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Auf dem Jura-Ausläufer liegt die tiefstgelegene Alp der Schweiz

Der Randen im Kanton Schaffhausen ist Teil des Jura-Faltengebirges. Nebst vier Aussichtstürmen bietet dieses weitläufige Wandergebiet auf nur 600 Metern Höhe eine richtige Alp mit guter Einkehrmöglichkeit.

Vom Randenturm kann man weit ins Klettgau blicken.

PD

Auf dem Jura-Ausläufer liegt die tiefstgelegene Alp der Schweiz

Ausgangspunkt der Wanderung ist Siblingen, ein Weinbaudorf mit 740 Einwohnern im Oberklettgau. Die Wanderung beginnt bei der Bushaltestelle Siblingen am Stei. Hier befindet sich auch das Restaurant Freihof. Es bietet Gelegenheit, bevor man sich auf den Weg macht, noch eine Erfrischung zu sich zu nehmen. Blickt man Richtung Nord-Ost, so kann man schon den Aussichtsturm auf dem Siblinger Randen sehen. Dort hinauf soll die Wanderung führen.

Es geht kräftig bergauf

Der Weg führt vorerst durch die Grabenstrasse, eine breite Strasse mit grossen Vorgärten. Hier, wo früher noch vorwiegend Landwirtschaft und Rebbau betrieben wurden, findet man heute vor allem Kleingewerbe. Ganz am oberen Ende der Strasse folgt man rechts der Randenstrasse, um nach 200 Metern links in die Burghaldenstrasse zu gelangen, vorbei an den letzten, neu erstellten Häusern des Dorfes. Nach etwa einer halben Stunde erreicht man den Abzweiger Burghalde am Waldrand. Von nun an geht es kräftig bergauf. Ein schmaler Pfad führt hinauf zum Turm. Nach einer weiteren halben Stunde ist ein erstes Zwischenziel erreicht.

Im 17. Jahrhundert war der Randen vollkommen abgeholzt

Der Randen ist ein dünn besiedelter Jura-Ausläufer. Höchste Erhebung ist der Hagenturm auf 912 Metern über Meer. Neben der Landwirtschaft war der Randen für die Eisenerzgewinnung von grosser Bedeutung. Aber auch der Wald wurde sehr stark genutzt. Im 17. Jahrhundert war der Randen fast völlig abgeholzt.

In der Zwischenzeit ist der Wald wieder gewachsen, und zwar so, dass die Bäume heute die Aussicht versperren. Und wo Bäume die Aussicht versperren, braucht es einen Aussichtsturm. Im ganzen Randen gibt es insgesamt vier davon:

  • Der Siblinger Randenturm: 99 Treppenstufen führen zur Aussichtsplattform in 19 Meter Höhe. Von dieser bietet sich ein Ausblick über das gesamte Klettgau, die Alpen und den Schweizer Jura. Die Konstruktion ist einem Baum nachempfunden und besteht aus drei freistehenden Trägern aus Lärchenholz, die im Dreieck angeordnet sind und sich gegen oben hin öffnen. Er wurde 2014 eingeweiht, als Ersatz für den 1882 erstellten alten Turm. Dieser dürfte der älteste Stahlfachwerkturm der Schweiz gewesen sein. 
  • Beringer Randenturm mit 26 Meter Höhe
  • Hagenturm mit  ca. 40 Meter Höhe (mit Radarkuppel der Schweizer Armee)
  • Schleitheimer Randenturm 20 Meter hoch

Heute ist der Randen als Naherholungs- und Naturschutzgebiet bekannt. Von besonderer Bedeutung ist die Flora (Orchideen, Steppenpflanzen). Neben dem Rhein und dem Klettgau als Weinregion ist der Randen von grosser Bedeutung für das Schaffhauser Selbstverständnis.

Am Randenhaus vorbei zur Alp Babental

Der Weg führt vorbei an der Ruine Hartenkirch. Von der Burg ist nicht mehr viel zu sehen, lediglich eine Hinweistafel weist noch auf ihre Existenz hin. Nach kurzer Zeit erreicht man das Randenhaus sowie den Abzweiger Ebehau. Dort nimmt man den Weg links dem Waldrand entlang und folgt der gelben Beschilderung bis zum Abzweiger Fünf Arm.

Die orientierenden Markierungen machen es einem einfach, den richtigen Weg zu finden. Das frische Grün in dem vorwiegend aus Laubbäumen bestehenden Wald ist schon bemerkenswert. Mit dem Duft von Bärlauch in der Nase sowie den zahlreichen Vogelstimmen im Ohr wandert man weiter, auf einer breiten, gut ausgebauten Waldstrasse. Stets leicht bergab führt der Weg zum Abzweiger Mösli und weiter bis man nach rund eineinhalb Stunden die Alp Babental erreicht.

Wo die Ostschweizer Rinder «Sommerferien» machen

Das gut geführte und nett eingerichtete Restaurant bietet die Möglichkeit für eine Einkehr. Die Alp Babental wurde im Jahr 1898 gegründet. Der «Verband Simmenthalerzüchtender Genossenschaften des Kantons Schaffhausen» kaufte 90 Kleinparzellen im hintersten Talgrund zusammen und baute einen Stall, mit einer sehr bescheidenen Unterkunft. In einem Protokoll aus dem Jahr 1904 ist zu lesen, dass der Tierwärter Ruchti, als er heiraten wollte, verlangte, dass man seine Wohnstube vergrössere. Die Genossenschaft lehnte dies ab, weil «der Platz für die Rinder dadurch verkleinert würde».

Babental ist die einzige Alp im Kanton Schaffhausen und wohl auch die tiefstgelegene in der Schweiz. Auf 600 Meter Höhe stehen auf 45 Hektaren 16 Weiden und zwei Laufställe zur Verfügung. Etwa 30 Bauern aus dem Kanton Schaffhausen, dem Thurgau und dem Zürcher Weinland bringen von Anfang Mai bis Mitte Oktober rund 170 Rinder zum Sömmern auf die Alp Babental. Die Alp kann jährlich bis zu 150 Tage beweidet werden, was auf einer Hochalp in der Regel nur an etwa 100 Tagen möglich ist.

Auf der asphaltierten Zufahrtsstrasse verlässt man die Alp in Richtung Strickhof. Dort zweigt man scharf nach links ab. Das Ziel der Wanderung, Schleitheim, hat man schon bald vor Augen. Nach rund einer Stunde erreicht man die Bushaltestelle Schleitheim Schweizerbund. (Brigitte Val)

Die Wanderroute

Start: Siblingen
Ziel: Schleitheim
Route: Siblingen – Siblinger Randenturm – Mösli – Alp Babental – Schleitheim; 12,5 km
Dauer: ca. 3¾ Std. 
Aufstiege total ca. 450 m
Abstiege  total ca. 490 m

Anreise: SBB S 26 bis Winterthur
SBB S 12 bis Schaffhausen
BUS 21 bis Siblingen

Rückreise: BUS 21 bis Schaffhausen
SBB S 24 bis Winterthur
SBB S 11 bis Turbenthal

Verpflegung: Morgenkaffee Restaurant Freihof, Siblingen
Mittagessen Alp-Restaurant Babental, Babental

Nächste Wanderungen der Seniorenwandergruppe Turbenthal: 18. und 21. Juni 2019.
Leitung: Rosmarie und Peter Müller.
Route: Vom Albispass durch den Sihlwald, auf der Route: Vom Albispass durch den Sihlwald, auf der kürzeren Route dem Sihlufer entlang.
Weitere Angaben unter www.senioren.clubdesk.com.

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