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Aus dem Abbruchobjekt ins neue Metropol

Die erste Hälfte des neuen Wetziker Quartiers ist fertiggestellt. Der Bezug muss genau geplant werden – ebenso wie der zweite Teil des Projekts.

Laut Projektleitung dürften auch die rund 70 Wohnungen, die mit dem zweiten Schritt hinzukommen werden, sehr schnell vergeben sein.

Foto: PD

Aus dem Abbruchobjekt ins neue Metropol

Halbzeit bei Wetziker Grossprojekt

Die ersten Wohntürme der Überbauung Metropol sind bis Ende Monat bezugsbereit. Nun geht es dem Altbau der ehemaligen Wetziker Trompete an den Kragen.

Die einstige Trompete im Wetziker Zentrum hat in wenigen Tagen definitiv ausgeblasen. Bis im Herbst wird der braune Klotz an der Bahnhofstrasse in seine Einzelteile zerlegt. An seiner Stelle werden dann bis zum Sommer 2026 fünf neue Wohntürme auf einem dreistöckigen Basisbau erstellt.


> > Lesen Sie hier, wie die letzten Betriebe sich im Altbau nicht geschlagen geben.


Wie diese Wohnbauten und das Grundkonstrukt etwa aussehen werden, lässt sich bereits jetzt anschauen. Nur wenige Meter daneben, Richtung der reformierten Kirche, ist nämlich innert knapp zweier Jahre die erste Etappe des 138 Millionen Franken teuren Grossprojekts hochgezogen worden. Die dort erstellten vier bis siebenstöckigen Wohntürme erhalten zurzeit den letzten Schliff.

Genaue Einzugsplanung

Ende April werden die ersten 67 Mietwohnungen bezogen. «Die Züglete wird genau koordiniert werden», betont Emanuel Wanzek, Projektleiter Planung und Realisierung der Firma Halter, die das Projekt realisiert. «Die Mieter mussten sich online für einen Slot anmelden.»

Für die generalstabsmässig angelegte Phase werden die Lifte speziell ausgekleidet, um sie nicht schon beim Möbeltransport zu beschädigen. Zudem werden eigens Container aufgestellt, wo das Packmaterial entsorgt werden kann.

Drei Männer stehen in einer Häuserschlucht.
Die ersten vier Wohntürme sind bald bezugsbereit. Robin Neuhaus (links), Projektleiter Entwicklungen der Halter AG, Bauleiter Simon Kern (Mitte) und Emanuel Wanzek, Halter-Projektleiter Planung und Realisierung, schauen zuversichtlich auf die zweite Bauetappe.

Die Mieter erwarten helle 2½- bis 5½-Zimmer-Wohnungen. Die meisten verfügen über grosse und beschattete Balkone. «Auf den Wärmeschutz im Sommer ist grosser Wert gelegt worden», meint Bauleiter Simon Kern. Dachgärten im zweiten Obergeschoss oder auch mit Pflastersteinen ausgelegte Aussenflächen sollen zur Hitzereduktion beitragen.  

Eine Premiere fürs Oberland

15 Mieter werden Teil einer Premiere im Zürcher Oberland sein. Die Turintra AG, eine Firma des UBS-Immobilienfonds Sima als Eigentümerin, hat hier erstmals in der Region bis zu 50 Quadratmeter grosse 1½-Zimmer-Wohnungen nach dem Movement-Konzept realisieren lassen.

Blick in eine Wohnung mit drei beweglichen Elementen.
Alles auf kleinstem Raum: In den Movement-1½-Zimmer-Wohnungen lassen sich das Bett, der Kleiderkasten und das Büro samt Küchenschrank per Knopfdruck verschieben.

Auf kleinem Raum werden hier auf Knopfdruck ein Schlafzimmer, ein Büro, ein Wohnzimmer und eine Küche arrangiert. Drei bewegliche Elemente lassen sich entlang der Wand verschieben. «Erfahrungsgemäss werden diese Elemente vier- oder fünfmal pro Tag umgestellt», weiss Wanzek, je nachdem, ob es nun ins Bett, ins Büro oder in die Küche gehen soll.

In der Mittelstellung lassen sich alle Wohnungsbereiche gleichzeitig begehen, allzu viel Bewegungsfreiheit gibt es dann aber nicht. Der grosse Vorteil dieser Kompaktwohnart ist der Preis: «Rund 1600 Franken kostet eine solche Wohnung pro Monat inklusive Nebenkosten», meint Robin Neuhaus, bei Halter Projektleiter Entwicklungen. In diesem Preis sind wesentliche Einrichtungselemente wie Bett, Schränke oder auch Schreibtisch bereits enthalten.

Riesiger Velokeller

Im Untergrund liegt eine weitere Spezialität von Metropol. Neben den obligaten Auto- und Töffparkplätzen – auch mit Zapfstellen für E-Mobilität – ist ein gewaltiger Veloabstellraum geschaffen worden. 250 Fahrräder finden dort unten Platz. Selbst an eine Servicestation mit Luftdruck und Reparaturwerkzeug ist gedacht worden.

