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Politik

Bald keine Speere mehr über Fussballer-Köpfen?

Rund drei Millionen Franken sollen in Uster in neue Fussballplätze investiert werden. Für das Projekt hatten die Fussballer einst im grossen Stil mobilisiert – mittlerweile scheint das Interesse an der Vorlage deutlich abgeflacht zu sein.

Falls sich die Ustermer für neue Fussballplätze aussprechen, würde auch der Hauptrasen auf dem Buchholzareal entlastet., Die Stadt Uster will künftig den ganzen Betrieb auf dem Buchholzareal konzentrieren., Mit Fussball auf der Heusser-Staub-Wiese soll es demgegenüber vorbei sein.

PD

Bald keine Speere mehr über Fussballer-Köpfen?

Uster ist keine Fussballstadt. Zu diesem Schluss musste nicht nur kommen, wer sich in den letzten Jahren die Spiele der ersten Mannschaft des FC Uster anschaute. Sondern auch, wer sich am Dienstagabend in den Gemeinderatssaal begab. Gerade mal eine Handvoll Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, um sich über die Abstimmungsvorlage vom 9. Februar zu informieren. In deren Zentrum steht die Frage, ob die Stadt Uster auf dem Buchholzareal 2,72 Millionen Franken in die Fussballinfrastruktur investieren soll.

«D ie Vereine müssen Wartelisten führen und die Infrastruktur reicht nicht aus. »

Karin Fehr, Ustermer Stadträtin (Grüne)

Konkret geht es um den Bau je eines neuen Kunst- und Naturrasenfeldes sowie den Ersatz des bestehenden Kunstrasenteppichs. Letzterer wurde 2009 in Betrieb genommen und ist in Fussballerkreisen seit geraumer Zeit gefürchtet: Die Rede war von Löchern, herumliegenden Rasenbüscheln und einer massiv erhöhten Verletzungsgefahr. Bei einem Ja zur Vorlage soll der Problem-Kunstrasen schon im Juni ersetzt werden.

Neue Tore und Pflanzen

Auch mit dem Bau der zwei neuen Felder würde schon im Sommer begonnen werden. Sie soll es vor allem aufgrund der knappen Platzverhältnisse für die Ustermer Fussballer geben. Denn auch wenn es an der Informationsveranstaltung nicht den Anschein machte: Der Fussball ist auch in Uster die gefragteste Sportart. «Es gibt hier rund 1000 aktive Fussballerinnen und Fussballer, die Vereine müssen Wartelisten führen und die Infrastruktur reicht nicht aus», sagte Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne) einleitend.

Nach ihr stellte der verantwortliche Architekt Jo Ottiger das Bauprojekt vor. Das Publikum erfuhr, dass es neben den neuen Plätzen und dem neuen Kunstrasen auch neue Fussballtore geben wird. Und dass die Umgebung bepflanzt wird und der Biodiversität Rechnung getragen werde. Keine Rede war derweil von einem neuen Clubhaus. Aktuell befindet sich das Vereinslokal des FC Uster auf der Heusser-Staub-Wiese, wo der Fussballbetrieb der Stadt zufolge aufgehoben werden soll (siehe Box).

Athleten öfter unter sich

Total kostet das Projekt auf dem Buchholzareal 3,17 Millionen Franken. Da der Kanton 450‘000 Franken beisteuert, reduziert sich der Betrag, den die Stadt Uster sprechen muss.

« Mit den neuen Fussballplätzen können die Leichtathleten das Stadion öfter für sich haben. »

Beat Berger, Leiter Geschäftsfeld Sport

Von der Millioneninvestition sollen nicht nur die Fussballer profitieren: Auch andere Sportvereine erhalten mehr Raum. Denn während der Wintermonate trainieren derzeit mehrere Fussballteams in Ustermer Turnhallen. «Künftig können sie dies auch auf den neuen Kunstrasenfeldern tun, die vom Wetter unabhängig genutzt werden können», sagte Beat Berger, der Leiter des Geschäftsfelds Sport. Und wenn die Fussballer im Freien trainieren,  können andere Sportvereine die Turnhallen vermehrt nutzen. 

Von einem ähnlichen Entlastungseffekt sollen die Ustermer Leichtathleten profitieren. Aktuell kommt es vor, dass sie trainieren, während auf dem Buchholz-Hauptplatz – auch «Stadion» genannt – Fussball gespielt wird. Manche Ustermer zeichneten auch schon das Szenario von fliegenden Speeren über den Köpfen von Fussballern. «Mit den neuen Fussballplätzen können die Leichtathleten das Stadion öfter für sich haben», so Berger.

Umweltschonende Variante

Er führte weiter aus, dass die Stadt beim Projekt ausschliesslich auf unverfüllte Kunstrasen setze. Diese brächten keine Mikroplastik-Problematik mit sich. «Und Düngemittel sind ebenfalls nicht notwendig.»

Eine Zuhörerin wollte dennoch wissen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn die Stadt ganz auf Naturrasen gesetzt hätte. Architekt Ottiger wiederholte das Argument der Wetterunabhängigkeit und sagte, dass Kunstrasen doppelt so lange bespielt werden könnten, wie Naturrasen. Er erhielt Zuspruch von den Juniorenleitern des FC Uster und des FC Rot Weiss Winikon.

Sie mussten an diesem Abend die Farben der Fussballer mehr oder weniger alleine hochhalten. Im September war das noch anders: Im selben Gemeinderatsaal hatten damals die Ustermer Parlamentarier über das Geschäft zu entscheiden. Vor dem Stadthaus fanden sich zahlreiche Mitglieder der drei Ustermer Fussballvereine (FC  Uster, Rot Weiss Winikon und Footrebels) zusammen. Manche von ihnen sorgten danach auch im Ratssaal für einen Hauch Stadionatmosphäre. Für kurze Zeit schien es damals so, als sei Uster doch eine Fussballstadt. Ein deutliches Ja zur Vorlage könnte diesen – inzwischen verflogenen – Eindruck wieder zurück ins kollektive Ustermer Bewusstsein rufen.
 

Fussball im Buchholz, Allmend auf der «Heussi»

Aktuell wird in Uster an zwei Standorten Fussball gespielt: Auf dem Buchholzareal und auf der Heusser-Staub-Wiese an der Brauereistrasse. Mittelfristig soll allerdings der gesamte Fussballbetrieb auf dem Buchholz konzentriert werden. Die Ustermer Stadtplanung sieht entlang der Aabach-Achse eine Art Allmend vor, die auch die Heusser-Staub-Wiese miteinschliessen würde. Mit Fussball auf der «Heussi» wäre es dann vorbei.

Dies passt einem Teil der FCU-Basis nicht. Diese Fussballer wollen weiterhin auf der Wiese trainieren und spielen und das bei der «Heussi» gelegene Clublokal «Tschutteria» behalten. Unterstützung erhalten sie vom Ustermer BDP-Gemeinderat Ivo Koller der sich seit Jahren mit verschiedenen politischen Instrumenten für den Erhalt der Wiese als Fussballstandort einsetzt.

Allerdings schliesst ein Ausbau der Fussballinfrastruktur auf dem Buchholzareal einen solchen nicht aus. Stadträtin Fehr stellte am Informationsanlass deshalb auch klar, dass die Vorlage vom 9. Februar nichts mit der Zukunft der Heusser-Staub-Wiese zu tun habe.

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