Alteingesessener Ustermer Malerbetrieb muss aufgeben
Trotz voller Auftragsbücher
Letztes Jahr wurde die Dittlimaler AG 80 Jahre alt. Nun gibt es den Ustermer Traditionsbetrieb nicht mehr. Das, obwohl das Geschäft viele Aufträge hatte.
Die Homepage der Dittlimaler AG ist vom Netz genommen, der Telefonanschluss nicht mehr in Betrieb. Die Nummern der Autos vor der Geschäftsstelle an der Neuwiesenstrasse Uster sind entfernt. Der Ustermer Malerbetrieb ist Anfang Januar Konkurs gegangen.
«Es ist traurig», erzählt Inhaber René Frick am Telefon. «Die Firma war mein Baby.» Der gebürtige Fehraltorfer nimmt sich im Bündnerland momentan eine Auszeit. Auch eine ehemalige Mitarbeiterin, die bei Dittli bereits ihre Lehre gemacht hatte, sagt: «Es nimmt mich sehr mit.»
Das Spezielle am Fall: Zum Konkurs kam es, obwohl das Geschäft vermeintlich erfolgreich lief. Wie Frick selber und auch ehemalige Angestellte bestätigen, wurde der Betrieb von Aufträgen überhäuft. Doch wie kam es dazu, dass der Malereibetrieb trotzdem Konkurs ging?
Gründung 1941
Das Malergeschäft wurde bereits 1941 von Max Homberger – nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Wetziker Kantonsrat – gegründet. Beat Dittli übernahm den Betrieb 1981 und gab ihm seinen heutigen Namen. 2016 kaufte ihm René Frick das Geschäft ab und wandelte die Einzelfirma in eine AG um.
Ich hatte private Probleme und konnte mich nicht so um mein Geschäft kümmern, wie ich das gerne wollte.
René Frick
Frick hatte sich auf Denkmalpflege, Heimatschutz und biologisches, nachhaltiges Bauen spezialisiert. Er übernahm alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und baute die Firma weiter auf. Zum Schluss hatte er 17 Angestellte, davon 4 Lehrlinge. An Malerwettbewerben gewann der Betrieb mehrere Preise.



Eine frühere Mitarbeiterin, die für die Administration zuständig war, sagt: «Ich habe den Konkurs vorausgesehen.» Ihr ehemaliger Chef sei zwar ein fähiger Malermeister mit Herzblut, aber kein Geschäftsmann.
Gemäss der Frau, die anonym bleiben will, versäumte er es mehrfach, die Rechnungen bereit zu stellen, so dass sie diese nicht verschicken konnte. «So kam natürlich auch kein Geld rein und ich hatte Mühe, die Lieferanten und Löhne zu zahlen.»
Frick sagt dazu: «Ich hatte private Herausforderungen und konnte mich nicht so um mein Geschäft kümmern, wie ich das gerne wollte.» Er habe falsche Entscheidungen getroffen und Leute in der Administration eingestellt, die nicht seinen Vorstellungen entsprochen haben. Trotzdem sei er kein schlechter Unternehmer.
Talfahrt nach Velounfall
Weiter bergab ging es, als Frick im November 2021 einen Velounfall hatte und mehrere Wochen im Spital war. Danach war er lange Zeit krank geschrieben.
Die Administration lag endgültig brach. Eine andere ehemalige Mitarbeiterin sagt dazu: «Wir haben alles versucht, um das Ende abzuwenden. Aber es war lange niemand mehr im Büro. Es ist es menschlich, was passiert ist.»
Frick beantragte Kurzarbeit, was abgelehnt wurde, da ein Unfall kein wirtschaftlicher Grund darstellt.
In letzter Minute bezahlt
Im Sommer 2022 stand die Firma bereits kurz vor dem Konkurs, konnte diesen aber in letzter Minute mit der Zahlung des geschuldeten Geldes abwenden. Gläubiger war eine Krankentaggeldversicherung.
Das Betreibungsamt Uster hatte die Zahlung bereits vor Eröffnung des Konkurses erhalten, doch wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht, wurde die Information nicht an das Bezirksgericht Uster weitergeleitet.
Der Fall landete vor Obergericht, wo der erste Konkursentscheid schliesslich aufgehoben wurde. Doch diese zweite Chance packte Frick nicht. «Das Gerichtsverfahren hat mir emotional den Gnadenstoss gegeben», sagt er.
Am 10. Januar 2023 wurde definitiv der Konkurs eröffnet. Betreibungen eingeleitet haben in diesem Fall zwei Lieferanten. Frick konnte und wollte den Konkurs diesmal nicht abwenden. «Ich habe jahrelang Vollgas gegeben und musste mich irgendwann meiner Gesundheit zuliebe selber schützen.»
Für seine Angestellten habe er eine Anschlusslösung gefunden. Der Dezemberlohn ist er ihnen aber noch schuldig.
Mit Zuversicht in die Zukunft
René Frick will nun nach vorne schauen. In seiner Auszeit im Bündnerland erholt er sich von den vergangenen Ereignissen.
Wie es beruflich weitergeht, weiss er noch nicht. «Ich bin aber zuversichtlich, dass ich mit meinen Qualifikationen wieder eine berufliche Lösung finden werde.»