Die Schwimmer sitzen bald auf dem Trockenen
Wetziker Iwaz schliesst Hallenbad aus Kostengründen
Ende Juni wird im Therapiebad des Wohn- und Arbeitszentrums Iwaz in Wetzikon das Wasser abgelassen – für immer. Von der Schliessung sind auch viele externe Nutzer betroffen.
Von ganz jung bis ziemlich alt: Im Hallenbad des Sozialunternehmens Iwaz plantschen Woche für Woche Dutzende jeder Altersgruppe im 32 Grad warmen Wasser. Mitte Jahr aber ist Schluss.
Das Babyschwimmen, Aquakidz, die Meerjungfrauen, Aqua Mama für Schwangere, die Rheumaligen oder das Aquafit für Senioren, sie alle müssen sich nach einem neuen Ort für ihre Angebote umsehen.
Wenig Nachfrage aus dem Iwaz
«Mit den bevorstehenden Instandhaltungsarbeiten, den Entwicklungen der Heiz- und Stromkosten und den bisherigen Einnahmen können wir das Hallenbad leider nicht mehr kostentragend weiterführen», hat Iwaz-Geschäftsführer Martin Wagner den Verantwortlichen der externen Nutzergruppen Anfang Monat mitgeteilt.
Was vor allem aber zählt: Das Therapiebad werde von den Bewohnenden der Sozialinstitution «kaum noch genutzt», wie Wagner auf Nachfrage unterstreicht.
1973 zogen die ersten körperlich Schwerbehinderten in das neu erstellte Wohn- und Arbeitsheim im Wetziker Quartier Medikon ein. Seither ist das Sozialunternehmen, wie sich das Iwaz selbst bezeichnet, stark gewachsen.
Der Fokus liegt auf Menschen mit Handicap, denen Arbeitsmöglichkeiten, Ausbildungsplätze und ein Zuhause geboten wird. Gesunken ist dagegen die Nachfrage nach dem hausinternen Bad.
Schliessung bereits vor 20 Jahren ein Thema
Schon 2002 stellte sich die Frage nach dem Weiterbestand des kleinen Hallenbades, das über eine Wassertiefe von 1,25 bis 1,5 Meter verfügt. Damals waren bereits 90 Prozent auswärtige Badegäste. 140'000 Franken pro Jahr kostete das Iwaz der Betrieb des kleinen Beckens.
Der damalige Gemeindepräsident Max Homberger sicherte der Wetziker Institution Beiträge an die Investitions- sowie Betriebskosten zu, wurde jedoch von der Exekutive zurückgepfiffen.
Ein Einsehen hatte dann aber der Souverän, der an einer Gemeindeversammlung mit dem Griff in die Gemeindekasse das Bad rettete.

So weit kommt es diesmal nicht mehr. Laut Wagner decken die Einnahmen aus der Fremdnutzung noch knapp ein Viertel der laufenden Betriebskosten. Und diese haben sich durch die Preisentwicklung im Energiesektor nochmals erhöht.
«Nebst den laufenden Betriebskosten stehen für das Bad auch Instandhaltungs-, Erneuerungs- und bauliche Massnahmen in der Höhe von mindestens einer halben Million Franken an», hält der Geschäftsführer fest. Tatsächlich löst sich etwa der Bodenbelag im Schwimmbecken.
Andere Projekte im Vordergrund
Dieses Geld will das Iwaz aber sparen und lieber andernorts einsetzen. Die Gebäudestrategie sehe nämlich vor, dass in den nächsten Jahren umfassende Sanierungs- und Neubauprojekte für den Wohnbereich umgesetzt würden.
Aus Gründen der Finanzierbarkeit und der Nachhaltigkeit sei eine neue Investition ins Bad nicht gerechtfertigt. Und ohne Instandhaltungsarbeiten sei dessen Weiterbetrieb «aus Sicherheitsgründen längerfristig nicht möglich».
«Eine Schliessung des Bades ist somit unausweichlich geworden», unterstreicht Wagner.
Begegnungen fallen weg
Der Entscheid zur definitiven Schliessung des Bades auf Ende Juni sei ihnen sehr schwergefallen, meint der Iwaz-Leiter. Sie bedauerten diesen Schritt ausserordentlich, zumal «die Fremdnutzung auch zur Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung beigetragen» habe.
Auch Prisca Tortorici bedauert den Entscheid: «Es ist schade, dass vor diesem Entschluss nicht noch einmal der Kontakt zu uns Mietern gesucht worden ist.» Seit rund acht Jahren leitet sie das Aquafit für Senioren im Iwaz-Bad.
«Für die Teilnehmer hat das Aquafit auch einen wichtigen sozialen Aspekt», betont sie. «Für viele ist dieses wöchentliche Treffen so etwas wie Ausgang.»
Ausweichen in den Sack
Die vier Gruppen von Seniorinnen und Senioren, die zwischen 60 und 94 Jahre alt sind, gingen häufig auch noch ins Restaurant für Gespräche. Und neben dem Wasserturnen treffen sich manche auch zu anderen gemeinsamen Aktivitäten.
Die Suche nach einem neuen Bad sei schwierig. In Wetzikon gebe es kaum Möglichkeiten, meint Tortorici. Das Becken im Schulhaus Feld sei komplett ausgebucht. Ein anderes Bad am Ämmetweg eigne sich nicht, da es zu wenig tief sei.
Immerhin ist Tortorici im benachbarten Seegräbner Ortsteil Sack fündig geworden. Allerdings ist dort die Miete doppelt so hoch. Ab August wird sie im viel grösseren Bad des Schulinternats Aathal für zwei Gruppen Aquafit anbieten können.
Sie rechnet damit, dass aufgrund des Wechsels rund ein Drittel der bisherigen Teilnehmer abspringen wird. Sie freut sich aber, dass ihr Angebot überhaupt weitergeführt werden kann.
Zukunft für viele noch offen
Offen bleibt, ob auch die anderen Gruppen anderswo Unterschlupf finden. Für einige Besucher wäre dies jedenfalls schon der zweite Umzug in relativ kurzer Zeit.
So wechselten diese vom Therapiebad im Ustermer Wagerenhof nach Wetzikon. Während der Corona-Pandemie hatte der Wagerenhof externen kommerziellen Angeboten einen solchen Wechsel empfohlen, zumal auch mehr Eigenbedarf bestand.
Nun könnte es sein, dass diese Anbieter schon bald definitiv auf dem Trockenen sitzen könnten.