Drei Männer stehen in einem grossen Velokeller.
Robin Neuhaus (links) und Bauleiter Simon Kern (Mitte) demonstrieren unter den Augen von Projektleiter Emanuel Wanzek die doppelstöckigen Veloabstellplätze.

In der zweiten Etappe wird ein zweiter derartiger Raum hinzukommen, womit über 400 Stellplätze zur Verfügung stehen werden. Die drei Halter-Angestellten sind gespannt, wie hoch die Auslastung dieser Veloplätze sein wird. Im Unterschied zu den Abstellplätzen für die motorisierten Gefährte kosten diese nichts.

Heikle Etappierung

Zwischen den Baufeldern der ersten und der zweiten Etappe zeigt sich die Komplexität des ganzen Vorhabens. So musste unter der künftigen Treppe, über die man von der Bahnhofstrasse hoch zur Tödistrasse und zum Jörg-Schneider-Park gelangt, eine provisorische Zufahrt zu den Kunden- und Besucherparkplätzen geschaffen werden. Die definitive Einfahrt wird erst mit dem Abschluss der zweiten Bauetappe erstellt. Diese wird etwa dort zu liegen kommen, wo heute noch der Abgang liegt.  

Die grösste Herausforderung bei diesem etappierten Bau ist laut Wanzek die Logistik. Die Anlieferung und die Entsorgung stellen die Unternehmer oder Handwerker immer wieder vor Herausforderungen. «Das meiste hatten wir auf dem Radar», meint er.

Probleme habe es dennoch gegeben. So musste besonders auf den Lärm und die Verschmutzung geachtet werden. Kniffliger waren Materialengpässe aufgrund der weltpolitischen Lage, mit entsprechenden Kostenfolgen.

Digitale Planung

Projektleiter Robin Neuhaus ist aber zuversichtlich, dass sie das Budget im Griff haben. Denn einen Vorteil macht er nun aus: «Mittlerweile kennen wir die Bestandesliegenschaft in- und auswendig.» Das hilft bei der weiteren Planung.

Zudem wurde eigens ein voll digitalisiertes Modell erstellt. Diese sogenannte digitalisierte Durchgängigkeit habe es auch ermöglicht, «dass man die Fehler bereits im Modell entdeckt und korrigiert hat und nicht erst auf der Baustelle».

Luftbild einer grossen Überbauung in Wetzikon.
Auf der Metropol-Website lässt sich die ganze Überbauung aus jedem Winkel und mit unterschiedlichem Sonnenstand anschauen. In der Bildmitte ist die nun bezugsbereite und erhellte erste Etappe zu sehen, nach rechts zieht sich die zweite Etappe (in Grau).

Die Digitalisierung wird auch bei der Vermietung genutzt. Auf der Site metropol-wetzikon.ch können Interessenten die Überbauung aus jedem Winkel betrachten und sogar die Besonnung anschauen. Zu jedem Wohnungstyp gibt es virtuelle Rundgänge und auch noch Videos.

Standort bereits ein Begriff

Die Gewerbeflächen der ersten Etappe sind vollständig vermietet. Dort einziehen wird neben den drei verbliebenen Mietern aus dem Altbau (siehe Beitrag «Letzte Tage in der alten Trompete») etwa auch das Ärztezentrum Medbase.

Für die zweite Etappe sind ebenfalls schon Teile der Gewerbeflächen vergeben, und zwar bevor die offizielle Vermarktung im Sommer beginnt. So wird dort dereinst das Asienrestaurant Nooch oder auch das bekannte Wetziker Uhren- und Schmuckgeschäft Scholl einziehen. Letzteres wird nicht weit umziehen müssen, liegt es doch heute nur ein paar Meter neben seinem künftigen Standort.

Ein Neubau und ein Baum.
Die erste Etappe der Überbauung Metropol ist bald bezugsbereit. Die Bäume davor stehen unter Schutz und mussten während der Bauzeit besonders gepflegt werden.

Neuhaus zeigt sich «sehr zufrieden» mit dem aktuellen Stand der Vermietung der Grossüberbauung. Auch die rund 70 Wohnungen, die mit dem zweiten Schritt hinzukommen werden, dürften so schnell weggehen wie die jetzt fertiggestellten, «auch wenn das Volumen nicht zu unterschätzen ist», wie Neuhaus nachschiebt.

Der grosse Vorteil dieses Standorts sei, dass er schon entwickelt sei. «Dieser Ort hier ist ein Begriff. Und das Projekt überzeugt», meint Neuhaus. Das zeige sich etwa in den Gesprächen mit Nachbarn, Mietinteressenten, aber auch dem Stadtrat.

Und ja, «auch wir haben nach wie vor Freude am ganzen Projekt», schiebt Wanzek nach.

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