An Crew Battles, Poolparty und Flashmob erinnern sich die Lordz-Gründer am liebsten
25 Jahre Tanzschule
Die Tanzschule Lordz Dance Academy in Wetzikon feiert dieses Jahr ihren 25. Geburtstag. Die beiden Gründer Richi Neuhaus und Philippe Dick erinnern sich zurück an ihre Anfänge und die denkwürdigsten Erlebnisse.
Richard «Richi» Neuhaus und Philippe Dick waren gerade einmal volljährig, als sie im Jahr 2000 gemeinsam ihre eigene Tanzschule in Wetzikon gründeten: die Lordz Dance Academy.
Die beiden Tänzer waren damals auf der Suche nach einem Trainingsraum für ihre Crew, um Breaking – eine akrobatische Tanzform aus der Hip-Hop-Kultur – zu üben. Schnell entstanden daraus grössere Pläne. «Wir wollten die geilste Tanzschule der Schweiz gründen», sagt Philippe Dick und lacht.
Drei Jahre lang hatten sie für ihren Traum Geld zur Seite gelegt. Dann wagten sie den Sprung. Gemeinsam mit Giusi Pustorino und Marcel Köng begannen sie, Breaking erstmals unter eigenem Dach zu unterrichten.
Vor ihnen gehörte die Lokalität direkt am Bahnhof Wetzikon einer renommierten Standardtanzschule. Den jungen Männern kam so zu Beginn sehr viel Skepsis entgegen. Ein reines Breaking-Angebot war alles andere als die Norm. «Wir wurden damals nicht gerade willkommen geheissen», erklärt Richi Neuhaus.
Über mehrere Jahre hinweg war Lordz ein enorm zeitintensives Unterfangen, das Neuhaus und Dick nebenberuflich handhabten. Das Geld, das sie mit dem Unterrichten verdienten, floss direkt in die Lokalmiete. Selbst als Philippe Dick seinen Job 2006 kündigte, war die finanzielle Lage noch prekär. «Da habe ich zum ersten Mal gelernt, was es heisst, selbständig zu sein», sagt er. Für Luxus sei nie Platz gewesen. «Doch wir haben uns für diesen Lifestyle entschieden.»
Und bis heute bereuen sie dies nicht. Im Gegenteil: Sie erinnern sich gerne zurück an die vergangenen 25 Jahre – eine Zeit voller Erfahrungen, die die Tanzschule bis heute geprägt haben. Einige dieser Momente sind ihnen besonders in Erinnerung geblieben.
Wilde Bühnenzeiten
Die 2000er Jahre waren in der Breaking-Szene geprägt von Crew Battles. Es traten also Tanzgruppen gegeneinander an, keine Solotänzerinnen und Solotänzer. «Erst 2014 wurde das eins gegen eins zum ersten Mal durchgeführt», sagt Neuhaus. Er und Dick waren über die Jahre in verschiedenen Crews dabei und so gut wie bei jedem Battle am Start.
Das «Battle of the Year» in Deutschland war damals der wichtigste Breaking-Event. «Schon in der Vorrunde sind wir ausgeschieden», erinnert sich Dick.
Von solchen Rückschlägen haben sich die beiden jedoch nie unterkriegen lassen. Das Wichtigste war für sie, am Puls der Zeit zu bleiben und die Kultur in ihrer eigenen Schule weiterzugeben.
Poolparty am Bahnhof
Neben den Trainings und Wettkämpfen finden im Lordz auch immer wieder Events und Partys statt. 2008 hatten die beiden Gründer genug von den üblichen Feierlichkeiten im Tanzraum.
Im Sommer organisierten sie also eine Poolparty. Auf den Parkplätzen am Bahnhof Wetzikon standen grosse Wasserbecken, Basketballkörbe, ein Grill und ein grosser Tanzteppich.

Das Sommerfest war für alle zugänglich. «Gut 100 Leute waren über den Tag verteilt da», sagt Richi Neuhaus. «Wir haben die Party natürlich mit Aufführungen und Tanzworkshops verbunden.» Wegen des enormen Organisationsaufwands und des schlechten Wetters in den Jahren danach wurde das Planschfest nur einmal wiederholt.
Langersehnter Umbau
Fast zehn Jahre lang hatte das Lordz nur einen Raum zur Verfügung. 2009 änderte sich das. Unterdessen hatte sich die Tanzschule etabliert, die Stunden waren gut besucht. Doch finanziell rentierte das Geschäft immer noch nicht.
Ein Raum war zu wenig. «Wir sagten dem Vermieter, dass wir gehen müssten, weil wir zu wenig Platz hätten», sagt Neuhaus. Der Vertrag wäre nach zehn Jahren ohnehin ausgelaufen. Doch es kam anders: Das Lordz durfte bleiben und seine Räumlichkeiten ausbauen. Mit dem Ausbau des zweiten Stockwerks stand neu ein zweiter Tanzraum zur Verfügung.
Zudem legten sich mit dem Umbau die Unruhen in der Nachbarschaft. Denn davor hatte sich unter der Tanzschule ein Tabledance-Klub mit Spielautomaten befunden. «Damals mussten die Eltern mit ihren Kindern zuerst durch diese Spielhölle, um in unseren Tanzraum zu kommen», sagt Philippe Dick. Bald nach der baulichen Veränderung zog jedoch eine Fahrschule ins Gebäude.
Flashmob in Zürich
2021 organisierte das Lordz gemeinsam mit Marie Lo einen Flashmob, der von der Filmreihe «Step Up» inspiriert war.

«Wir haben alle Tänzer und Tänzerinnen dazu eingeladen, die wir nur finden konnten», meint Philippe Dick. Schliesslich nahmen über 100 Menschen daran teil, trainierten zusammen und performten die Choreografie dann vor dem Sihlcity Zentrum in Zürich.
Zuversicht trotz Stolpersteinen
Es waren unzählige solche Erlebnisse und kleine Meilensteine, die den Weg der Lordz Dance Academy geprägt haben. Heute unterrichten an der Tanzschule über 20 Lehrpersonen in 15 verschiedenen Tanzstilen.
Richi Neuhaus und Philippe Dick haben sich in der Zwischenzeit etwas von der Bühne zurückgezogen und sind dafür stärker im Bildungsbereich tätig. Sie begleiten Crews, unterrichten und leiten Workshops. Ausserdem sind sie weiterhin an wichtigen Veranstaltungen der Schweizer Breaking- und Hip-Hop-Szene dabei. «Wir durften vieles in der Szene mitgestalten», sagt Dick. Und das wollen sie auch weiterhin tun.
Einfach sei der Weg nicht gewesen, meint Richi Neuhaus. Auch heute gebe es noch grosse Herausforderungen. Den Verlust aus den Zeiten der Pandemie spüren die beiden noch immer. Doch das Duo hat seine Zuversicht nicht verloren. Und schon gar nicht den Antrieb. «Ideen und Visionen haben wir immer», erklärt Philippe Dick. «Die Umsetzung dauert einfach etwas.»
Feierlicher Lordz Students Showcase 2025
Am 29. und 30. November fand die jährliche Aufführung der Schülerinnen und Schüler der Lordz Dance Academy in der Aula der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon statt. Dieses Jahr stand sie ganz im Zeichen des 25-Jahr-Jubiläums. Richi Neuhaus und Philippe Dick feierten den ausverkauften Anlass ausgiebig mit den Schülerinnen und Schülern, den Eltern und Lehrpersonen. (mea)