortbestand der Küche einsetzten, betonten andere wie Kantonsrat Paul von Euw (SVP) das defizitäre Gastro-Geschäft.

«Die präsentierte Variante ist für uns keine Option. Die billige Alternative wäre einfach ein Selecta-Automat.»

Werner Berger, Präsident IG Pro Bauma

Werner Berger, Präsident der Interessengemeinschaft (IG) Pro Bauma, sagte schliesslich: «Die präsentierte Variante ist für uns keine Option. Die billige Alternative wäre einfach ein Selecta-Automat.» Im Namen der IG stellte er einen Änderungsantrag: Es soll einen zusätzlicher Objektkredit von 300’000 Franken für eine vollwertige Küche mit Fritteuse beschlossen werden, der als separate Abstimmungsfrage an die Urne kommt.

Die Stimmberechtigten lehnten den Antrag mit 58 Nein- zu 16 Ja-Stimmen ab und verabschiedeten sich so ganz von den Hallenbad-Pommes. Sie befürworteten aber einen weiteren Änderungsantrag von der IG Pro Bauma zum geplanten Tarzan-Parcours. Diese Klettermöglichkeit zum Hangeln soll so umgesetzt werden, dass sie Schwimmer und Badende nicht zu stark einschränkt und dem Parcours ähnelt, der bis 2016 in Betrieb war.

Zufrieden mit Ergebnis

Klare Zustimmung erhielt auch der Antrag des Gemeinderats für einen zusätzlichen Objektkredit von 130‘000 Franken für den Einbau einer Kletterwand. Somit erhöht sich der Gesamtkredit für die Urnenabstimmung von 10,85 auf 10,98 Millionen Franken. Das neue Gesamtpaket über die beiden Kredite und den Änderungsantrag nahm die Gemeindeversammlung deutlich mit 72 Ja- zu 4 Nein-Stimmen an. Die Stimmberechtigten empfehlen somit ein klares Ja für die Urnenabstimmung.

«Ich bin wieder ein bizeli mehr stolz, Baumer zu sein.»

Andreas Sudler (parteilos), Gemeindepräsident Bauma

Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos) war sichtlich erfreut über dieses Ergebnis. «Ich bin froh, dass es so herausgekommen ist. Ich bin wieder ein bizeli mehr stolz, Baumer zu sein», sagte er. Es sei nicht selbstverständlich, dass eine Gemeinde wie Bauma ein solches Projekt zugunsten von Kindern und Familien stemmen wolle.

Grünes Licht für Budget

Vor dem Hallenbad-Traktandum hatten die Stimmbürger noch über das Budget 2021 der Gemeinde zu befinden. Dieses stellte Finanzvorsteher Flavio Carraro (parteilos) vor. Er betonte dabei den Einfluss der Corona-Pandemie. Diese werde wahrscheinlich einen geringen Rückgang der Steuererträge mit sich bringen. Ausserdem sei die wirtschaftliche Lage sehr unsicher (siehe Box).

Trotzdem rechnet das Budget 2021 bei einem Gesamtaufwand von 40,41 Millionen Franken und einem Ertrag von 40,45 Millionen mit einem Plus von 34‘723 Franken. Auch möchte der Gemeinderat den Steuerfuss für das kommende Jahr auf den bisherigen 120 Prozent belassen.

Bei der Abstimmung zeigten die Stimmberechtigten, dass sie hinter dem Finanzhaushalt stehen. Sie genehmigten Budget und Steuerfuss ohne Gegenstimme.
 

Unsichere Finanzlage

Im Vorfeld zur Gemeindeversammlung informierte Finanzvorsteher Flavio Carraro über die Aufgaben- und Finanzplanung 2021 bis 2025. Bezüglich des finanziellen Gesamtbilds sprach er von einer «neuen Situation aufgrund von Corona». Diese mache eine neue Finanzplanung notwendig. Ab 2022/23 steigen zwar die Kantonsbeiträge, jedoch rechnet der Gemeinderat damit, dass die Ertragslage flach bleiben wird. «Es ist sehr schwer für uns zu beurteilen, wie die Erträge in Zukunft aussehen werden», so Carraro.

Grund sind nebst der unsicheren wirtschaftlichen Lage die leicht rückläufigen Einwohnerzahlen. Das wiederum hat Folgen für die Entwicklung bei den Steuern und dem Finanzausgleich. «2025 werden wir etwa gleich viele Steuereinnahmen haben wie jetzt», erklärte der Finanzvorsteher. Gemäss der neuen Berechnung werde die Gemeinde ausserdem weniger Geld aus dem Finanzausgleich erhalten. Bis 2025 werden es wohl 12 Millionen Franken und nicht wie ursprünglich angenommen 14 Millionen sein.

Hingegen steigt der Gesamtaufwand der Gemeinde stetig, was mit den vielen getätigten oder noch geplanten Investitionen zusammenhängt. Diese sorgen für mehr Abschreibungen. Wie Carraro weiter erklärte, wird alleine das sanierte Hallenbad ab 2024 jährlich 210‘000 Franken Abschreibungen mit sich bringen. Um diesen zu decken, sei eine Erhöhung des Steuerfusses um ein Prozent denkbar. Das müsse man aber laufend neu beurteilen, betonte er. «Für nächstes Jahr werden wir den Steuerfuss belassen.» (agy)

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