Aus der Traum vom erneuten Effretiker Cup-Titel
Frauen-Final in Volketswil
Die Zweitliga-Frauen des FC Effretikon zeigen beim FVRZ-Cup-Final in Volketswil viel Moral. Dennoch unterliegen sie dem SV Höngg 3:4.
Mehr Drama geht fast nicht. Gleich dreimal kann Effretikon im FVRZ-Cup-Final der Frauen ausgleichen. Besonders gross ist der Jubel, als Fabienne Siegenthaler kurz vor Schluss mit einem wuchtigen Distanzschuss zum 3:3 trifft.
Doch aus der möglichen Entscheidung im Penaltyschiessen bei einem unentschiedenen Ausgang nach 90 Minuten wird trotzdem nichts.
Einmal mehr ist es Barla Deplazes, die eine Antwort hat und in der Nachspielzeit das vierte und entscheidende Tor gekonnt für den SV Höngg erzielt. «Das ist halt die Klasse von Barla», sagt FCE-Captain Nadine Baker. Sie muss es wissen, spielte sie doch selbst einst mit Deplazes beim FC Zürich auf höchster nationaler Stufe.
Beide sind beim Cup-Final in Volketswil in ihren Teams federführend. Baker ist nicht nur die unermüdliche Taktgeberin und Zweikämpferin im zentralen Mittelfeld des FCE. Sie erzielt auch das zwischenzeitliche 1:1 mittels Elfmeter (31.).

Derweil ist es für die Effretiker Defensivabteilung eine ständige Herkulesaufgabe, die Kreise der behänden Deplazes einzudämmen. Immer wieder sucht die frühere Nationalspielerin 1:1-Situationen und erzwingt so bereits in der elften Minute einen ersten Foulpenalty – den die Stürmerin anschliessend gleich selbst verwertet.
Zur Pause in Rücklage
Die Effretiker Zweitliga-Frauen sind im ersten Abschnitt eigentlich das etwas bessere Team. Dennoch müssen sie gegen die gleichklassigen Hönggerinnen mit einem 1:2-Rückstand in die Pause. Dies, weil die aufgrund einer Goalie-Misere im Tor stehende Natascha Frieden einen womöglich sogar als Flanke angedachten Schuss unglücklich ins eigene Gehäuse abwehrt (41.).

Die FCE-Topskorerin (15 Saisontreffer!) zwischen den Pfosten ist es aber auch, die hinterher mit ihren Interventionen mehrfach einen noch grösseren Rückstand verhindert.
Trainer Patrik Meier reagiert schnell mit einem Vierfachwechsel auf diese bangen Momente. Eine dieser frischen Kräfte ist Leonie Kobel, die in einer Höngger Druckphase mit dem 2:2 wieder für Gegensteuer sorgt (61.). «Die Neuen brachten Schwung», findet hinterher auch Coach Meier.
Das freche Plakat
Ohnehin, die gegen 300 Zuschauerinnen und Zuschauer erleben im Volketswiler Griespark bei schwülen äusseren Bedingungen eine stimmungsvolle Partie, sodass der parallel stattfindende Firmenfussball-Final der Senioren zum lahmen Nebenschauplatz wird.
Auffällig und frech getextet ist zudem das grosse Effretiker Transparent, das hinter einem der beiden Tore hängt. «Ihr gsehnd de Zürisee, aber hüt kei Land. Drum blibt de Pokal i oisere Hand.»
Die Kampfansage der Titelverteidigerinnen ist unmissverständlich. Und doch sorgen die Hönggerinnen mit ihren schnellen Gegenstössen immer wieder für gefährliche Nadelstiche. Es ist bereits die 85. Minute angebrochen, als die flinke Joy Lienert bei einem dieser Umschaltmomente enteilt – und vermeintlich entscheidend zum 3:2 für die Stadtzürcherinnen trifft.

Nur eben: Die emotionale Berg-und-Tal-Fahrt hält wie eingangs erwähnt bis zum Schlusspfiff an – mit einem allerdings bitteren Ende für Effretikon. Entsprechend gross ist die Enttäuschung bei den Spielerinnen nach der 3:4-Niederlage.
Trotzdem im Schweizer Cup
Bei Mittelfeldspielerin Nadine Baker überwiegt dennoch der Stolz über die gute Teamleistung. «Wir sind ein Cup-Team», sagt sie nach der dritten Finalteilnahme seit 2021. Und da in dieser Saison neben dem FVRZ-Cup-Sieger neu auch der Finalist für die erste Hauptrunde des Schweizer Cups qualifiziert ist, wartet auf die Effretikerinnen erneut ein besonderes Spiel.
Vor einem Jahr wurde dem FCE das Women's-Super-League-Team des FC St. Gallen zugelost. Bereits am Montag wird klar, ob schon bald wieder ein Spitzenteam auf dem Eselriet gastiert.
Der nächste Pokal für die Rekord-Nationalspielerin

Tanja Stella ist 34-jährig, als sie ihr erstes Meisterschaftsspiel im Fussball bestreitet. Es ist da erst ein paar Monate her, seit die gebürtige Nänikerin ihre Karriere als Unihockeyspielerin beendet hat. Stella ist nicht irgendwer – sondern mit 135 Länderspielen Rekord-Nationalspielerin und vielfache Titelgewinnerin. Zum Plausch noch Unihockey zu spielen, kann sie sich nicht vorstellen. Doch dann landet sie beim SV Höngg, nachdem ihr eine Kollegin an einer Hochzeit diesen Schritt empfohlen hat. Stella, die zuvor nur an Fussball-Plauschturnieren mitspielte, sagt: «Ich hatte keine Erwartungen.» Sie findet sich aber schnell zurecht, selbst wenn sich Stella nicht als Leistungsträgerin bezeichnen will. Auch im Cup-Final, wo sie bis zur 67. Minute solide als rechte Aussenverteidigerin agiert. Und Stella hat mit 36 noch lange nicht genug. «Ich möchte weitere Fortschritte machen», sagt sie. (dsc)