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Drei Gemeinden lobbyieren für langen Autobahntunnel

Mit einem langen Tunnel - hier ein Bild aus Polen - durch den Fels soll die Lücke in der Oberlandautobahn geschlossen werden.

Wikimedia

Drei Gemeinden lobbyieren für langen Autobahntunnel

Wetzikon, Hinwil und Gossau

Das Projekt Lückenschliessung kommt – wieder einmal – in eine heisse Phase. Drei Standortgemeinden machen klar, dass sie die Oberlandautobahn in einem tiefen Tunnel sehen wollen.

Christian Brändli

«Es freut mich, dass dieser wichtige Schulterschluss im Interesse des Zürcher Oberlandes gelungen ist und ein starkes Zeichen nach Bern gesendet werden kann.» Gossaus Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP) macht keinen Hehl daraus, dass er es war, der bei den Nachbargemeinden Wetzikon und Hinwil weibeln ging.

Sein Ziel: Die Oberlandautobahn soll in einem tiefen Tunnel von Wetzikon aus direkt zum Betzholz führen.

Schnelle Einigung

Viel Überzeugungsarbeit habe es aber gar nicht gebraucht, meint Kündig. Am 6. Dezember hat ein erstes Treffen von Vertretern Wetzikons, Hinwils und Gossau stattgefunden. Und nun haben alle drei Exekutiven die gemeinsame Position abgesegnet.

Sie fordern, dass «explizit und ausschliesslich die Best-Variante ‹Tunnel tief› in der zukünftigen Planung weiterverfolgt wird, mit direkter, eventuell weiter optimierter Linienführung zwischen Wetzikon West und dem Betzholz».

Zwei Varianten

Die Auswahl bei den Varianten ist allerdings nicht gross. Zur Diskussion stehen zwei. Beide sind auf dem Abschnitt vom Anschluss Uster Ost bis zum Anschluss Wetzikon identisch. Vorgesehen ist dort eine offene Streckenführung sowie ein Tunnel parallel zum Aatal.

Dann aber spalten sie sich auf. Neben der vom Kanton Zürich ins Spiel gebrachten Variante «Tunnel tief» – einer 5,9 Kilometer langen Röhre durch festen Fels direkt zum Betzholz – gibt es die Richtplanvariante.

Oberlandautobahn Karte Januar 2022
Die Grafik zeigt die beiden zur Diskussion stehenden Varianten für die Oberlandautobahn. (Grafik: Anja Furrer)

Diese sieht vom Anschluss Wetzikon aus einen Tunnel bis zur Gossauer Aussenwacht Grüt vor. Dort käme die Autobahn kurz ans Tageslicht und würde dann wieder abtauchen und in einer Tunnelkurve zur Verzweigung Ottikon an die Forchautostrasse führen.

Diese Forchautostrasse würde dann von dort bis zum Betzholz auf Autobahnstandart ausgebaut werden müssen. Dort mündete die Strasse direkt in die Autobahn Richtung Rüti/Rapperswil. Der heute bestehende grosse Kreisel würde verschwinden.

Umweltverträglichkeit ausschlaggebend

Die beiden Varianten unterscheiden sich aber nicht nur in der Streckenführung, sondern auch im Preis: So gehen vor zwei Jahren erstellte Kostenschätzungen von 1,67 Milliarden für die Richtplanvariante und von 2,08 Milliarden Franken für den tiefen Tunnel aus.

Otto Noger, Chef der Infrastrukturfiliale Winterthur des Bundesamts für Strassen (Astra), machte im letzten Jahr jedoch klar, dass nicht die Finanzierung, sondern die Umweltverträglichkeit der kritische Punkt sein werde. Nogers Filiale plant die Schliessung der Lücke in der Oberlandautobahn.

Auch die drei Gemeinden sehen das so. «Die Variante Tunnel-tief schont Natur und Menschen und macht so die Mehrkosten mehr als nur wett», verdeutlicht Kündig.

Konkret orten die drei Gemeinden bei der Richtplanvariante vier grosse Nachteile gegenüber dem tiefen Tunnel.

1. Massive Eingriffe bei Gossau

Zunächst ist da die teilweise offene Linienführung beim Grüt und der Verzweigung Oberottikon und der «massive Ausbau» der offen geführten Forchstrasse.

Dies bedeute «einen massiven Eingriff in das Naherholungsgebiet der Gossauerinnen und Gossauer». Die Bevölkerung würde mit Lärm und Luftverschmutzung belastet. Hinzu komme die lange Bauzeit und die vorgesehene Realisierung mehrheitlich im Tagbau «mit entsprechender Beeinträchtigung der Lebensqualität in Gossau mit seinen Wachten».

2. Zerstörung eines Hinwiler Weilers

Der zweite Kritikpunkt sind die geplanten Terrainveränderungen beim Betzholzkreisel.

Indem dort mit einer neuen Strasse die Kurve geschnitten werde, «würden die neuen Strassenbauten direkt durch den historisch gewachsenen Hinwiler Weiler Affeltrangen führen und diesen zerstören respektive unbewohnbar machen», führen die drei Gemeindepräsidenten in einem Brief an, den sie Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen Astra, geschrieben haben.

Luftaufnahmen Betzholzkreisel vom 3.6.14
Der Weiler Affeltrangen (links im Bild) droht bei einer Realisierung der Richtplanvariante durch eine neue Strassenführung zerschnitten zu werden.

Einzelne Gebäude in Affeltrangen würden «massivst beeinträchtigt oder müssten sogar komplett abgebrochen werden».

3. Mehr Lärm in Wetzikon

Drittens führen die drei Gemeinden das Tunnelportal des Anschlusses Wetzikon an.

Während bei einem Tunnel tief das Portal nach Westen ausgerichtet ist, würde er bei der Richtplanvariante nordwestlich zu liegen kommen und sich damit optisch und lärmtechnisch stärker auf das angrenzende Siedlungsgebiet der Stadt Wetzikon auswirken.

4. Anschluss in die Hinwiler Industrie 

Schliesslich wird als letztes Argument gegen die Richtplanvariante angeführt, dass ein grosser Verkehrsanteil, welcher Ziel und Quelle in der Hinwiler Industrie- und Gewerbezone Wässeri habe, aufgrund der längeren Fahrstrecke zwischen Anschluss Wetzikon und Betzholzkreisel den Anschluss Wetzikon bevorzugen. Von dort würden sie auf der bestehenden Strasse durch Wetzikon die Anwohner weiter belasten.

Das sei beim «Tunnel tief» nicht zu erwarten, da dort dieser Verkehr vom Betzholz aus in die Wässeri rolle.

Entscheid fällt bald

Den Schritt an die Öffentlichkeit und das Schreiben ans Astra hat Kündig bewusst jetzt gewählt.  Mitte Jahr soll im Astra der Entscheid gefällt werden, welche Variante ausgewählt und weiterbearbeitet wird. Bei diesem Beschluss sollen nicht nur aufdatierte Kostenschätzungen, sondern auch die Genehmigungsrisiken sowie Zielkonflikte berücksichtigt werden.

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