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Gesellschaft

«Auf den Neubau in Pfäffikon freuen sich alle riesig»

30 Bewohnende der Stiftung Palme in Pfäffikon müssen für drei Jahre in ein Provisorium ziehen. Dies bedeutet viel Betreuungsaufwand, wie Geschäftsführer Andreas Zumbühl ausführt.

Andreas Zumbühl ist seit 2019 Geschäftsführer der Pfäffiker Stiftung zur Palme.

Annabarbara Gysel

«Auf den Neubau in Pfäffikon freuen sich alle riesig»

Palme-Geschäftsführer im Interview

30 Bewohnende der Stiftung Palme in Pfäffikon müssen für drei Jahre in ein Provisorium ziehen. Dies bedeutet viel Betreuungsaufwand, wie Geschäftsführer Andreas Zumbühl ausführt.

Lea Chiapolini

Herr Zumbühl – die Stiftung zur Palme plant ein Millionenprojekt, deutlich mehr Wohnplätze oder Verkaufsfläche im «Palmino» sind aber nicht geplant. Warum nicht?

Andreas Zumbühl: Bei «Palme futura» geht es nicht in erster Linie darum, mehr Platz zu schaffen, sondern die Qualität der Infrastruktur zu erhöhen. Dies betrifft einerseits die Wohnplätze, denn die Ansprüche sind deutlich gestiegen, und Menschen mit Beeinträchtigung sollen das gleiche hochstehende Wohnangebot haben wie wir auch. Andererseits sollen die Arbeitsplätze in den Tagesstätten für die Mitarbeitenden mit Beeinträchtigung optimiert werden.

Inwiefern genau?

Sie werden im Erdgeschoss mit direkten Zugang zum Park angelegt. Heute sind die Tagesstätten zum Teil im Untergeschoss vom Wirtschaftsgebäude untergebracht und haben nur eingeschränkt Tageslicht.
Während der Bauzeit werden die Bewohnenden grösstenteils ausquartiert – wie wurde dies von ihnen aufgenommen?
Dass wir ins ehemalige Alterszentrum Waldfrieden ausweichen müssen, ist für die Bewohnenden die wohl grösste Herausforderung im ganzen Projekt. Veränderungen sind für viele Personen grundsätzlich schwierig – für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung umso mehr. Seit längerem werden die Bewohnenden und deren Angehörige regelmässig mit Informationen zum Projekt versorgt, um sie sanft auf den Umzug vorzubereiten.

Das ist bestimmt nicht immer einfach.

Nein. Ein Bewohner sagte zu mir, er nehme dann sein Fenster mit. Leider können wir solche Wünsche nicht erfüllen.

A propos Wünsche: Oben im Berg-Quartier ist man schon ziemlich ab vom Schuss. Hätten Sie sich einen anderen Standort für den temporären Aufenthalt gewünscht?

Mit dem zentralen Hauptstandort kann das Provisorium nicht mithalten. Dafür haben wir vom Waldfrieden einen wunderschönen Blick in die Berge und auf den See. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist mit einem Bus pro Stunde zwar kein Vergleich zur Bahnhofsnähe. Aber die betroffenen Bewohnenden sind sowieso nie alleine unterwegs und begleitete Ausflüge ins Dorf sind weiterhin möglich.

Wo bietet der neue Standort auch Chancen?

Wir haben ganz andere Möglichkeiten als im Zentrum. So gibt es etwa einen Stall, in dem man Hühner oder Kaninchen halten könnte. Im besten Fall entstehen hier oben sogar neue Produkte, die dann wiederum im Verkaufsladen Palmino angeboten werden können.

Gibt es auch Bewohnende, die sich auf den Umzug freuen?

Natürlich gibt es auch jene, dich es kaum erwarten können. Eine Bewohnerin kommt einmal pro Woche zu mir, um sich zu versichern, dass sie nachher wirklich das eigene Badezimmer hat, auf das sie sich dermassen freut. Auf den Neubau am gewohnten Standort in Pfäffikon freuen sich alle riesig.

Nach Abschluss des Bauprojektes steht den Bewohnenden neben dem Neubau auch ein neuer Park zur Verfügung. Was sind da die Hintergedanken?

Bisher gab es für die Bewohnenden auf dem Areal keinen wirklich schönen Ort im Freien zum Verweilen. Viele verbringen über 40 Jahre in der Stiftung. Sie haben es verdient, einen gemütlichen Platz an der Sonne zu haben. Dieser Park ist als intimer Bereich für die Bewohnenden gedacht. 

Sie haben gerade nicht nur das Bauprojekt eingereicht, sondern feiern 2023 auch das 60-Jahr-Jubiläum der Stiftung – ein grosses Jahr für die Palme Pfäffikon.

Dass wir den Hauptstandort mit diesem Projekt weiter stärken können, ist nur möglich, weil die Stiftung in Pfäffikon so breit getragen wird. Das ist nicht selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar. Im Herbst feiern wir am Palme-Fäscht das Jubiläum – gegründet in Glattbrugg zog die Stiftung 1980 nach Pfäffikon. Im Rahmen dieser Feier soll sowohl auf die Geschichte zurück- aber auch auf das Bauprojekt vorausgeblickt werden. Es gibt Bewohner, die über 45 Jahre bei uns sind. Sie auch weiter persönlich zu begleiten ist unser grosses Ziel.

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