Auf dem Court fehlen die Mädchen
Sie sind der Stolz des Regionalverbands Zürich Tennis. Die RV-Girls spielen nach mehreren Aufstiegen im Interclub ab dieser Saison in der Nationalliga B.
Die Idee von eigenen weiblichen Regionalverband-Teams ist bereits vor einigen Jahren entstanden, aufgrund dem Missverhältnis zwischen Tennis spielenden Mädchen und Jungs im Nachwuchs. «Wir wollten etwas tun», sagt Dominik Strub-Tiedt, der Junioren-Verantwortliche bei Zürich Tennis.
type=”text/javascript”>!function(){“use strict”;window.addEventListener(“message”,(function(e){if(void 0!==e.data[“datawrapper-height”]){var t=document.querySelectorAll(“iframe”);for(var a in e.data[“datawrapper-height”])for(var r=0;r
Viel geändert hat sich aber seit der Lancierung von mehreren RV-Girls-Teams im Jahr 2017 nicht. Nur rund 25 Prozent der derzeit 11000 lizenzierten Nachwuchsspielerinnen und -Spieler bei Swiss Tennis sind weiblich – auch in der Region Zürich.
Die ganz Jungen fehlen
Für Michael Achleitner, dem Geschäftsführer und Headcoach der Tennisschule Blue Point in Uster, ist die Situation ernst. Für ihn sind diese Zahlen sogar mit Vorsicht zu geniessen. «Da wird doch jedes Mädchen reingenommen, dass in einer Ballschule mitmacht», ist sein Eindruck. Alarmierend seien die Zahlen vor allem bei den jüngeren Jahrgängen. «Wir haben dort fast keine mehr», sagt er.
Achleitner muss es wissen. Ein Grossteil der regionalen Kaderspielerinnen trainieren in seiner Tennisschule, die er 2018 von Oetwil am See nach Uster transferiert hatte.
Für Achleitner hat sich der Wechsel gelohnt. Nicht zuletzt deshalb, weil sein Nachwuchs am neuen Standort die besseren Verkehrsanbindungen nach Zürich hat.
«Man kann nicht Martina Hingis und gleichzeitig Ärztin werden.»
Michael Achleitner, Geschäftsführer und Headcoach der Tennisschule Blue Point in Uster
Und selbst wenn die Ustermer Schule mit der ehemaligen Weltnummer 70 Patricia Mayr-Achleitner als Aushängeschild, sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen muss, ist gerade die Entwicklung im Leistungsbereich besorgniserregend.
Spagat im Leistungssport
Viele Talente kommen vor allem mit dem Übergang ins Gymnasium von ihrem sportlichen Weg ab, nachdem in den ersten Jahren viel Zeit und Geld investiert worden war.
«Man kann nicht Martina Hingis und gleichzeitig Ärztin werden», ist für Achleitner klar. Der Spagat zwischen Schule und Leistungssport sei gross, betont der Österreicher und rechnet einen wöchentlichen Trainingsaufwand von 17 bis 21 Stunden vor. Andersrum kann die Entwicklung auch aus finanziellen Gründen ins Stocken geraten. Laut Achleitner seien rund 30’000 Franken jährlich für eine Förderung nötig.
Erstaunlich sind die anhaltend tiefen Zahlen zudem, weil es im Schweizer Frauen-Tennis eigentlich in den letzten Jahren nie an Vorbildern gefehlt hatte. So derzeit mit der Olympiasiegerin und aktuellen Weltnummer 13 Belinda Bencic, oder aus Zürcher Sicht Viktorija Golubic (WTA 39).
Auch von Zürich Tennis gibt es hierbei keine schlüssige Erklärung. Fakt ist aber: Die Strahlkraft von Martina Hingis erreichte seither keine Spielerin mehr. Gerade in der erfolgreichsten Phase der früheren Weltranglisten-Ersten zum Ende der Neunziger bis Anfang der Nullerjahre waren die Zahlen der lizenzierten Juniorinnen und Junioren schweizweit nämlich noch weitaus ausgewogener – mit fast 38 Prozent weiblichem Tennis-Nachwuchs.
Aktiver Regionalverband
Doch wie kann dieser wieder verstärkt für den Sport gewonnen werden? Dass ein erfolgreiches Mädchen-Team im Interclub alleine die Probleme nicht löst, weiss man auch bei Zürich Tennis. Der Regionalverband hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, wieder näher an die Klubs zu rücken. Und den Nachwuchs mit Trainingscamps und Zusammenzügen von Spielerinnen auf ähnlichem Niveau zu fördern.
In Planung ist auch eine Emotionalisierungskampagne mittels Video, in der Tennisspielerinnen jeder Stufe und jeden Alters den Grund ihrer Leidenschaft für den Sport herausstreichen sollen.
type=”text/javascript”>!function(){“use strict”;window.addEventListener(“message”,(function(e){if(void 0!==e.data[“datawrapper-height”]){var t=document.querySelectorAll(“iframe”);for(var a in e.data[“datawrapper-height”])for(var r=0;r
Hilfe holte Zürich Tennis sich zudem vom Zürcher Kantonalverband für Sport (ZKS), mit dem bereits ein erster gemeinsamer Workshop stattgefunden hat. Das Ziel: «Mit Vorbildern und bedürfnisgerechten Angeboten soll der Zugang zum Sport aktiv gefördert und vereinfacht werden», wie es Josy Beer, Geschäftsführerin des ZKS, betonte.
Nur was heisst das überhaupt? Martina Hingis gab eben erst an einem Forum von Swiss Tennis einige Antworten dazu. «Ihr müsst mit den Mädchen abwechslungsreich trainieren. Lasst sie viele Punkte spielen – immer mit klaren Aufgaben und Lernzielen.» In ihrer Trainingsdemonstration zeigte die Ausnahmespielerin auf, wie etwa Aufschläge, Returns und das Netzspiel schon früh integriert werden können. Rund 450 Trainerinnen und Trainer nahmen am Forum mit dem Schwerpunkt «Mädchen fördern» teil.
Polysportiv heranführen
Laut Swiss Tennis sind gerade die nicht den Wünschen entsprechenden Sportangebote ein Grund, dass sich Mädchen und junge Frauen generell im Vergleich mit den Knaben weniger körperlich bewegen.
Der Verband empfiehlt den jungen Tennis-Einsteigerinnen, sich Vereinen oder Schulen anzuschliessen, die stark auf ein polysportives Training setzen.
Auch für Michael Achleitner ist klar, dass der weibliche Nachwuchs anders abgeholt werden muss. «Mädchen lieben Drills und Übungen – spielen aber weniger gern um Punkte.» Die dünne Spitze im Schweizer Mädchen-Tennis würde sich deshalb sogar eher aus dem Weg gehen. «Weil sie den Druck verspüren», ist sein Eindruck. Für Achleitner ist klar: «Mädchen müssen viel gezielter an die Wettkämpfe herangeführt werden.»