Barbara Dillier will Stadtpräsidentin von Rapperswil-Jona werden
Fischenthaler Gemeindepräsidentin
Schon bevor es offiziell war, munkelte man über ihre Kandidatur. Barbara Dillier, Fischenthals Gemeindepräsidentin, will Stadtpräsidentin von Rapperswil-Jona werden.
Den Ratssaal im Rapperswiler Rathaus hat Barbara Dillier (parteilos) nicht zufällig ausgewählt. Hier verkündet die 51-Jährige am Montagmorgen ihre Kandidatur fürs Stadtpräsidium von Rapperswil‑Jona. Denn hier ziert das Familienwappen der Dilliers eine der Fensterscheiben. «Mein Mann, Marcel Dillier, ist ein Ur-Rapperswil‑Joner», erklärt Dillier.
Dadurch pflegt die Politikerin, die seit 2018 Gemeindepräsidentin von Fischenthal ist, mit der «grossartigen Stadt» eine enge und lange Beziehung, wie sie sagt. «Interessiert verfolge ich das Geschehen seit Jahren. Familien und Freunde leben hier.» Sie selber besitzt zwar das Bürgerrecht, lebte aber nie in der Rosenstadt. Das sei kein Nachteil: «Ich bin nicht verbandelt und kann von aussen eine frische Perspektive einbringen.»
Was Dillier ändern will …
Vom schönen Seeblick in der Giessi über das gemütliche Aufeinandertreffen am Joner Frühlingsfest – Dillier schwärmt richtiggehend über Rapperswil-Jona. Doch was muss sich ihrer Meinung nach unter ihrer Führung verbessern?
Dillier gibt zu, dass sie sich zuerst noch in die Dossiers im Stadthaus einarbeiten müsse. Es bestünden aber beispielsweise breite Gestaltungsmöglichkeiten in einer umsichtigen Raumplanung.
Beim Verkehr sieht sie trotz dem laufenden Tunnelprojekt Zuwarten als keine Option. «Es braucht Raum für den Bus- und Langsamverkehr.» Mit mutigem Denken müsse ein Verkehrsregime realisiert werden, welches trotz begrenzten Platzverhältnissen der Stadt Raum verschaffe.
Etwas genauer wird sie bezüglich Kommunikation: «Die Gefahr ist da, dass der Stadtrat an einem Ort und die Bevölkerung an einem anderen Ort steht.» Wie in Fischenthal könne sie sich die Einführung einer Bürgersprechstunde vorstellen. Auch «Sounding Boards» seien zu erwägen, um den Puls der Bevölkerung zu spüren.
Aus einer SVP-Hochburg
«Als Parteilose übernehme ich im politischen Prozess oft eine Vermittlerrolle.» Es sei stets ihr Ziel, einen möglichst breiten Konsens zu finden. Das klingt alles schön und gut. Doch wie ordnet sich die Parteilose politisch ein? Schliesslich kommt sie aus der SVP-Hochburg Fischenthal, wo die Rechtspartei 60 Prozent Wähleranteile hat.

«Wenn ich in einer SVP-Hochburg eine SVP-Frau wäre, wäre ich SVP-Mitglied», antwortet sie auf die Frage. Sachpolitik, liberale Grundsätze, ihre Erfahrungen im Bildungsbereich sowie das KMU-Elternhaus prägten ihr politisches Gedankengut.
Frau von Bruno Hugs Gnaden?
Nicht alle in der Stadt sehen sie aber als komplett unabhängig. Von der Frau von Verleger Bruno Hugs Gnaden ist die Rede. Der lauteste Kritiker des amtierenden Stadtpräsidenten Martin Stöckling (FDP) war es, der ihr eine Kandidatur schmackhaft machte. «Bruno Hug kontaktierte mich – zusammen mit anderen möglichen Kandidierenden – vor zwei Jahren», sagt Dillier.
Er sei damit offene Türen bei ihr eingerannt. «Der Plan, nach Rapperswil-Jona zu ziehen, ist bei unserer Familie schon lange präsent», sagt die Mutter dreier Kinder. Ihr rund 50-Prozent-Pensum in Fischenthal und ihre Anstellung als Schulleiterin in Bauma würde sie dafür aufgeben.
Möglicherweise versuchen gemäss Dillier einige Kreise eine nähere Verbindung von ihr zu Bruno Hug in ihre Kandidatur zu interpretieren. «Aber ich stehe hier als unabhängige Person – ohne Bruno Hug an der Seite.»
Der Zufall will es aber, dass Hugs Portal «Linth24» auffallend positiv über ihre Kandidatur berichtet. Zwei Angestellte Hugs wohnen der Medienkonferenz bei. Sie schreiben danach vier eigene Sätze.
In denen ist von einem «sympathischen und glaubwürdigen Auftritt» sowie einem «stilsicheren Vortrag» die Rede. Der Rest des Beitrags ist die unbearbeitete Publikation der Medienmitteilung Dilliers.
Ihre Medienarbeit übernimmt übrigens ein Mann, der bei Hug als Freischaffender im IT-Bereich tätig ist. «Schon bei meiner Kandidatur in Fischenthal zählte ich auf seine Dienste.» Sie würden sich unabhängig von Hug kennen, versichert Dillier.