Meier Tobler glänzt dank der Wärmewende
Schwerzenbach soll wieder Hauptsitz werden
Der Boom bei der Sanierung von Heizungsanlagen schlägt sich positiv auf Umsatz und Gewinn des Bauzulieferers Meier Tobler nieder. Auch die Dividende soll steigen.
Im Gegensatz zum lädierten CEO Roger Basler hat sich das von ihm geleitete Klimatechnikunternehmen Meier Tobler AG an der Bilanzmedienkonferenz in bestem Zustand gezeigt. «Ich hatte Pech beim Skifahren und habe mir die Schulter gebrochen», meinte er. Deutlich mehr Freude bereiten ihm die Zahlen des Unternehmens, das schon bald seinen Hauptsitz wieder in Schwerzenbach haben soll.
Die Zahlen
Im Geschäftsjahr 2022 ist der Umsatz gesteigert und der Gewinn fast verdoppelt worden. Im Vergleich zum Vorjahr erzielte Meier Tobler 2022 einen Nettoumsatz von 556,3 Millionen Franken und damit 8,9 Prozent mehr.
Das betriebliche Ergebnis auf Stufe Ebitda beläuft sich auf 52,1 Millionen und übertrifft damit den Vorjahreswert von 35,9 Millionen Franken ebenfalls deutlich. Die Ebitda-Marge stieg von 7 auf 9,4 Prozent und der Konzerngewinn von 15,6 auf 30,7 Millionen Franken.
Die Gründe
Zu diesem «ausserordentlich erfreulichen Ergebnis» haben laut Basler mehrere Faktoren beigetragen. Das Unternehmen profitierte in erster Linie von der fortschreitenden Umstellung auf erneuerbare Wärmesysteme. Meier Tobler gewinne hier ständig Marktanteile hinzu.

Wer von fossilen Heizungen weg wolle, finde oft in aussen aufgestellte Wärmepumpen eine gute Alternative, meinte Basler. Diese Anlagen könnten heizen und kühlen. Das sei ein schlagendes Verkaufsargument. 2022 sind nur noch etwas über 10'000 fossile Heizungsanlagen neu installiert worden.
«Diese Zahl wird weiter sinken», betonte der CEO. Gleichzeitig warnte er aber auch vor übertriebenen Wachstumserwartungen bei den Wärmepumpen. «Wir werden hier im 2023 aber nicht mehr mit 23 Prozent wachsen können wie im 2022.»

Im Handelsgeschäft verfüge Meier Tobler dank seiner gesamtschweizerischen Präsenz mit 47 Marchés und einer «erstklassigen Logistik» über eine führende Marktstellung. Im 2022 wuchs das Handelsgeschäft im hohen einstelligen Prozentbereich. Dieses deutlich über dem normalen Niveau liegende Wachstum war vor allem auf Verkaufspreiserhöhungen zurückzuführen.
Unter dem Namen «marché@work» bewirtschaftet Meier Tobler einen «Selbstbedienungs-Marché» für Montage- und Verbrauchsmaterial bei Kunden, also Installationsfirmen, vor Ort. Deren Zahl konnte der Bauzulieferer auf 639 mehr als verdoppeln.
Immer mehr Geschäfte werden zudem online abgewickelt. 2022 wurden bereits rund 40 Prozent des Umsatzes im Handelsgeschäft über den e-Shop getätigt.

