Am Rande des Geschehens: Was bringt das Publikum zu den Pferdetagen in Uster?
Dieser sportliche Anlass ist für manch eine Besucherin oder manch einen Besucher ein fest eingeplanter Tag im Kalender. Dabei sind sie nicht nur von Pferden, sondern auch ganz «gewöhnlichen» Dingen vor Ort begeistert.
Unter strahlend blauem Himmel springen die Pferde munter in die Höhe und lassen Hindernis nach Hindernis hinter sich. Die ganze Atmosphäre erinnert an die grossen Pferderennen in England.
An den Seitenrändern versammeln sich bereits um halb neun einige Zuschauerinnen und Zuschauer. Es wird über die Reiterinnen und Reiter diskutiert, der neue Dorftratsch abgehandelt oder das anstehende Mittagessen geplant.
Während die Reiterinnen und Reiter auf der Wiese um den ersten Platz kämpfen, haben wir mit sechs Anwesenden gesprochen und nachgefragt, was sie an diesem Freitagmorgen zum Pferdeparcours gebracht hat. Vom erfolgreichen Trainer bis zur munteren Zuschauerin ist alles dabei.
Der Reiter
«Ich bin natürlich Turnierspringer, darum bin ich so angezogen», erklärt Andreas Ott, während er an einem Stand das Sortiment an Pferdezubehör durchsucht. Das Reiten liegt ihm im Blut, schliesslich war sein Vater bei der Kavallerie. «Bereits als Kind bin ich immer geritten», erinnert er sich. Dies hat er nun auch seiner Tochter ermöglicht, und das mit Erfolg: Otts Tochter ist zweifache Schweizer Meisterin.

Die Standverkäuferinnen
«Aktiv- und Passivmitglieder müssen eine bestimmte Anzahl Stunden im Jahr helfen», erklären Jocelyn Rickert und Alessia Manella, während sie den Kunden und Kundinnen Getränke servieren. «Und das hier machen wir lieber als ‚Jätten’.» Vom Niveau der Reiterinnen und Reiter auf der Wiese sehen sie sich als Reitenthusiastinnen jedoch noch weit entfernt: «Das muss man dann schon beruflich machen, wenn man hier mitkämpft.»

Die Platzlegende
«Seit 25 Jahren bin ich schon hier», berichtet Ruedi Wittich, Inhaber des Standes von Pferdezubehör. «Mittlerweile kennt man mich langsam», fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. In diesem Beruf hat er, als gelernter Verkäufer und Sattler, schon in jungen Jahren seine Passion gefunden. Da sei er auch selbst geritten, erzählt Wittich. Mittlerweile ist er an den grossen Turnieren jedoch «nur» noch mit dem Stand dabei.

Das Social-Media-Team
Mit grossen Kameras verfolgt ein Mutter-Tochter-Duo das Geschehen auf der Wiese. «Wir machen die Bilder und das Social Media für die Reiterinnen und Reiter», kommentieren sie ihr Equipment. Während Katja Stuppia die Bilder für die Reiterinnen und Reiter schiesst, produziert ihre Tochter Videos. «An so einem Video sitze ich 30 Minuten», erzählt sie. Da jedoch einige Reiterinnen und Reiter zu ihrer Kundschaft zählen, kann so ein Arbeitstag für die beiden gerne mal 14 Stunden dauern.

Der Trainer
«Team Fuchs» steht in grossen Buchstaben auf der Rückseite der Jacke. «Ich bin der Vater und Trainer von Martin Fuchs», erklärt der Träger Thomas Fuchs, während ein Auge stets die Reiterinnen und Reiter auf der Wiese verfolgt. Heute sind vier seiner Schützlinge im Einsatz – für den Sohn geht es jedoch erst am Sonntag auf das Pferd. Auch Thomas Fuchs ist ein begabter Reiter: «Dreimal war ich Europameister und sogar an den Olympischen Spielen dabei.»

Die Zuschauerin
Nicole Schoch ist jedes Jahr mit ihrer Familie an den Pferdetagen in Uster. «Das ist ein Fixpunkt in unserem Kalender», erklärt sie. Besonders die Atmosphäre sei dabei ein Highlight. «Und dass man nicht kochen muss, ist natürlich auch super.» Mit ihrer Familie verbringt sie jeweils den ganzen Tag am Rande des Parcours. «Zuerst gibt es einen Brunch, dann ein Apéro und schliesslich noch einen Znacht.» Von den Reitern kennt sie nicht viele, doch Martin Fuchs ist ihr natürlich ein Begriff. Ob dieser seiner Favoritenrolle gerecht werden kann, wird sich am Sonntag zeigen.
