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Wahlen

Grüne Wahlgewinner und eine zerknirschte SVP

Wetzikon hat einen neuen Stadtrat: Die SVP und EVP verlieren einen Sitz, FDP und Grüne gewinnen. Fraglich ist noch, wer das Gremium künftig führen wird.

v.l. Henry Vettiger, Sandra Elliscasis, Pascal Bassu, Stefan Lenz, Remo Vogel-Hess, Christine Walter-Walder, Jürg Schuler

Foto: Christian Merz

Grüne Wahlgewinner und eine zerknirschte SVP

«Bitter», «sehr enttäuscht» und «unerklärlich», das waren die Worte, die dem Wetziker SVP-Präsident Rolf Müri als erstes über die Lippen kamen.

Ein Links-Rütschli in Wetzikon

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Kommentar zu den Wahlen

Die FDP gewinnt auf Kosten der SVP. Die Linke zwackt der EVP und Mitte etwas Macht ab. Beitrag in Merkliste speichern Seine Partei verliert einen ihrer beiden Stadtratssitze. Die stärkste Fraktion im Parlament ist damit nur noch mit Henry Vettiger im Stadtrat vertreten. Der zweite SVP-Kandidat Rolf Zimmermann verpasste die Wahl deutlich.

Tiefe Wahlbeteiligung als Problem

«Ich bin mit meinem Resultat zufrieden. Aber für unsere Partei ist dieses Wahlergebnis natürlich enttäuschend. Wir haben schlicht zu wenig mobilisiert», sagte Vettiger. In der Tat lag die Wahlbeteiligung bei nur rund 29 Prozent. Oder wie es Rolf Müri ausdrückte: «sieben von zehn Wetzikern waren nicht an der Urne». Er könne sich noch nicht erklären, was passiert sei, sagte der sichtlich zerknirschte Müri. «Wir werden die Neugewählten aber in die Pflicht nehmen.»

Den Sitz verlor die Partei an die FDP, die damit neu drei Stadträte stellt. Den beiden Neuen, Sandra Elliscasis und Stefan Lenz, gelang die Wahl genauso wie der bisherige Schulpräsident Jürg Schuler.

Bekannte Gesichter

Elliscasis ersetzt damit die abtretende Susanne Sieber und Lenz schafft den Sprung auf Kosten der SVP. «Die FDP hatte eine gute Wahlstrategie und war im Wahlkampf präsent», sagt Henry Vettiger (SVP).

Und auch die FDP sieht die Gründe für den eigenen Wahlerfolg im starken Wahlkampf: «Exekutivwahlen sind Personenwahlen. Wir waren sicher präsenter als die SVP», sagte Neo-Stadtrat Stefan Lenz. Und Sandra Elliscasis ergänzte: «Wir sind eben keine Nein-Sager-Partei. Ich glaube, das ist der SVP zum Verhängnis geworden.»

Von einem falschen Kandidaten will Müri dagegen nichts wissen. «Wir haben mit Rolf Zimmermann einen hervorragenden Kandidaten nominiert. Wir werden jetzt erstmal analysieren, was schiefgelaufen ist.»

Linke mobilisiert

Grund zu jubeln hatten dagegen die linken Parteien. Sie haben sehr stark mobilisiert und die Grünen schafften mit der arrivierten Parlamentarierin Christine Walter Walder den Sprung in den Stadtrat

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27.03.2022

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«Ich persönlich und wir als Partei können nach diesem Wahltag sehr zufrieden sein»




Pascal Bassu, SP-Stadtrat

Walter erobert damit den Sitz vom abtretenden Stadtpräsidenten Ruedi Rüfenacht. EVP-Kandidatin Pia Ernst wurde ihre Unbekanntheit zum Verhängnis. Chancenlos war AW-Parlamentarierin Bigi Obrist.

Sichtlich erfreut und spitzbübisch grinsend freute sich SP-Stadtrat Pascal Bassu über sein eigenes Wahlresultat. Bassu erhielt am zweitmeisten Stimmen. «Ich persönlich und wir als Partei können nach diesem Wahltag sehr zufrieden sein», sagte er.

Er verspüre angesichts des starken Wahlresultats – die Partei legte in allen Gremien zu – «eine neue Legitimität.» Und auch Parteikollegin Brigitte Meier Hitz erzielte ein gutes Resultat, verpasste aber den Sprung in den Stadtrat.

«Glas halb voll»

Grund zur Freude hatte auch Remo Vogel (die Mitte). Der Ressortvorsteher Soziales erzielte das mit Abstand beste Resultat, wie schon vor vier Jahren. «Für mich ist das Glas halb voll», sagt Vogel im Nachgang an die Wahl. Parteikollege und Mitte-Fraktionschef Toni Zweifel verpasste zwar die Wahl. «Ein zweiter Sitz wäre ein grosser Bonus gewesen», meint Vogel.

Er steht für die Kontinuität im Gremium. Angesichts seiner Wahlresultate und seiner damit einhergehenden Beliebtheit im Volk in den letzten Jahren wäre er für viele wohl der logische Nachfolger des abtretenden Stadtpräsidenten Ruedi Rüfenacht gewesen. Vogel verzichtete aber aus beruflichen und familiären Gründen.

Stadtrat bleibt bürgerlich

Mit grösseren inhaltlichen Verschiebungen rechnet Vogel nicht: «Im Stadtrat machen wir Sachpolitik und wir werden als Team weiterarbeiten. Pascal Bassu ist für mich das beste Beispiel. Er hat sich vor vier Jahren nahtlos und lösungsorientiert ins Gremium eingefügt.» Das erwartet Vogel auch von den neugewählten Stadträten.

Der Stadtrat bleibt denn auch in bürgerlicher Hand: FDP und SVP haben zusammen vier Sitze, ergänzt durch Mitte-Mann Vogel. SP und Grüne haben je einen Sitz.

Zweiter Wahlgang im Mai

Unter welcher Führung der neue Stadtrat in die neue Legislatur starten wird ist freilich noch nicht klar. Keine der vier Kandidatinnen erreichte das absolute Mehr im ersten Wahlgang. Dieser findet am 15. Mai statt.

Da Bigi Obrist die Wahl in den Stadtrat verpasste, wird es aller Voraussicht nach einen Dreikampf ums Stadtpräsidium geben. Henry Vettiger tritt in jedem Fall nochmals an und will im dritten Anlauf die Wahl ins Präsidium schaffen.

Offenes Rennen

Pascal Bassu erzielte nur rund 70 Stimmen weniger als Vettiger und kann sich entsprechend Chancen ausrechnen. Sandra Elliscasis wird als einzige Frau wohl ebenfalls nicht zurückziehen. Definitiv entscheiden wollen Parteien und Kandidaten erst nach einer Analyse der Wahlresultate.

Allerdings wird sich die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang vom 15. Mai nochmals verändern. Zum einen finden im Mai zusätzlich zu den Wahlen nationale Abstimmungen statt, die die Wahlbeteiligung in aller Regel in die Höhe treiben werden, was die Stimmenverteilung nochmals etwas verändern dürfte. Zudem wird es in den kommenden Wochen spannend zu beobachten sein, an wen die Stimmen von Bigi Obrist gehen. Das Rennen ist absolut offen.

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