Der Umsatz im Servicegeschäft war leicht rückläufig. Meier Tobler führt das auf die milden Temperaturen und den beschleunigten Rückgang fossiler Heizungen zurück. Das Unternehmen will das rückläufige fossile Geschäft durch digitale Services kompensieren.
Als Beispiele nennt Meier Tobler das Online-Diagnose-Tool für Wärmepumpen, welches die Wartung der Anlagen erleichtern soll. Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte Meier Tobler den Absatz von Heizungen mit diesem Tool um gut 30 Prozent auf 4400 Anlagen.
Die Nachfrage nach Kälte- und Klimasystemen bezeichnet das Unternehmen ebenfalls als ungebrochen hoch. Entsprechend hat Meier Tobler hier im 2022 mit einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich abgeschlossen. In diesem Bereich stehen laut Basler Grossprojekte im Mittelpunkt. Dazu gehört etwa die Ausrüstung eines Hochleistungs-Rechencenters der Green Datacenter AG.
Die Veränderungen
Ein wichtiger Meilenstein im 2023 wird für Meier Tobler die Eröffnung des neuen Dienstleistungscenters in Oberbuchsiten (SO) im Sommer 2023 sein. Dieses lässt der Bauzulieferer erstellen, verkauft es dann an die Suva und wird sich danach wieder dort einmieten.
An diesem Standort werden die Logistik für die gesamte Gruppe sowie regionale Verkaufs- und Serviceaktivitäten zusammengefasst. Die beiden bisherigen Logistikstandorte Däniken und Nebikon werden aufgehoben.
Das Zusammenlegen der Logistik soll ab 2024 nicht nur Einsparungen bei den Betriebskosten ergeben. Erwartet wird auch eine weitere Verbesserung des Kundennutzens.

Zentral für die Region ist im Zusammenhang mit der Schliessung der beiden bisherigen Logistikstandorte die Verlegung des Hauptsitzes von Meier Tobler. Der Generalversammlung, die am 13. März stattfindet, wird beantragt, diesen nach vier Jahren im luzernischen Egolzwil wieder ins zürcherische Schwerzenbach zu verschieben. Die Verlegung war damals damit begründet worden, dass ein Ausbau des Standorts Egolzwil geprüft werde.
Die Aktionäre
Der sehr gute Geschäftsgang von Meier Tobler spiegelt sich auch im Gewinnanteil für die Aktionäre: Die Geschäftsführung beantragt eine Dividende von 1,20 Franken pro Aktie, was 20 Rappen über der Dividende von 2021 liegt.
Fortgesetzt werden soll auch das im Frühjahr 2022 gestartete Aktienrückkaufprogramm. Im letzten Jahr wurden 408’800 Aktien im Gesamtwert von 10,9 Millionen Franken zurückgekauft. Dies entspricht einem Anteil von 3,4 Prozent des gesamten Aktienkapitals.
Das Aktienkapital soll mittels ordentlicher Kapitalherabsetzung durch die Vernichtung der zurückgekauften Aktien herabgesetzt werden. Aufgrund des Aktienrückkaufprogramms nimmt der Gewinn pro Aktie überproportional auf 2,65 Franken je Aktie zu. Im Rahmen des laufenden Programms sollen maximal 8,66 Prozent der Aktien im Wert von maximal 30 Millionen Franken zurückgekauft werden, wie CFO Lukas Leuenberger betonte.
Der Ausblick
«Wir gehen im 2023 von einem stabilen Baumarkt und einem weiterhin dynamischen Sanierungsmarkt aus», unterstrich CEO Basler. Da die Energiewende weiter vorangetrieben werde, sei der Trend zum nachhaltigen Heizen ungebrochen. Knapp eine Million Gebäude in der Schweiz werde nach wie vor mit fossiler Energie beheizt. «Da ergibt sich für uns ein riesiges Potenzial für Sanierungen», zeigt sich Basler optimistisch.
Gleichzeitig mahnte Basler aber auch: «Inflation, Zinssteigerungen und geopolitische Unsicherheiten stellen für die Bauwirtschaft Risiken dar. Das Bauen wird teurer werden.» Zudem blieben die Beschaffungsmärkte volatil.
Trotz der Wolken am Himmel geht Meier Tobler laut Basler mittelfristig von einem Umsatzwachstum mindestens im Rahmen der Marktentwicklung aus.
Ab 2024 werden mit dem neuen Logistikzentrum und der Einführung eines neuen ERP-Systems nochmals deutliche operative Verbesserungen erwartet. Diese sollen es ermöglichen, die Ebitda-Marge trotz inflationsbedingt höherer Gemeinkosten auf hohem Niveau zu halten. «Wir haben jedenfalls eine gute Ausgangslage», schloss der CEO die Bilanzmedienkonferenz.
