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Gesellschaft

Aus «Jaja, das machen wir dann» wurde das Café Diamond in Hinwil

«Jetzt oder nie», sagte sich Petek Yalcinkaya – und erfüllte sich in Hinwil ihren lang gehegten Traum von einem eigenen Café.

Petek Yalcinkaya (rechts) hat das Café Diamond am Bahnhof Hinwil eröffnet. Mama Elif Erden ist ihre grösste Unterstützerin.

Foto: Talina Steinmetz

Aus «Jaja, das machen wir dann» wurde das Café Diamond in Hinwil

Tochter und Mutter spannen zusammen

Das ehemalige SBB-Häuschen am Bahnhof Hinwil ist heute ein Café. Damit erfüllt sich die Bäretswilerin Petek Yalcinkaya einen Jugendtraum.

Wo Pendlerinnen und Pendler früher Zugtickets kauften und Verbindungsauskünfte einholten, gehen heute heisser Cappuccino und frisches Gebäck über die Theke: Der ehemalige Schalterraum der SBB am Bahnhof Hinwil wurde zu einem Café und Bistro umgebaut.

Hinter den verspiegelten Glasscheiben wartet ein kleines Märchenland. Farbige Blumensträusse dekorieren die hellen Holztische. Eine goldene Tapete schmückt die Wand, die den Innenbereich des Lokals vom Sitzbereich im Wintergarten abgrenzt. Helle Farbtöne – weiss, rosa, violett – schaffen eine einladende Atmosphäre.

Man sieht die Eingangstür zu einem Café. In der Spiegelung ist der Schriftzug Hinwil zu lesen.
Hinter der verspiegelten Tür verbirgt sich das Café Diamond.

Diese märchenhafte Kulisse ist der wahr gewordene Traum von Petek Yalcinkaya. Unterstützt von ihrer Mutter Elif Erden hat die 30-Jährige das Lokal ins Leben gerufen, das am 18. Januar offiziell eröffnet wurde. Schon während ihrer Ausbildung zur Restaurationsfachfrau wusste Yalcinkaya: «Eines Tags möchte ich meinen eigenen Betrieb haben!»

Sprach sie mit ihrer Mutter über diesen Traum, tat diese ihn mit einem Handwedeln ab. «Sie nahm mich nicht so richtig ernst und sagte nur: ‹Jaja, das machen wir dann›. Irgendwie auch verständlich, ich war ja noch ein Teenager», erzählt die junge Frau und wirft ihrer Mama einen liebevollen Blick zu.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Nach ihrem Lehrabschluss kehrte die Bäretswilerin «ihrer» Branche dann erst mal den Rücken zu. «Ich wollte etwas Neues ausprobieren», erinnert sie sich.

Sieben Jahre arbeitete sie als Detailhandelsfachfrau. Den Traum von einem eigenen Gastrolokal trug sie dabei stets mit sich herum. Als im letzten Jahr ihr Sohn Selim Tuna zur Welt kam, ist der Traum des eigenen Betriebs wieder stärker in den Vordergrund gerückt. «Mir war klar, wenn ich es jetzt nicht mache, dann wahrscheinlich gar nicht mehr.»

Als sie erfuhr, dass das SBB-Häuschen frei wird, sah sie ihre Chance. «Ich habe mir auch andere Lokale angeschaut. Aber etwas in mir sagte, das ist das Richtige.»

Am Bahnhof Hinwil wird es ab dem Sommer 2022 keinen bedienten Billettschalter mehr geben.
Die richtige Lokalität für Petek Yalcinkaya: Der SBB-Schalter am Bahnhof Hinwil im Jahr 2022. (Archiv)

Ab da konnte es nicht schnell genug gehen für Petek Yalcinkaya. Vier Monate wartete sie auf die Zusage seitens der SBB; eine gefühlte Ewigkeit, wie sie heute sagt. «Ich hatte so viele Ideen und Pläne, konnte sie aber nicht in die Tat umsetzen. Das war anstrengend.»

Geduld sei nicht unbedingt ihre Stärke, gibt sie dann mit einem entschuldigenden Lächeln zu. Ihr Mann habe sie jeweils zurück auf den Boden der Tatsachen geholt, wenn sie zu viel auf einmal wollte. «Er unterstützte jeden meiner Träume. Er half mir aber auch, realistisch zu bleiben und eines nach dem anderen anzugehen.»

Beim Wort genommen

Während ihr Ehemann im Hintergrund mithilft und Petek Yalcinkaya zur Seite steht, unterstützt Mama Elif an vorderster Front.

«Als die Idee realistischer wurde, erinnerte ich sie an ihr ‹Jaja, das machen wir dann› von vor 15 Jahren. Sie konnte gar nicht anders, als mich zu unterstützen», erzählt die Tochter und lacht. Nun sind sie beide im Café Diamond tätig – und haben seither viel Neues über ihre Mutter-Tochter-Beziehung gelernt.

«Im Privatleben sind wir immer mal wieder unterschiedlicher Meinung und belassen es auch dabei. Das geht hier aber nicht. Es ist wichtig, dass wir Kompromisse finden», erzählt Petek Yalcinkaya. Denn am Ende wollen sie beide dasselbe: ein einladendes Café mit Wohlfühlatmosphäre.

Man sieht zwei Frauen, die sich an einem kleinen Tisch gegenüber sitzen.
Sie geraten aneinander, haben aber auch grosses Vertrauen ineinander: Mama Elif Erden (links) und Tochter Petek Yalcinkaya im Café Diamond.

Und obwohl sie manchmal aneinander geraten und über die bestmögliche Lösung diskutieren müssen, kann sich Petek Yalcinkaya keine bessere Mitarbeiterin vorstellen. «Es gibt niemanden, dem ich so vertraue wie meiner Mama.» Wenn sie selbst ausser Haus ist, um einzukaufen oder um Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen, weiss sie, dass ihre Mutter das Café in ihrem Sinn betreut und führt. «Mit einer anderen Person wäre das so nicht möglich», ist sich Petek Yalcinkaya sicher.

Rüeblikuchen als Spezialität

Das Mutter-Tochter-Gespann setzt den Fokus auf Kaffee, Kuchen und kleinere Mittags- und Frühstücksmenüs. Sie bereiten die Speisen vor Ort zu und backen die Kuchen selbst. Die Spezialität des Hauses? «Ganz klar der Rüeblikuchen», sagt Yalcinkaya. Dieser gehöre zu ihren persönlichen Spezialitäten, das Rezept habe sie über die letzten Jahre immer weiter verfeinert.

Das Café Diamond hat seit Mitte Januar geöffnet. Immer wieder reagieren Passanten überrascht, wenn sie das neue Lokal am Bahnhof Hinwil betreten. «Wir brauchen sicher noch etwas Anlaufzeit, bis die Leute uns kennen», sagt die Betreiberin.

Dass sich direkt gegenüber eine Steiner-Filiale befindet, sieht Yalcinkaya nicht als Problem. «Steiner gibt es überall. Uns nur einmal, hier im ehemaligen SBB-Häuschen in Hinwil.»

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