Gesellschaft

Antiquitätenhändler als Züchter

Als im Grüt noch Raubkatzen durchs Dorf flanierten

Die Geschichte klingt abenteuerlich: Ende der 1980er Jahre ging ein Mann im Grüt mit seinen Leoparden regelmässig spazieren – eine Spurensuche.

Noch heute erinnert dieses Leopardenporträt an der Hausfassade an die Tiere.

Foto: Luc Müller

Als im Grüt noch Raubkatzen durchs Dorf flanierten

Antiquitätenhändler als Züchter

Die Geschichte klingt abenteuerlich: Ende der 1980er Jahre ging ein Mann im Grüt mit seinen Leoparden regelmässig spazieren – eine Spurensuche.

Unter den Einheimischen ist es bekannt als «Leopardenhaus» – das Gebäude im Grüt in Gossau an der Grüningerstrasse 1. Wer vor diesem steht, weiss auch, warum: An der Hausfassade prangt ein gemalter Leopardenkopf.

Haus
Ab den 1980er Jahren lebten hier im Grüt, wo heute die Firma Forrer Haushaltgeräte GmbH beheimatet ist, Leoparden.

Was steckt dahinter? Der Schreibende erhielt kürzlich einen Tipp. «Schreib doch mal über die Leoparden, die früher im Grüt lebten», sagte ein Leser. Die Neugierde war geweckt, die Spurensuche ging los. Die heutige Besitzerin der Liegenschaft ist die Familie Forrer, die hier die Firma Forrer Haushaltgeräte GmbH betreibt. Beim Besuch vor Ort legt Debora Forrer ein paar Fotos auf den Tisch in der Stube. Zu sehen ist ein Gehege, das schon lange nicht mehr steht. «In diesem lebten Leoparden», erklärt Forrer. Zudem ist ein eingehagter Teich zu erkennen. «In dem haben die Tiere gebadet», weiss die heutige Hausbesitzerin.

Gehege
In diesem Aussengehege waren die Leoparden untergebracht.

Ein Blick ins Handelsregister im Internet verrät: Hier an dieser Adresse hatte von 1985 bis 2009 das Antiquariat zum Leopard seinen Firmensitz. «Handel mit und Restauration von Kunstobjekten und antiken Möbeln» ist im Handelsregisterauszug zu lesen. Besitzer war ein Josef Bachmann.

Haus
Ab den 1980er Jahren lebten hier im Grüt, wo heute die Firma Forrer Haushaltgeräte GmbH beheimatet ist, Leoparden.

Der Vorbesitzer des Hauses, das nun der Familie Forrer gehört, erinnert sich an Bachmann, von dem er das Gebäude übernommen hat. «Er hatte Leoparden», erklärt der Mann auf Anfrage. Irgendwann habe Bachmann die Tiere weggeben müssen und habe in den Gehegen noch Falken aufgezogen, unter anderen für arabische Kunden, die sich der Falknerei gewidmet hätten. Später sei Bachmann mit seiner Frau nach Norwegen ausgewandert.

Wer hat ein Foto?

Wer sich im Dorf umhört, stösst auf viele, die sich an die Leoparden erinnern. «Der Besitzer ging jeweils mit den Tieren an einer Leine spazieren – auch bis zum Volg, um dort einzukaufen», weiss ein Zeitzeuge. Scheinbar hatte Bachmann einen Leoparden und einen Schwarzen Panther.

Und eine Frau erklärt: «Die Tiere waren immer so gut eingehagt und die Sicht durch immergrüne Pflanzen eingeschränkt, dass es wohl kaum Fotos gibt. Wir erinnern uns, dass es zwei waren, einer davon schwarz. Als einer starb, hat das Veterinäramt eingegriffen, und der zweite musste auch weg.» Vor allem für Kinder sei vom Gehege ein Zauber ausgegangen. Man habe immer versucht, einen Blick auf die Tiere zu erhaschen.

In der aktuellen Tierschutzverordnung des Bunds heisst es zur Haltung solcher Tiere: «Für Wildtiere mit besonderen Ansprüchen an Haltung und Pflege darf die kantonale Behörde die Bewilligung nur erteilen, wenn das Gutachten einer unabhängigen und anerkannten Fachperson nachweist, dass die vorgesehenen Gehege und Einrichtungen eine tiergerechte Haltung ermöglichen.» Die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller und die zuständige kantonale Behörde müssten die Fachperson gemeinsam bestimmen. In der Verordnung sind Leoparden explizit als Tiere aufgeführt, für die besondere Ansprüche an Haltung und Pflege gelten.

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.