Die Chancen packen - aber mit Augenmass
Blog: Leitartikel zum Jahreswechsel
Wie bereits vor einem Jahr an dieser Stelle wünsche ich Ihnen allen ein glückliches, gesundes neues Jahr!
War vor Jahresfrist noch immer Corona ein grosses Thema, hat sich das in der Zwischenzeit geändert. 2022 hat die Welt um Jahrzehnte zurückgeworfen und Europa in einen Krieg verwickelt, den so kaum jemand für möglich gehalten hätte. Gutes hat dieser Krieg selbstredend nichts. Aber gezeigt hat er uns allerhand: Es ist nicht alles selbstverständlich, was wir in den letzten Jahrzehnten als solches betrachtet haben.
Wir stehen international, national, aber auch im Oberland vor grossen Herausforderungen. Diese haben sich viel stärker akzentuiert und auch vor der Haustüre bemerkbar gemacht, wie man das vor einem Jahr noch kaum für möglich gehalten hätte.
Ich meine damit nicht nur die Energiekrise. Ich meine ebenso das Wachstum, das neben dem Wohlstand immer mehr auch seine Schattenseiten zeigt.
Die Schweiz wird in diesem Jahr die Neun-Millionen-Grenze überschreiten. Immer mehr Menschen kommen in die Schweiz und leben hier und kurbeln unseren Wohlstand an. Und dennoch spüren die Unternehmen in fast allen Branchen einen bisher nie dagewesenen Mangel an qualifizierten Mitarbeitenden, weil zu wenig gezielt die benötigten Fachkräfte gesucht werden.
Mehr Menschen brauchen mehr Platz auf den Strassen und mehr Wohnraum. Der Druck auf die Infrastruktur wächst. Wie man in neuesten Studien lesen kann, leidet trotz des Wirtschaftswachstums die Produktivität. Auch dies eine Folge des Mangels an Fachkräften. Hier braucht es also flankierende Massnahmen – und dafür ist die Politik zuständig. Massnahmen braucht es nicht nur auf der grossen politischen Bühne, sondern ebenso regional und auch lokal. Gerade in den grossen Zentren des Oberlandes spüren wir das Problem des Bevölkerungswachstums – und auch, wie die Infrastruktur kaum mithält. Seit Jahren zeigt sich das im Verkehrsnetz und immer mehr auch in Schulen, die an ihre Kapazitätsgrenzen stossen.
Und was ist mit der Energiekrise? Wie geht das weiter? Rund ein Drittel mehr sollen wir 2023 für den Strom bezahlen. Das bringt nicht nur die privaten Haushalte mehr und mehr an ihre Grenzen, sondern ebenso die Unternehmen, die solche Mehrkosten nicht einfach auf die Kunden überwälzen können.
Die Wende in der Energieversorgung tut Not, die Chance muss man jetzt packen, aber auch hier braucht es Augenmass. Der im Kanton Zürich eingeschlagene Weg einer liberalen Energiewende könnte erfolgversprechend sein, denn mit Anreizen statt Verboten erreicht man hierzulande oft mehr.
Die Steuererleichterungen für die Solarstrom-Einspeisung kam schnell und zeigt, dass die Politik auch pragmatisch sein kann. Und für den Umstieg von privaten Haushalten auf nachhaltige Energien muss unkomplizierte und einfache Unterstützung möglich sein. Dann kann im Kleinen beginnen, was im Grossen wirken soll.
Und mittendrin sind Sie als Wählerinnen und Wähler und als Stimmvolk – und wir. Angesichts der drängenden Probleme sind wir beide gefragt. Im letzten Jahr wurden im März die Gemeindebehörden neu gewählt. Mit allen Nachzüglern hat sich das bis fast in den Winter hingezogen.
Und auch dieses Jahr wird ein politisches, mit den Regierungs- und Kantonsratswahlen in gut einem Monat und den Nationalratswahlen im Herbst. Noch mehr als im letzten Jahr werden Sie mit diesen Wahlen die Weichen für die politische Entwicklung stellen. Unsere Aufgabe ist es, Sie mit den für Ihre Entscheidung nötigen Informationen zu versorgen, Ihnen Analysen und Meinungen zu bieten, die Ihnen helfen sollen, Ihren Teil des demokratischen Prozesses erfüllen zu können.
Wir werden alles daransetzen, unseren gesellschaftspolitischen Auftrag zu erfüllen. Dafür brauchen wir aber auch Sie und Ihre Unterstützung. Denn gratis ist nichts im Leben. Für Ihre Treue danke ich Ihnen.
